Aktuelle Filme


L'Chaim - Auf das Leben!L'Chaim - Auf das Leben!
In der spannungsreichsten Szene tischt Chaim Lubelski, der jüdische Sohn zweier Holocaust-Überlebender, seiner Mutter Nechuma eine Lüge auf. Zuvor haben wir erfahren, dass seine Schwester vor sechs Jahren an einer Überdosis Medikamenten gestorben ist. Um seine alte Mutter zu schützen, erfindet der Sohn seitdem Geschichten vom Leben der Schwester in einer israelischen Reha-Klinik. Es ist eine Szene, die Fragen aufwirft: Ist es moralisch vertretbar, den Todesfall über so viele Jahre hinweg zu vertuschen? Glaubt Nechuma ihrem Sohn wirklich?
Im Fortgang der Dokumentation, in der Elkan Spiller wie zuvor im Kurzfilm "Mama, L'Chaim" (2009) seinen Cousin und dessen Mutter begleitet, spielt dieses Dilemma eine kurze Nebenrolle.
Von Christian Horn.
Foto: mindjazz pictures


Der Chor - Stimmen des HerzensDer Chor - Stimmen des Herzens
Der unglücklich anheimelnde deutsche Titel dieses Films (Originaltitel "Boychoir") wird voraussichtlich mehr Zuschauer vom Kinobesuch abhalten als sie heranzuziehen - da helfen leider auch große Schauspielernamen wie Dustin Hofmann, Debra Winger und Kathy Bates nicht weiter. Nur die Musik, die gelungene Auswahl der Partituren, und die außergewöhnlichen Stimmen der Jungen lohnen, sich den Film anzusehen. Man kann behaupten, dass die Original-Stimmen des "American Boychoir" die Hauptrolle dieses Films spielen, der aber um den Chor herum konstruiert wirkt.
Auf seltsame Weise distanziert sind nicht nur die zwischenmenschlichen Beziehungen in diesem Film, sondern auch die des Films selbst zu seinem Publikum. Man erhält als Zuschauer nur sekundenlange Kurzaufnahmen aus der erbarmungslosen Biographie des elfjährigen Stet.
Von Hilde Ottschofski.
Foto: SquareOne / Universum Film


Das Märchen der MärchenDas Märchen der Märchen
Der kühne Titel von Matteo Garrones Fantasy-Potpourri stammt nicht vom Autor des opulenten Leinwand-Märchens, sondern dem der mittelalterlichen Vorlage. Giambattista Basile gab seinem "Pentamerone" zu Recht den Beinamen "Lo cunto de li cunti". Die im 17. Jahrhundert erschienene Sammlung mündlicher Erzählungen ist die erste ihrer Art und beeinflusste Charles Perrault und die Gebrüder Grimm. Basile gab seinen Geschichten mittels einer Rahmenhandlung eine übergreifende Struktur, die Garrones Verfilmung entschieden fehlt. Das aus den 50 Erzählungen ausgewählte Trio ist nur aufs Flüchtigste miteinander verknüpft. Ab und zu sieht man Charaktere anderer Episoden als Zuschauer am Rande stehen. Mehr Interaktion zwischen den Protagonisten der verschiedenen Handlungsstränge gibt es nicht. Das wäre nicht weiter dramatisch, gäbe es eine thematische Verbindung. Doch die einzelnen Märchen tun sich schon schwer genug, für sich einen inhaltlichen Bogen zu spannen.
Von Lida Bach.
Foto: Concorde Filmverleih


