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Die Karte meiner Träume
Die außergewöhnliche Familie Spivet lebt auf einer abgelegenen Ranch in Montana: Vater Tecumseh Elijah (Callum Keith Rennie) ist Farmer und begeisterter Cowboy. Mutter Clair (Helena Bonham Carter) ist Wissenschaftlerin mit Doktortitel, die sich mehr für ihre Käfersammlung als für die Landwirtschaft interessiert. Layton und T.S. sind Zwillinge, zwölf Jahre alt. Layton kommt auf den Vater raus, ist schon ein kleiner Cowboy. Er hat die "Muckis", sein Bruder dagegen hat den "Grips": T. S. Spivet (Kyle Catlett) ist ein Wunderkind, ein kleiner Einstein, der ständig naturwissenschaftliche Experimente durchführt, Modelle baut und Diagramme zeichnet. Jetzt hat er ein Perpetuum mobile erfunden und damit den prestigeträchtigen Baird-Preis des berühmten Smithsonian Instituts in Washington gewonnen. Dessen Leiterin G.H. Jibsen (Judy Davis) will den Sieger natürlich zur Preisverleihung einladen, ahnt aber nicht, dass es sich um einen kleinen Jungen handelt.
Von Manfred Lauffs.


Aktuelle Filme


FreistattFreistatt
1968. Kurt Georg Kiesinger ist noch Bundeskanzler, wie man im Film Wahlplakaten für Willy Brandt entnehmen kann. Es ist die Zeit der Studentenunruhen. Die Jugend protestiert gegen die NS-Vergangenheit der Eltern. In "Freistatt", dem Spielfilmdebüt von Regisseur Marc Brummund, merkt der Zuschauer davon nichts. Das Politische bleibt hier im Hintergrund und bestimmt doch die Geschichte, die "Freistatt" erzählt. Der 14-jährige Wolfgang (Louis Hofmann) lebt bei der Mutter und dem Stiefvater, mit dem er sich ständig anlegt. Bis dem Mann, den der Zuschauer als herrschsüchtig erlebt, die Renitenz des Heranwachsenden zu viel wird: Wolfgang muss in ein Heim, die Diakonie Freistatt. In dem mitten im Moor bei Diepholz fernab der Zivilisation gelegenen kirchlichen Erziehungscamp macht Wolfgang die Hölle durch. Das Jugenddrama basiert auf wahren Ereignissen.
Von Michael Dlugosch.
Foto: Salzgeber & Co. Medien GmbH
deutscher Kinostart: 25. Juni 2015


High PerformanceHigh Performance
Zwei ungleiche Brüder stehen im Mittelpunkt der Geschichte: der eine ein schauspielernder Tunichtgut, der andere ein aalglatter Karrierist. Dazwischen eine Frau, an der die Brüder aus verschiedenen Motiven interessiert sind. Im Hintergrund spielt Wirtschaftsspionage eine Rolle. Die Mischung hört sich zunächst gut an. Die österreichische Regisseurin Johanna Moder, die auch das Drehbuch für ihr Langfilmdebüt verfasste, wollte zweifellos eine charmante, lässige Komödie drehen. Doch "High Performance" verliert sich in Nebensächlichkeiten. Es wird viel und immerfort geredet in dem Film, zu viel für einen Film. Die Handlung ist für den Zuschauer vorhersehbar. Am Ende des Films herrscht Friede, Freude, Eierkuchen - zu plötzlich nach den vorausgegangenen unerhörten Vorfällen. Immerhin gelingt es Johanna Moder, ihre Protagonisten genau zu charakterisieren. Moder greift dazu zwar auf Klischees zurück, doch zeigt sie ihre beiden brüderlichen Hauptfiguren in einem überzeugenden Kontrast.
Von Michael Dlugosch.
Foto: W-film / Freibeuter Film


Victoria (2015)Victoria (2015)
Victoria (Laia Costa) ist eine schlecht bezahlte Cafékellnerin. Am Ende einer durchtanzten Clubnacht lernt sie die vier Aufsässigen Sonne (Frederick Lau), Boxer (Franz Rogowski), Blinker (Burak Yigit) und Fuß (Max Mauff) kennen. Sie befreunden sich, Victoria flirtet mit Sonne, sie können nicht voneinander loslassen, und begeben sich zusammen in den Strudel einer krummen Sache. Nicht lange nachdenkend, als die Grenze zwischen Gut und Böse überschritten wird. Aber immer zueinander haltend, auch wenn das emotionale Band eher wie ein stark überdehntes Gummi wirkt, das jeden Moment platzen könnte.
Es gibt keine Schnitte, die Handlung ist aus einem Guss, die Kamera klebt sich wie eine Klette an die Darsteller ran und lässt sie unbarmherzigerweise nie los. Der Zuschauer - die Klette selbst - ist auf Gedeih und Verderb mit dabei, er wird eingetaucht in das Geschehen, ist Mitbeobachter und hier auch so gut wie Mittäter.
Von Hilde Ottschofski.
Foto: Senator
deutscher Kinostart: 11. Juni 2015


