Aktuelle Filme


Monsieur Claude und seine TöchterMonsieur Claude und seine Töchter
Monsieur Claude Verneuil, Notar von Beruf, und seine Frau Marie sind ein typisches Ehepaar aus der französischen Provinz. Beide sind stolz auf ihre vier schönen Töchter, von denen drei schon verheiratet sind, allerdings nicht den Vorstellungen der Eltern entsprechend: Odile nämlich mit dem jüdischen Geschäftsmann David, Isabelle mit dem muslimischen Rechtsanwalt Rachid und Ségolène mit dem chinesisch-stämmigen Banker Chao Ling. Zu Beginn dieser überaus amüsanten Komödie werden die drei Hochzeiten, die in den letzten Jahren stattfanden, in Rückblenden und im Zeitraffer kurz vorgeführt, und es ist ein Vergnügen anzusehen, wie die Miene des Vaters beim Gruppenbild von Mal zu Mal immer säuerlicher wird.
Von Manfred Lauffs.
Foto: Neue Visionen



Special: 36. Filmfestival Max Ophüls Preis 2015 (19. - 25. Januar 2015)


Die Böhms - Architektur einer FamilieDie Böhms - Architektur einer Familie
Bekannte Familienclans, deren Mitglieder über mehrere Generationen hinweg noch am Leben sind, bieten ein enormes dokumentarisches Potential. Sind die Familienmitglieder bereit und imstande Rede und Antwort zu stehen, können sie mittels ihrer facettenreichen ureigenen Geschichte, und ihrer jeweiligen Position innerhalb des familiären Gefüges nicht nur vielschichtige Einblicke in die oftmals ambivalenten Familienstrukturen liefern: Ihre Berichte, Erzählungen, ihre Statements und Einschätzungen wie Urteile sind immer ein Stück Kultur- und Zeitgeschichte. Es sind gesellschaftspolitische wie historische Dokumente, die helfen Zusammenhänge besser deuten, besser einordnen zu können. Zumal, wenn die Protagonisten aus der Distanz heraus mit ihrer eigenen Geschichte, deren Wirken und Wirkung uneitel umzugehen wissen.
Von Sven Weidner.
Foto: Real Fiction Filmverleih
deutscher Kinostart: 29. Januar 2015
Max Ophüls Preis 2015: Wettbewerb Dokumentarfilm


Los ÁngelesLos Ángeles
Mexiko, in einem zapotekischen Dorf: Mateo, 17 Jahre alt, steht kurz vor der illegalen Ausreise in die Vereinigten Staaten. Es zieht ihn nach Los Angeles. Wenn er dort zu arbeiten beginnt, kann er seine arme Familie in der Heimat finanziell unterstützen. In seinem Dorf hat sich Mateo einer Gang angeschlossen, die auch über hilfreiche Kontakte in Los Angeles verfügt. Bevor Mateo fährt, soll er im Auftrag des Bandenanführers Daniel das Mitglied einer rivalisierenden Gang umbringen. Es gelingt ihm nicht. Dies hat nahezu katastrophale Folgen.
Nüchtern und realistisch erzählt Regisseur und Drehbuchautor Damian John Harper in seinem Spielfilmdebüt eine Geschichte aus dem Hinterhof Amerikas, dem Land, das von den USA durch eine Mauer getrennt ist: Mexiko.
Von Michael Dlugosch.
Foto: Weydemann Bros. (Fotografin: Yvette Cruz)
deutscher Kinostart: 29. Januar 2015
Max Ophüls Preis 2015: Saarbrücker Premieren



Neue Rezensionen


The Wackness - Verrückt sein ist relativ
New York 1994, die Musik ist dope und der Sommer mad hot...
Auch wenn der Film "The Wackness" von Regisseur Jonathan Levine über weite Strecken anders wirkt, am Ende ist er doch ein Liebesfilm. Am Anfang steht die Liebe zur Rapmusik und zur Hip Hop-Kultur, die den Protagonisten Luke Shapiro (Josh Peck) aber eben auch den ganzen Film ausmacht. Mit "The Wackness" ist es möglich, die Golden Era des New York Hip Hop in den USA der 1990er Jahre nachzuerleben. Die Geburtsstadt des Hip Hop wird mit Lukes Eiswagen erkundet, aus dem er Cannabis verkauft. Levine schafft eine derart melancholisch-pubertäre Grundstimmung, dass die Passagen, in denen Rap gespielt wird, eine geradezu erleichternde Wirkung haben; dieser stellt eine Möglichkeit dar, dem Alltag zu entfliehen. Selbst der Generationenkonflikt wird in "The Wackness" über Musik gelöst.
Von Nicolas Schumann.