Broadway TherapyBroadway Therapy
Lange hat man von Peter Bogdanovich, dem Altmeister auf dem Regiestuhl, nichts mehr gehört. Der 1939 geborene Regisseur hatte seine beste Zeit in den 1970er Jahren. Da drehte er "Die letzte Vorstellung" ("Last Picture Show", 1971), "Is' was, Doc?" ("What's Up, Doc?", 1972) und "Paper Moon" ("Paper Moon", 1973). An die Turbulenzen in der Handlung, die "Is' was, Doc?" zu einem Screwball-Komödienklassiker gemacht haben, schließt "Broadway Therapy" an, ohne dessen Esprit zu erreichen. In "Broadway Therapy" geht es um notgeile Männer, die ohne mit der Wimper zu zucken den Escortservice rufen, sobald sie sich allein wähnen, und gehörnte Partnerinnen, die hysterisch reagieren, wenn die Männer auffliegen. Obwohl diese alles tun, um ihren Seitensprung zu kaschieren. Vor allem, um sich das Gekreische der Frauen zu ersparen. Etwas, das ihnen doch nicht und auch dem Zuschauer nicht erspart bleibt.
Von Michael Dlugosch.
Foto: Wild Bunch Germany


Taxi TeheranTaxi Teheran
"Gehen Sie raus, schauen Sie sich um", rät Jafar Panahi einem jungen Filmstudenten auf der Suche nach einer guten Geschichte. Geschichten aus der Literatur wurden doch schon alle durchlebt. Panahi ist der liebenswerte Strippenzieher, der nach und nach seine Charaktere in das Taxi holt. Sein Sujet ist das tägliche Leben mit all den verrückten, liebenswerten, tragischen oder verzweifelten Zügen, die Iran zu bieten hat.
Der Goldene Bär bei der 65. Berlinale ist mehr als gerechtfertigt. Die intime und liebevolle Darstellung von Panahis Heimat bewegt. Nicht zuletzt wenn man die Umstände des Drehs und seinen Schmuggelweg nach Europa mitbedenkt. Trotz des Berufsverbots seit 2010, des Hausarrests und einer drohenden Haftstrafe arbeitet Panahi weiter und verfasste mit "Taxi Teheran" eine Liebeserklärung an den Film, sein Land und seine Mitmenschen, so die Jury bei der Preisverleihung.
Von Margarethe Padysz.
Foto: Weltkino


The Vatican TapesThe Vatican Tapes
Seit dem Erfolg von Daniel Stamms "Der letzte Exorzismus" ist Hollywood einmal mehr besessen von bösen Geistern. Allein mit dem kunstgerechten Austreiben der Quälgeister hapert es heutzutage ein wenig - die Zeiten, als Max von Sydow in der Rolle des Pater Merrin den Teufel Mores gelehrt hat, sind lange vorüber, der gesellschaftliche Konsens der Gegenwart entspricht nicht dem der frühen Siebziger, und den Herren Exorzisten mag man momentan einfach nicht trauen.
Überraschungsparty! Beim Anschneiden ihres Geburtstagskuchens verletzt sich Angela am Finger, die Wunde muss genäht werden, und die junge Frau beginnt, sich höchst ungewöhnlich zu verhalten ... Bald bricht in ihrem Umfeld die Hölle los.
Von Marcus Gebelein.
Foto: Universum Film


Am grünen Rand der WeltAm grünen Rand der Welt
Als Thomas Vinterberg vor zwanzig Jahren "Das Fest" und damit den ersten dogma95-Film präsentierte, ahnte er wohl nicht, dass er mal klassische englische Literatur des 19. Jahrhunderts nach ganz herkömmlichen Standards verfilmen würde. "Far from the Madding Crowd" ist der Titel des verfilmten Romans von Thomas Hardy von 1874 und auch der Originaltitel des Streifens. Leider ist von der erhofften gnadenlosen Direktheit des dogma-Regisseurs bei der Bearbeitung des ebenfalls unbarmherzigen Stoffes von Hardy nichts zu spüren - die Kanten sind geglättet, der Film wirkt seicht. Die zweifellos atemberaubenden Naturaufnahmen und der Versuch, eine unabhängige und selbständig denkende Frau in den Mittelpunkt zu stellen, sprechen für den Film. Das versteckte Potenzial des Regisseurs und des Stoffes bleiben leider dennoch in der Versenkung.
Von Hilde Ottschofski.
Foto: Twentieth Century Fox