A Girl Walks Home Alone at NightA Girl Walks Home Alone at Night
Noir-Vampire-Western klingt nicht unbedingt nach einem künstlerisch herausragenden Film. Doch nichts anderes ist Ana Lily Amirpours atmosphärische Horrorfabel. Das Spielfilmdebüt der iranischen Filmemacherin ist ein Meisterwerk der Stimmung und Suggestion. In elegischen Schwarz-Weiß-Bildern entfaltet sich ein düsteres Märchen von Verlorenheit, Verfall und der Sehnsucht nach menschlicher Wärme.
Zuneigung scheint abwesend in dem trostlosen Handlungsort, der dem kümmerlichen Abklatsch einer US-amerikanischen Arbeiterstadt nach der Wirtschaftskrise gleicht. "Teherangeles" nannte die Regisseurin und Drehbuchautorin diesen Ort in einem Gespräch, "Bad City" nennen ihn die Charaktere. Es sind modernisierte Archetypen, die durch das Nichts driften: der junge Arash, sein heroinabhängiger Vater Hossein, der sadistische Dealer Saeed, dem Hossein Geld schuldet, die verlebte Prostituierte Atti, und ein Straßenjunge. Und da ist die Titelfigur. Auf einem Skateboard gleitet die junge Frau durch die Nacht als würde sie fliegen, ihre dunkle Kopfbedeckung weht um ihre Schultern wie ein Cape.
Von Lida Bach.
Foto: Capelight


Nur eine Stunde Ruhe!Nur eine Stunde Ruhe!
Michels Tag beginnt gut, er findet eine ihm in der Jugend liebgewordene Schallplatte auf dem Flohmarkt und begibt sich gutgelaunt heimwärts, voller Vorfreude auf den Hörgenuss auf seiner hochwertigen Stereo-Anlage. Aber er wird unaufhörlich abgelenkt - die Mutter ruft auf dem Handy an, ein Patient will sich gleich auf der Straße behandeln lassen, zuhause will die Ehefrau ein ernstes Gespräch führen, der problembehaftete Sohn kommt vorbei, es sind lärmende Bauarbeiter im Hause - der Andrang nimmt zu und steigert sich ins Unerträgliche. Aber Schritt für Schritt erfährt man durch Michels Reaktionen, wer er eigentlich ist.
Von Hilde Ottschofski.
Foto: DCM


Grigris' GlückGrigris' Glück
Eigentlich ist er nett, der vom Schicksal durch seine Gehbehinderung gezeichnete Grigris. Obwohl er stark humpelt, tanzt er leidenschaftlich und ist als eine Art Vortänzer Publikumsliebling bei Clubabenden. Sein Oberkörper ist muskulös und gleicht etwas das Defizit des Beines aus. Grigris ist kein Macho und Übeltäter, er will anderen helfen. Leider verfällt er aber der bösen Verführung und kommt aus dieser Schlinge um seinen Hals nicht mehr heil heraus. Diese Grundlage hätte den Stoff zu einer größeren Botschaft geboten, die der Film aber nicht herüberbringt.
Die subjektiv gedrehten Bilder, die in langen - oft eintönigen - Einstellungen die Bewegungen der Darsteller verfolgen, bieten dem Zuschauer fast nebenbei Einblicke in den Alltag von N'Djamena, der Hauptstadt der afrikanischen Republik Tschad.
Von Hilde Ottschofski.
Foto: temperclay Filmverleih