Wenn die Gondeln Trauer tragen
Ein venezianischer Kanal im winterlichen Abendrot. Das Wasser schimmert darin. Schnitt. Grauer Himmel. Ein Mann steht dicht gedrängt mit anderen Personen auf einer Fähre. Er sieht sich misstrauisch um. Er erblickt auf einer vorbeifahrenden Fähre seine Frau Laura und die beiden seltsamen Schwestern, die die beiden in Venedig kennengelernt haben. Alle sind in schwarz gekleidet. Er ruft einmal laut nach ihr, rennt unterstützt von einem molto allegro des Orchesters Richtung Backbord und schreit noch energischer nach seiner Frau. Dann "sieht" er mit dem Auge der Kamera noch einmal die drei vorbeifahrenden Frauen aus einem ganz anderen Winkel. Wem diese Prozession gilt, ist weder ihm noch dem Zuschauer in diesem Moment klar. Protagonist John und das Publikum denken laut: "Laura ist doch gerade erst nach England abgereist!". Als er schließlich an Land geht, ist er sehr aufgebracht.
Von Nicolas Schumann.


Aktuelle Filme


Get - Der Prozess der Viviane AmsalemGet - Der Prozess der Viviane Amsalem
Erdrückend wirken die Räume des Rabbinergerichts. Endlos ziehen sich die Befragungen und Streitereien von Freunden, Familienmitgliedern und dem Paar selbst. Erschöpft und genervt wirken die Richter. Doch der Ehemann will nicht zur Scheidung zustimmen. Er hat das Sagen und ihm obliegt das letzte Wort im Scheidungsprozess. Elisha Amsalem steht über dem Gesetz. Der Anfang des Films ist genau wie der Prozess selbst. Subjektiver und absurder könnten Befragungen nicht ablaufen. Ob er ein guter Ehemann sei, werden die Zeugen gefragt. Vorbildlich. Ob sie eine gute Ehefrau sei? Vorbildlich. Er schlägt sie nicht. Sie betrügt ihn nicht. Alles scheint doch wunderbar. Es gibt keinen evidenten Grund für eine Scheidung. Also warum will sie nicht zu ihm zurückkehren? Warum möchte Viviane so sehr den Get, einen Scheidungsbrief?
Von Margarethe Padysz.
Foto: Riva Filmproduktion (über die Seite des Filmfests Hamburg)


CoherenceCoherence
Wenn es einem begnadeten Drehbuchautor in der aufgeblasenen Hollywoodwelt zu langweilig wird, geschieht im besten Fall Folgendes: Er entwirft ein kluges und gleichzeitig spannungsgeladenes Szenario, reduziert radikal alle filmischen Mittel und zaubert selbst einen kleinen, aber fein kompromisslosen Edelstein hervor. Mit "Coherence" ist James Ward Byrkit, der bereits positiv mit seiner Drehbuchbeteiligung an "Rango" aufgefallen ist, ein minimalistischer, kammerspielhafter Science-Fiction-Thriller um Freundschaft, Vertrauen und Selbstbetrug gelungen.
"Coherence" ist auch eine Art Experimentalfilm, hinter dem die Idee steckt, einen Film zu drehen, der, so Regisseur Byrkit, sowohl ohne Drehbuch als auch ohne Crew auskommt.
Von Oliver Forst.
Foto: Bildstörung / Drop-Out Cinema


Die Wolken von Sils MariaDie Wolken von Sils Maria
Es ist ein Naturphänomen: Durch eine besondere landschaftliche Prägung eines geschlängelten Tals, des sogenannten Malojapasses im Schweizer Oberengadin, kann man an Herbsttagen beobachten, wie sich eine Wolkenschlange im Tal bewegt, während man im Sonnenschein darüber steht. Um das Naturphänomen des Alterns geht es in diesem Film des französischen Regisseurs Olivier Assayas (z.B. "Paris je t'aime", 2006). Juliette Binoche spielt darin eine Rolle in der Rolle. Sie verkörpert eine Schauspielerin, die in einer neuen Theaterrolle mit dem Altern konfrontiert wird, dabei aber selbst mit diesem Thema ringt. Und wahrscheinlich eine Ebene tiefer, als reale Binoche, auch diese Konfrontation bereits austragen musste. Diese Ausgangssituation ist für die Fragestellung sehr interessant, allerdings hapert es an der Ausführung.
Von Hilde Ottschofski.
Foto: NFP