How to Change the WorldHow to Change the World
Was der Titel ankündigt, scheint für einen Einzelnen schier unmöglich. Aber das ist es nicht. Man kann die Welt verändern. Jerry Rothwells beeindruckende Dokumentation über die Gründer von Greenpeace, die heute die größte Umweltschutzorganisation der Welt sind, ist ein filmisches Handbuch dafür.
Regel Nummer 1 darin lautet: "Plant a mind bomb." Zünde eine Idee in den Köpfen der Menschen. Bob Hunter und seinen Mitstreitern Paul Watson, Bill Darnell, Bobbi Hunter, Patrick Moore und Rex Weyler gelang genau das im Jahr 1971. Anlass war eine andere Bombe. Sie sollte nach dem Willen Richard Nixons auf der Insel Amchitka vor Alaska hochgehen. Dort hatte die United States Atomic Energy Commission bereits 1965 und 1969 Kernwaffen getestet. Nun sollte der bis dato größte unterirdische Atomwaffentest folgen.
Von Lida Bach.
deutscher Kinostart: 10. September 2015
Foto: How to Change the World Ltd.


Sinister 2Sinister 2
Mit "Sinister" schuf Scott Derrickson einen der wenigen Horrorfilme der letzten Jahre, der zugleich mit einem unheimlichen Monster aufwarten konnte und einem unerwarteten finalen Twist. Die Enthüllung am Ende legt den Grundstein der Fortsetzung und wird bereits in deren Trailer verraten: "Es sind die Kinder. Er holt sich die Kinder." Er ist Bughuul, ein uralter Dämon, der Schwarze Mann. Die Kinder sind dieses Mal der 9-jährige Dylan (Robert Sloan) und sein Zwillingsbruder Zach (Dartanian Sloan), die zugleich vor einem Ungeheuer aus Fleisch und Blut flüchten. Dieses menschliche Monster ist ihr gewalttätiger Vater Clint (Lea Coco), der ihrer Mutter Courtney (Shannyn Sossamon) das Sorgerecht abknöpfen will. Die drei flüchten in ein entlegenes Haus, wo Clint, der bald mit Gesetzesvertretern vor der Tür steht, nicht die schlimmste Bedrohung ist. Die benachbarte Kirche war Schauplatz eines Ritualmordes zur Beschwörung Bughuuls.
Von Lida Bach.
deutscher Kinostart: 17. September 2015
Foto: Wild Bunch Germany


Liebe auf den ersten SchlagLiebe auf den ersten Schlag
Nach dem Tod seines Vaters arbeitet Arnaud (Kévin Azaïs) mit seinem Bruder im Familienbetrieb, einer Schreinerei, die sie zusammen fortführen sollen. Am Strand lernt er die hübsche, aber sehr abweisende Madeleine (Adèle Haenel) kennen und trifft sie bald wieder, als er für ihre Eltern ein Poolhaus bauen soll. Seine Gefühle für Madeleine erwachen und werden stärker, sie aber reagiert darauf überhaupt nicht. Sie glaubt nämlich, dass das Ende der Welt kurz bevorsteht, und möchte die Zeit nutzen, um das zu erlernen, was man zum Überleben auf einer zerstörten Erde braucht.
Die ungewöhnliche Liebesgeschichte lebt von dem zunächst unüberbrückbar erscheinenden Gegensatz zwischen den beiden Protagonisten. Vom traditionellen Rollenbild bleibt nichts übrig, was den Film außergewöhnlich macht und das Interesse des Zuschauers wachhält.
Von Manfred Lauffs.
Foto: Tiberius Film