ElserElser
Knapp daneben ist auch vorbei. Das gilt nicht nur für das Bombenattentat, das der Titelheld auf Hitler verübt, sondern Oliver Hirschbiegels Prestige heischendes Biopic. Dem voran steht schon ein Zitat, das die heimatehrende Tendenz ankündigt: "Kein schöner Land in dieser Zeit, als hier das uns're weit und breit, wo wir uns finden wohl unter Linden zur Abendzeit..." Deutschtümelei und Heroismus vermitteln ein enttäuschend simplifiziertes Bild des Widerstandskämpfers Georg Elser, dessen Person lediglich als dramaturgisches Mittel zum Aufpolieren des Nationalstolzes dient.
Besonders ärgerlich ist diese Instrumentalisierung, da der nach seinem gescheiterten Anschlag ins KZ verschleppte und dort kurz vor Kriegsende ermordete Elser eine filmische Würdigung mehr als verdient; Hirschbiegels ideologisiertes Monument verdient er nicht.
Von Lida Bach.
Ein Film der Hauptreihe außer Konkurrenz der 65. Berlinale 2015
Foto: Lucky Bird Pictures / Bernd Schuller


Best Exotic Marigold Hotel 2Best Exotic Marigold Hotel 2
Die Fortsetzung der Erlebnisse einer eklektisch zusammengesetzten britischen Rentnergruppe, die aus verschiedenen Gründen nach Jaipur in Indien reist, um da den letzten Lebensabschnitt zu verbringen, hält sich an die Formel des ersten Films: Komik gepaart mit Tragik, Oberflächlichkeit gepaart mit Tiefgang, dazu ein außergewöhnliches Schauspielerteam, das jeden jungen Schauspieler an die Wand spielen kann. Obwohl das Sequel mehr dramatische Szenen als lustige enthält, so gelingt diesmal etwas Außergewöhnliches: Freude und Trauer werden übereinander gelagert, so dass man beim Betrachten gleichzeitig lachen und weinen will.
Wie der erste, so macht auch der zweite "Marigold"-Film Lust aufs Leben und auf die Liebe, weil er zeigt, dass man so oft von Neuem anfangen kann, wie man will.
Von Hilde Ottschofski.
Foto: Twentieth Century Fox


Verfehlung (2014)Verfehlung (2014)
2010 wurde die Katholische Kirche weltweit vom Missbrauchsskandal eingeholt. Seitdem vergeht kein Monat, in dem nicht ein neuer Fall eines Geistlichen, der in seinem Amt Kindern und Jugendlichen zu nahe kam, bekannt wird. Regisseur Gerd Schneider nimmt sich des Themas in seinem Langfilmdebüt "Verfehlung" an. Schneider, selbst einst Priesteramtskandidat, kann zwar nicht katholische Klischees und eine stilisierte Gut-Böse-Dramaturgie vermeiden. Aber er weiß zu inszenieren. Jedes Bild, jeder Schnitt gelingt ihm bei der Annäherung an die emotionale Krise seiner Hauptfigur Jakob (Sebastian Blomberg), eines Gefängnispfarrers, dessen Kumpel und Berufskollege Dominik (Kai Schumann) wegen mutmaßlichen und bald gegenüber Jakob bestätigten Missbrauchs angezeigt wird.
Von Michael Dlugosch.
Foto: Alina Bader / Camino Filmverleih


Kingsman: The Secret ServiceKingsman: The Secret Service
Der britische Geheimdienst zeigt sein neues Gesicht und das ist wenn überhaupt möglich noch reaktionärer als das alte. In einer bezeichnenden Szene von Matthew Vaughns Comic-Adaption verlässt Geheimagent Harry Hart (Colin Firth) eine Kirche. Den gegen Schwarze, Schwule und jede Liberalität wetternden Hassprediger darin und dessen Anhänger hat er soeben in einem pompösen Schaugefecht massakriert. Haben die titelgebenden Superagenten etwas gegen volksverhetzende Fanatiker? Aber nein! Hart wurde nur von Superschurke Richmond Valentine (Samuel L. Jackson) via Mikrochip dahingehend manipuliert.
Zum einzigen Mal in der über zweistündigen Spy-Fi, die der Bodycount nach als Splatter-Film durchgehen könnte, bedauert ein Kingsman seine Opfer. Verständlich, denn aggressiver politischer Konservativismus ist ganz im Sinne der Helden - und ebenso offenbar von Regisseur Vaughn. Er gestaltet bereits den Vorspann als Hymne auf die Zerstörung morgenländischer Kultur und abendländischer Affinität zu Folter.
Von Lida Bach.
Foto: Twentieth Century Fox