Finn und die Magie der MusikFinn und die Magie der Musik
Auch wenn Idee und Handlung dieses sich in einem kleinen holländischen Dorf abspielenden Films vielversprechend sind, die melancholische Musik recht schön und ein talentierter kleiner Schauspieler den Hauptcharakter Finn spielt, so weist dieser Film doch leider zu viele Schwächen auf, um den Zuschauer zu verzaubern. Schon der Titel verspricht viel mehr Magie, als der Film je herüberbringt, und bei den Längen zwischendurch steigt der Zuschauer dann ganz aus.
Zufällig lauscht Finn eines Tages dem Geigenspiel eines weißhaarigen alten Herrn, der neu in die Nachbarschaft zugezogen ist, und wird auf der Stelle davon verzaubert. Der Vater verbietet ihm aber den Wunsch, Geige spielen zu lernen.
Von Hilde Ottschofski.
Foto: Arsenal Filmverleih


Magic in the MoonlightMagic in the Moonlight
Entspannter Cole-Porter-Jazz, helle Sommerkleidung, paradiesische Landschaften und Gärten, schöne reiche gesunde Menschen - es ist ein Augen- und Ohrenschmaus, diesem filmischen Spektakel beizuwohnen. Leider bleibt es bei diesem äußerlichen Sinnesgenuss, denn inhaltlich ist Woody Allens neuer Streifen eine leere Hülse. Auch wenn er sich zwischen den Zeilen anschickt, den Vatikan und Nietzsche heraufzubeschwören, rührt "Magic in the Moonlight" beharrlich an der Oberfläche.
Altmeister Woody Allen hatte schon immer eine ausgezeichnete Hand bei der Wahl seiner Schauspieler - so sind auch diesmal der überzeugende skeptische und gegen seinen Willen sich verliebende Sarkast Stanley und sein weibliches Gegenstück, Sophie, einem Möchtegern-Medium mit den unglaublich großen blaugrünen Augen - mit Colin Firth und der jungen Emma Stone hervorragend besetzt.
Von Hilde Ottschofski.
Foto: Jack English / Gravier Productions / Warner Bros.


Dritte PersonDritte Person
Auch wenn eine Geschichte gekonnt aufgebaut ist, so ist das kein Garant für ein Meisterwerk. So findet sich dieser Film sehr geschickt im Geiste des Zuschauers wie ein Puzzle nach und nach zusammen. Der Zuschauer weiß immer mehr als die Figuren selbst und kann sich stets detektivisch fragen, welche Figur oder Handlung real und welche fiktiv ist. Aber auch wenn er am Ende diese Frage gelöst hat, so heißt es nicht, dass er eine wertvolle Botschaft aus dem Kinosaal mitnimmt. Die Handschrift des für den Film "L.A. Crash" Oscar-prämierten Drehbuchautors Paul Haggis ist in diesem Film sehr männlich.
Von Hilde Ottschofski.
Foto: Sony Pictures


Gardenia - Bevor der letzte Vorhang fälltGardenia - Bevor der letzte Vorhang fällt
Sie heißen Andrea, Vanessa, Gerrit, Danilo, Rudy und Richard. Zwei Frauen und vier Männer, Belgier, wobei Andrea und Vanessa ebenfalls als Männer zur Welt kamen. Die alternden Homo- oder Transsexuellen versuchten ihre Identitätskrise mit der Travestieshow "Gardenia" zu bewältigen. Das originelle Spektakel, das auf allen fünf Kontinenten in 25 Ländern erfolgreich gastierte, wurde von dem belgischen Choreographen Alain Platel und dem erfolgreichen Musical- und Opernregisseur Frank Van Laecke inszeniert. In "Gardenia" reflektieren die Mitwirkenden mimisch und improvisierend ihr Leben. Der Dokumentarfilm fügt Ausschnitte aus dem musikalischen Bühnenstück und Interviews mit den Darstellern zusammen. "Gardenia - Bevor der letzte Vorhang fällt" des 1966 in Bad Tölz geborenen Regisseurs Thomas Wallner ist ein gelungenes Beispiel für das Genre Dokumentation.
Von Michael Dlugosch.
Foto: Luk Monsaert / Real Fiction Filmverleih


The Strange Colour of Your Body's TearsThe Strange Colour of Your Body's Tears
In den 60er, 70er und teilweise noch 80er Jahren des letzten Jahrtausends durfte die Welt eine kleine, filmische Invasion aus Italien erleben, die durch kunstvolle Linse Sex, Gewalt und Obsessionen prachtvoll aufblühen ließ. "Giallo" nannte man das, benannt nach den gelben Schundkrimiheftchen. Pulp Fiction also. Doch irgendwann war der Markt übersättigt, die Nachfrage versiegt. Das Genre lag - bis auf wenige Ausnahmen - brach. Und während einer der einflussreichsten Regisseure dieser Gattung, Dario Argento, weiterhin an seinem Niedergang werkelt, versetzen Hélène Cattet und Bruno Forzani mit "The Strange Colour of Your Body's Tears" dem Giallo eine ganz famose Frischzellenkur.
Von Oliver Forst.
Foto: Drop-Out Cinema