Der Papst ist kein JeansboyDer Papst ist kein Jeansboy
Der Berliner Filmemacher und Schriftsteller Sobo Swobodnik hat mit "Der Papst ist kein Jeansboy" einen Dokumentarfilm über das Schicksal eines TV-Stars gedreht. Hermes Phettberg ist ein Wiener Original und einstige Kultfigur der 1990er Jahre. Phettbergs Talkshow war auch in Deutschland auf 3Sat zu sehen. Hermes Phettberg geht es heute schlecht. Er macht nur noch Trippelschritte, leidet an den Folgen gleich mehrerer Schlaganfälle, eines Herzinfarkts und einer Gehirnblutung und pinkelt wegen einer Blasenschwäche schon mal zwischen parkenden Autos auf die Straße. Der kranke Phettberg ist Sozialhilfeempfänger. Dessen mühsamen Alltag hielt Swobodnik 2011 akribisch mit der Kamera fest.
Swobodnik wirft keinen Blick zurück auf alte Zeiten. Er zeigt die unschöne Gegenwart von 2011, den Verfall eines Menschen. Der Zuschauer, der Phettberg nicht kennt, ist in diesem Film nicht gut aufgehoben.
Von Michael Dlugosch.
Foto: W-film Distribution


Seht mich verschwindenSeht mich verschwinden
In den letzten vier Jahren ihres Lebens brachte es die französische Schauspielerin Isabelle Caro zur internationalen Berühmtheit. In allerdings fragwürdiger Weise in einer neuen Rolle als ein besonderes Fotomodel: Mit Bildern des ungewöhnlichen Aussehens der magersüchtigen Caro (32 Kilogramm Gewicht bei 1,65 Metern Körpergröße) initiierte der Benetton-Fotograf Oliviero Toscani 2007 eine Kampagne gegen den Schlankheitswahn. Die Bilder wurden in einigen Ländern verboten, da sie das Gegenteil von Toscanis Motiv bewirken könnten, dass Caro von Models zum Vorbild erkoren wird. Caro bekam danach weitere Modelaufträge. Ihre Krankheit begründete sie nicht etwa mit ihrer Tätigkeit als Model, sondern mit einer schweren Kindheit. Die Fotos der dürren jungen Frau kursieren noch heute, vor allem im Internet. Über die mittlerweile verstorbene Caro drehte die US-Amerikanerin Kiki Allgeier ihren ersten langen Dokumentarfilm, ein einfühlsames Porträt einer Frau, deren Krankheit aber eine tiefere und vielseitigere Darstellung nötig gehabt hätte.
Von Michael Dlugosch.
Foto: Kiki Allgeier


FreistattFreistatt
1968. Kurt Georg Kiesinger ist noch Bundeskanzler, wie man im Film Wahlplakaten für Willy Brandt entnehmen kann. Es ist die Zeit der Studentenunruhen. Die Jugend protestiert gegen die NS-Vergangenheit der Eltern. In "Freistatt", dem Spielfilmdebüt von Regisseur Marc Brummund, merkt der Zuschauer davon nichts. Das Politische bleibt hier im Hintergrund und bestimmt doch die Geschichte, die "Freistatt" erzählt. Der 14-jährige Wolfgang (Louis Hofmann) lebt bei der Mutter und dem Stiefvater, mit dem er sich ständig anlegt. Bis dem Mann, den der Zuschauer als herrschsüchtig erlebt, die Renitenz des Heranwachsenden zu viel wird: Wolfgang muss in ein Heim, die Diakonie Freistatt. In dem mitten im Moor bei Diepholz fernab der Zivilisation gelegenen kirchlichen Erziehungscamp macht Wolfgang die Hölle durch. Das Jugenddrama basiert auf wahren Ereignissen.
Von Michael Dlugosch.
Foto: Salzgeber & Co. Medien GmbH