Verstehen Sie die Béliers?Verstehen Sie die Béliers?
Komödien mit Klamauk und einem Schuss Herzlichkeit - damit kann das französische Kino gut dienen, denn das Rezept gelingt oft. Man braucht nur an "Ziemlich beste Freunde" zu denken oder "Monsieur Claude und seine Töchter", dann kann man auch die Familiengeschichte der Béliers darin einordnen. Komische (manchmal auch leicht überdrehte) Szenen wechseln sich mit realistischen ab, man lacht, lernt ein bisschen was und kriegt auch was zum Nachdenken.
"Je vous entends" bedeutet auf Französisch sowohl "Ich höre Ihnen zu" als auch "Ich verstehe Sie!" - wohl beides oder auch eigentlich keines der beiden meint der gehörlose Familienvater und Milchbauer Rodolphe Bélier, als er sich als Kandidat zur Bürgermeisterwahl stellt. Diplomatie gehört nämlich nicht zu seinen Stärken - und eben diese stellt seine 16-jährige Tochter Paula her, wenn sie seine groben Äußerungen beim Übersetzen abmildert oder verkürzt.
Von Hilde Ottschofski.
Foto: Concorde Filmverleih


Als wir träumtenAls wir träumten
"Es war 'ne schöne Zeit", sagt der junge Dani zu Beginn von Andreas Dresens unausgereiftem Mix aus Buddy-Drama und Ostalgie-Kino. Darin gilt: Früher war alles besser, als DDR-Bürger und als Kinder sowieso! Die Freunde, die Freizeit und vor allem wir. Okay, nicht wir. Wir waren damals noch nicht geboren. Aber die Großeltern, die waren jung und wild und nirgendwo war das besser als in der großen Stadt, nämlich...? Richtig: Leipzig!
Würde man als junger Mensch heute Dresens Adaption von Clemens Meyers gleichnamigem Jugendroman glauben, hielte man die DDR für ein Idyll. Auf der Leinwand scheint dort im Gegensatz zur Nachwendezeit immer die Sonne, das Gras war grün - bestimmt grüner als auf der anderen Seite hinter Mauer - und in der Grundschule gab es statt Mathe coole Brandschutzübungen.
Von Lida Bach.
Wettbewerbsfilm der 65. Berlinale 2015
Foto: Rommel Film / Pandora Film / Peter Hartwig



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Sehnsucht nach Paris
Rinderzüchterin Brigitte Lecanu und ihr Mann Xavier leben und arbeiten in der Normandie. Sie ist eher verträumt, er steht mit beiden Beinen fest auf dem ländlichen Boden. Einziger Höhepunkt in ihrem Leben ist die jährliche landwirtschaftliche Leistungsschau, wo der Zuchtbulle Ben Hur Preise abräumt. Ein rotes Ekzem an Brigittes Brust will nicht verschwinden, der Zuschauer ahnt: weil es seelisch bedingt ist. Denn bis auf einen Gute-Nacht-Kuss spielt sich in sexueller Hinsicht nichts mehr zwischen den beiden ab. Als im Nachbarhaus eine Party stattfindet, macht Brigitte die Bekanntschaft eines jungen Parisers, der ihr Komplimente macht. Und so fährt sie nach Paris...
Der Film hat den Charme und die Leichtigkeit einer "typisch" französischen Komödie. Und er ist originell und weitgehend frei von Klischees. Isabelle Huppert erweist sich wieder einmal als außerordentlich wandlungsfähige Schauspielerin, die Landwirtin nimmt man ihr ohne Weiteres ab.
Von Manfred Lauffs.

Birdman oder (Die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit)
Wenn Ignoranz zur unerwarteten Tugend erklärt wird - im deutschen Titel wurde das englische "Virtue" wenig passend mit "Macht" übersetzt - und damit zum Lob eines schwachen Theaterstücks emporstilisiert wird, dann ist das nicht viel an inhaltlicher Erkenntnis. Gleich wie der Theaterkritikerin im Film, die den Artikel mit dieser ungewöhnlichen Ausdrucksweise schreibt, so geht es auch dem Zuschauer des Films "Birdman", da er auch weder emotional noch intellektuell bereichert ist, auch wenn es viele Kritiker so haben möchten.
Was will dieser Film uns mitteilen? Nach der Besichtigung von "Birdman" kann man diese Frage nicht beantworten. Zwar ist die Kameraführung revolutionär, die Darsteller sind sehr überzeugend und halten die Nähe der Kamera tapfer aus, die Jazzmusik hat einen starken Sog, es werden Seitenhiebe ausgeteilt an die neue mediale Oberflächlichkeit, den Umgang von Kritikern mit Theaterschaffenden, den Umgang der Hollywood-Filmindustrie mit ihren Heldendarstellern.
Von Hilde Ottschofski.