Das grenzt an LiebeDas grenzt an Liebe
Der Witwer und Kleingeist Oren Little, der mit lieblosen Sprüchen Kunden, Nachbarn und Freunde vergrault, wird durch die Zuwendung einer besonderen Nachbarin zum besseren Menschen. Zwar sieht man den beiden Hauptdarstellern und Altmeistern des Kinos, Michael Douglas und Diane Keaton, gerne beim Spielen zu. Aber weder ist dieser Film ein Schenkelklopfer noch hat er eine besondere Botschaft - mehr als unterhaltend ist er jedenfalls nicht.
Hollywood nimmt sich dem Thema "Alter" auf sehr eigene Art an - vor allem scheint es wichtig zu sein, dass es Komödien sind (es geistert schon in den schubladenliebenden Medien der Begriff "Rentnerkomödie" herum) die auf ganz subtile Art und Weise das Alter leicht herabwürdigen, ohne es beleidigen zu wollen.
Von Hilde Ottschofski.
Foto: Senator


Der kleine MedicusDer kleine Medicus - Bodynauten auf geheimer Mission im Körper
Fliegende Libellen-Roboter als Spione, ein sprechender rosa Hase im dunkelgrauen Astronautenanzug als "Bodynaut", ein Roboter und eine Raumkapsel, die so geschrumpft werden, dass sie in einen Speicheltropfen passen - technisch gekonnt kommt der Film daher, der sich vorgenommen hatte, heutzutage digitalaffine Kinder zu beeindrucken. Bei solchen Sequenzen ist zumindest ihre Aufmerksamkeit gebannt - allerdings hält die ungeschickt gestrickte Geschichte das Geschehen nicht zusammen, so dass es am Herzen vorbeigeht.
Für einen Kinobesuch lohnt sich dieser Film wegen des Innenlebens des Labors und kleiner technischer Schnickschnacks, die unterhaltend sind. Ein großer Wurf ist aber leider aus dieser Produktion nicht geworden. Zu viele Chancen wurden vergeben.
Von Hilde Ottschofski.
Foto: Senator


Praia do FuturoPraia do Futuro
Erforsche das Leben mit all seinen Unwägbarkeiten, und fasse den Mut ins Unbekannte, ins Fremde aufzubrechen. Am sonnendurchtränkten bukolischen Strand von Praia do Futuro rettet Donato (Wagner Moura), der dort als Rettungsschwimmer arbeitet dem deutschen Konrad (Clemens Schick) das Leben. Zwischen den beiden Männern funkt es gewaltig. Donato folgt Konrad nach Berlin.
Diese Männer, ja diesen ganzen Film wird der Zuschauer schnell vergessen haben, da trotz des richtigen wie wichtigen Ansatzes, und trotz einiger weniger stimmungsvoller wie lyrischer Takes, der auch im Erzähltempo uneinheitlichen Geschichte der Kitt einer überzeugenden Story fehlt.
Von Sven Weidner.
Foto: Real Fiction Filmverleih


Wir sind die NeuenWir sind die Neuen
Was passiert, wenn drei verarmte Alt-68er eine WG aufmachen, weil sie nochmal so leben wollen wie früher, als sie noch studierten: mit gemeinsamem Haushalt, Diskussionen, Rotwein, Musikhören bis in die Nacht und allem, was sonst noch dazugehört? Das demonstriert uns dieser Film auf höchst vergnügliche Weise. Wer sind die drei? Sie heißen Anne (Gisela Schneeberger), Johannes (Michael Wittenborn) und Eddi (Heiner Lauterbach). Das Leben könnte so schön sein, doch sie haben nicht damit gerechnet, dass über ihnen noch eine WG haust. Diese besteht aus Studenten von heute, und die sind pflichtversessen, spießig und humorlos.
Von Manfred Lauffs.
Foto: X-Verleih