Victoria (2015)Victoria (2015)
Victoria (Laia Costa) ist eine schlecht bezahlte Cafékellnerin. Am Ende einer durchtanzten Clubnacht lernt sie die vier Aufsässigen Sonne (Frederick Lau), Boxer (Franz Rogowski), Blinker (Burak Yigit) und Fuß (Max Mauff) kennen. Sie befreunden sich, Victoria flirtet mit Sonne, sie können nicht voneinander loslassen, und begeben sich zusammen in den Strudel einer krummen Sache. Nicht lange nachdenkend, als die Grenze zwischen Gut und Böse überschritten wird. Aber immer zueinander haltend, auch wenn das emotionale Band eher wie ein stark überdehntes Gummi wirkt, das jeden Moment platzen könnte.
Es gibt keine Schnitte, die Handlung ist aus einem Guss, die Kamera klebt sich wie eine Klette an die Darsteller ran und lässt sie unbarmherzigerweise nie los. Der Zuschauer - die Klette selbst - ist auf Gedeih und Verderb mit dabei, er wird eingetaucht in das Geschehen, ist Mitbeobachter und hier auch so gut wie Mittäter.
Von Hilde Ottschofski.
Foto: Senator



Neue Rezensionen


Arbitrage - Macht ist das beste Alibi
Richard Gere ist immer wieder "schön anzusehen", so auch in diesem bemerkenswerten Thriller aus dem Jahre 2012, der es allerdings nie in die deutschen Kinos geschafft hat (in die österreichischen schon) - im ARD-Fernsehen lief er zuletzt am 16. und 17. Juli 2015.
Gere spielt Robert Miller, einen 60 Jahre alten erfolgreichen Manager und Multimillionär. Er möchte seine Investmentfirma verkaufen, hat aber bei Spekulationen viel Geld verloren und schönt nun seine Bilanzen. Der Käufer James Mayfield hat es offenbar nicht eilig. Miller hat sich von seinem Partner Greenberg 412 Millionen Dollar geliehen und kann die im Moment nicht zurückzahlen, obwohl Greenberg darauf drängt. Die Handlung kommt richtig in Gang, als Miller mit seiner Geliebten, der französischen Kunsthändlerin Julie Côte, wegen eines Sekundenschlafes einen furchtbaren Unfall verursacht, bei dem Julie stirbt.
Von Manfred Lauffs.

Honig im Kopf
"Charmantes Familienkino mit viel Gefühl, einer bezaubernden Hauptdarstellerin und vielen berührenden Momenten" (Deutsche Film- und Medienbewertung) oder "Kruder Feelgood-Quark mit Alzheimer-Garnitur" (kino-zeit)? Die Meinungen zu dem Film "Honig im Kopf" gehen auseinander, die positiven Kritiken sind aber deutlich in der Mehrzahl. Regisseur und Schauspieler Til Schweiger - von der deutschen Filmkritik weitgehend ignoriert - bleibt auf Erfolgskurs; sein Alzheimer-Film, im Dezember 2014 veröffentlicht, knackte bereits im Januar 2015 die 4-Millionen-Zuschauer-Marke und war damit fast so gut besucht wie vor Jahren "Der Schuh des Manitu".
Schweiger nimmt sich hier eines schwierigen Themas an. Alzheimer-Demenz verursacht beim Publikum sicher zunächst Angst und scheint sich gar nicht als Sujet eines heiteren Films anzubieten, hier wird sie aber zum Hauptinhalt einer Tragikomödie, die zeigt, dass auch ein Leben mit dieser Krankheit lebenswert sein kann.
Von Manfred Lauffs.

The Land of Hope
Die fiktive japanische Präfektur Nagashima präsentiert sich als ländliche Gegend: Die erste Kameraeinstellung zeigt grüne Wiesen, klar gegliederte Ackerparzellen und Wohnhäuser unter riesenhaften Stromtrassen. Im Kernkraftwerk der Präfektur, wo der Atomstrom erzeugt wird, kommt es bedingt durch ein Seebeben zur Havarie. "The Land of Hope" thematisiert das Fukushima-Desaster, auf das die Figuren im Film mehrfach ausdrücklich Bezug nehmen, verweist aber zugleich auf vorherige nukleare Katastrophen. So dürfte der Name der Präfektur Nagashima auch für ein westliches Publikum leicht als Anspielung auf Nagasaki und Hiroshima zu erkennen sein.
Von Marcus Gebelein.

Die Karte meiner Träume
Die außergewöhnliche Familie Spivet lebt auf einer abgelegenen Ranch in Montana: Vater Tecumseh Elijah (Callum Keith Rennie) ist Farmer und begeisterter Cowboy. Mutter Clair (Helena Bonham Carter) ist Wissenschaftlerin mit Doktortitel, die sich mehr für ihre Käfersammlung als für die Landwirtschaft interessiert. Layton und T.S. sind Zwillinge, zwölf Jahre alt. Layton kommt auf den Vater raus, ist schon ein kleiner Cowboy. Er hat die "Muckis", sein Bruder dagegen hat den "Grips": T. S. Spivet (Kyle Catlett) ist ein Wunderkind, ein kleiner Einstein, der ständig naturwissenschaftliche Experimente durchführt, Modelle baut und Diagramme zeichnet. Jetzt hat er ein Perpetuum mobile erfunden und damit den prestigeträchtigen Baird-Preis des berühmten Smithsonian Instituts in Washington gewonnen. Dessen Leiterin G.H. Jibsen (Judy Davis) will den Sieger natürlich zur Preisverleihung einladen, ahnt aber nicht, dass es sich um einen kleinen Jungen handelt.
Von Manfred Lauffs.

Sehnsucht nach Paris
Rinderzüchterin Brigitte Lecanu und ihr Mann Xavier leben und arbeiten in der Normandie. Sie ist eher verträumt, er steht mit beiden Beinen fest auf dem ländlichen Boden. Einziger Höhepunkt in ihrem Leben ist die jährliche landwirtschaftliche Leistungsschau, wo der Zuchtbulle Ben Hur Preise abräumt. Ein rotes Ekzem an Brigittes Brust will nicht verschwinden, der Zuschauer ahnt: weil es seelisch bedingt ist. Denn bis auf einen Gute-Nacht-Kuss spielt sich in sexueller Hinsicht nichts mehr zwischen den beiden ab. Als im Nachbarhaus eine Party stattfindet, macht Brigitte die Bekanntschaft eines jungen Parisers, der ihr Komplimente macht. Und so fährt sie nach Paris...
Der Film hat den Charme und die Leichtigkeit einer "typisch" französischen Komödie. Und er ist originell und weitgehend frei von Klischees. Isabelle Huppert erweist sich wieder einmal als außerordentlich wandlungsfähige Schauspielerin, die Landwirtin nimmt man ihr ohne Weiteres ab.
Von Manfred Lauffs.

Birdman oder (Die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit)
Wenn Ignoranz zur unerwarteten Tugend erklärt wird - im deutschen Titel wurde das englische "Virtue" wenig passend mit "Macht" übersetzt - und damit zum Lob eines schwachen Theaterstücks emporstilisiert wird, dann ist das nicht viel an inhaltlicher Erkenntnis. Gleich wie der Theaterkritikerin im Film, die den Artikel mit dieser ungewöhnlichen Ausdrucksweise schreibt, so geht es auch dem Zuschauer des Films "Birdman", da er auch weder emotional noch intellektuell bereichert ist, auch wenn es viele Kritiker so haben möchten.
Was will dieser Film uns mitteilen? Nach der Besichtigung von "Birdman" kann man diese Frage nicht beantworten. Zwar ist die Kameraführung revolutionär, die Darsteller sind sehr überzeugend und halten die Nähe der Kamera tapfer aus, die Jazzmusik hat einen starken Sog, es werden Seitenhiebe ausgeteilt an die neue mediale Oberflächlichkeit, den Umgang von Kritikern mit Theaterschaffenden, den Umgang der Hollywood-Filmindustrie mit ihren Heldendarstellern.
Von Hilde Ottschofski.

 



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Zitat

"I've gone from saint to whore and back to saint again, all in one lifetime."

("Ich wurde von der Heiligen zur Hure und wieder zur Heiligen erklärt, alles in einer Lebenszeit.")

Schauspielerin Ingrid Bergman (100. Geburtstag am 29. August 2015 - und 33. Todestag am selben Tag)

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