Männer zeigen Filme & Frauen ihre BrüsteMänner zeigen Filme & Frauen ihre Brüste
Der Filmtitel ist eine Provokation. Die Regisseurin von "Männer zeigen Filme & Frauen ihre Brüste" hat sich bei ihm etwas gedacht. Dennoch gibt der Titel nicht den Filminhalt adäquat wieder. Geplant hatte Nachwuchsregisseurin Isabell Suba zweifellos eine mutige Abrechnung mit der Filmbranche, weil, wie sie zu Recht findet, zu wenige Frauen in der Branche Bedeutung erlangen können. Das Ergebnis ist ein Film, der zwar das Mekka des Kinos, das Filmfestival in Cannes, genauer betrachtet, aber vor allem Geschlechterforschung betreibt: Eine Regisseurin und ihr Produzent kabbeln sich zur Freude des Kinopublikums vor dem Hintergrund des Festivals von Anfang bis Ende des Films um Kopf und Kragen.
Von Michael Dlugosch.
Foto: Missingfilms



Neue Rezensionen


Philomena
Spätestens durch Peter Mullans Spielfilm "Die unbarmherzigen Schwestern" (2002) sind die unglaublichen Vorgänge bekannt geworden: Im streng katholischen Irland der letzten Jahrhundertmitte wurden junge Mädchen von Klosterschwestern gedemütigt und gequält. Unverheiratete Mütter mussten im Kloster entbinden und danach Zwangsarbeit leisten, um die "Sünden" zu büßen. Bei den Geburten war kein Doktor zugegen, Schmerzmittel wurden nicht verabreicht, Schmerzen waren die Strafe für die "Lust".
Eine weitere Bebilderung der furchtbaren Verhältnisse liefert der Film "Philomena" von Stephen Frears. Philomena Lee (Judi Dench) ist pensionierte Krankenschwester und erinnert sich am 50. Geburtstag ihres Sohnes Anthony an die Vergangenheit: Er wurde als uneheliches Kind mit vier Jahren zur Adoption freigegeben, für 1000 Pfund.
Von Manfred Lauffs.

Zwei glorreiche Halunken
Der Italowestern als Gattung (leicht abwertend auch "Spaghettiwestern" genannt) unterscheidet sich vom klassischen amerikanischen Western - obwohl viele genretypische Elemente beibehalten werden - in einigen entscheidenden Punkten. Es gibt nicht mehr die klare Unterscheidung zwischen Gut und Böse, wie etwa noch in "12 Uhr mittags" ("High Noon", 1952) zwischen Sheriff McKane und Gangster Frank Miller. Moralische Normen wie Ehrlichkeit, Altruismus, Edelmut spielen kaum noch eine Rolle, stattdessen werden die Protagonisten geprägt von Rachsucht, Habgier und Skrupellosigkeit. Diese "schwarzen Helden" (Sergio Leone) haben mit bürgerlichen Normen nichts mehr am Cowboyhut und neigen zu brutaler Gewalt, wobei sie oft einen ungezügelten Zynismus an den Tag legen.
Von Manfred Lauffs.

The American
Edward, der sich seinem mysteriösen Autraggeber gegenüber Jack nennt, ist ein mit den Händen sehr präziser Waffenbauer und Auftragsmörder. Er glaubt nicht, dass Gott sich für ihn interessiert. Dennoch sucht er im idyllischen Bergdorf Castel del Monte nach Freundschaft, Liebe und Erlösung aus der Dunkelheit seiner Existenz. Um den steinigen Weg hin zum Guten geht es im Streifen des niederländischen Regisseurs Anton Corbijn, der das Pittoreske eines italienischen Dorfes als Mitakteurin in den Film zu integrieren vermag.
Von Hilde Ottschofski.

Adams Äpfel
Anders Thomas Jensen ist vielleicht herausragendster Repräsentant einer jungen Riege dänischer Filmschaffender, die bis zur Gnadenlosigkeit den Realismus im Zwischenmenschlichen analysieren. Mit der thematisch ähnlich interessierten Susanne Bier schrieb er das Drehbuch für "In einer besseren Welt", der 2011 einen Oscar erhielt. Darin, wie auch in "Adams Äpfel", für den Jensen alleine als Drehbuchautor verantwortlich zeichnet, werden die Grenzen ausgelotet, wie viel Böses ein Mensch ertragen kann. Das Besondere an dem international mehrfach ausgezeichneten "Adams Äpfel" ist die emotional-obskure Tiefe und gleichzeitige Leichtigkeit des Erzählens, so dass Tragödie und Komödie nah beieinander liegen und ins Groteske zusammenfließen.
Von Hilde Ottschofski.

 



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Zitat

"Ich möchte keine Jasager um mich herum haben. Ich möchte, dass jeder mir die Wahrheit sagt - selbst wenn ihn das den Job kostet."

Produzent Samuel Goldwyn (1879 - 1974)

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