Oh BoyOh Boy
Jan Ole Gersters Regiedebüt schlug Ende 2012 in den deutschen Filmbetrieb ein wie eine Bombe: Gerster zeigte, dass auch in Deutschland kleine, interessante Filme möglich sind. Einen Tag und die folgende Nacht hindurch streift die Hauptfigur von "Oh Boy", Niko (Tom Schilling) durch Berlin und trifft die unterschiedlichsten Menschen. Daraus entwickeln sich kleine Geschichten. Schade ist, dass nicht jede der vielen Episoden funktioniert. Dennoch unterscheidet sich der Schwarz-Weiß-Film wohltuend von den sonstigen Produktionen des deutschen Films wie den Til-Schweiger- und Matthias-Schweighöfer-Geschichten. Zu recht räumte "Oh Boy" beim Deutschen Filmpreis sämtliche Auszeichnungen ab. Der Film hätte es verdient gehabt, von der Deutschen Filmakademie für den Academy Award als Bester fremdsprachiger Film vorgeschlagen zu werden.
Von Michael Dlugosch.
Foto: X-Verleih


Der Medicus
Noah Gordons Buch "Der Medicus" ("The Physician") erschien in 42 Ländern und verkaufte sich allein in Deutschland mehr als sechs Millionen Mal. Im Jahre 1999 wurde es auf der Madrider Buchmesse in die Liste der 10 beliebtesten Bücher aller Zeiten gewählt. Publiziert wurde der Roman erstmalig im Jahre 1989 - erstaunlich, dass er so lange auf seine Verfilmung warten musste, nämlich bis zum Jahre 2013! Und erstaunlich, dass der Film von einem deutschen Regisseur, nämlich Philipp Stölzl, inszeniert wurde. Das Ergebnis ist beeindruckend: Wenn die Produzenten Wolf Bauer und Nico Hoffmann beweisen wollten, dass man auch in Deutschland Historienfilme von Weltniveau drehen kann, so ist dies vollauf gelungen.
Von Manfred Lauffs.

Gojoe
Dunkle Zeiten im alten Japan. Es herrscht Krieg, und während der geschlagene Genji-Clan sich auf dem Rückzug befindet, versucht der Heike-Clan in Kyoto seine Macht zu festigen. Angst geht um, denn Nacht für Nacht werden Heike-Soldaten getötet, von einem Dämon, so heißt es, der an der Gojoe-Brücke lauert. Überaus trefflich, dass Musashibo Benkei (Daisuke Ryu), der das Schwert Dämonentöter führt, in die Gegend zurückkehrt. Nachdem in einer Nacht eine ganze Armeeeinheit ausgelöscht worden ist, schmiedet der Heike-Clan Pläne, Benkei für sich zu gewinnen und ihn zum Kampf gegen den Dämon zu bewegen.
Von Marcus Gebelein.

Die geliebten Schwestern
Kann die Dreiecksgeschichte um Dichter Friedrich Schiller und zwei Frauen einen ganzen langen Film (fast drei Stunden Laufzeit) tragen? Ist das nicht nur etwas für Germanisten? Erste Antwort: Ja. Zweite Antwort: Nein. Dies ist ein glanzvoller, sorgfältig ausgestatteter, von den Schauspielern bis in die feinsten Gefühlsregungen hinein vorzüglich gestalteter und zudem historisch interessanter Film, der von Anfang bis Ende das Publikum in seinen Bann zieht. Die Klassik ist offenbar nicht verstaubt! Leidenschaften beherrschen die Menschen, politische Stimmungen stehen in enger Beziehung zu den seelischen Regungen. Ein großer Unterschied zur heutigen Zeit: Es wird nicht telefoniert und es werden keine SMS abgesetzt. Dafür werden am laufenden Band Briefe geschrieben, mit Feder, in Schönschrift, mit Siegellack verschlossen. Das ist die Kommunikation der Herzensergießungen.
Von Manfred Lauffs.

Madame Mallory und der Duft von Curry
Der schwedische Regisseur Lasse Hallström, Jahrgang 1946, ist Spezialist für "schöne" Filme, also solche, die - wie etwa "Chocolat" (2000) - herrliche Landschaften zeigen, gut aussehende Hauptdarsteller haben, alles in warme Farben tauchen und einfach einen Wohlfühleffekt beim Zuschauer erzeugen. Die Grenze zum Kitsch kann dabei leicht überschritten werden. In "Madame Mallory und der Duft von Curry" wird sie aber nur gestreift.
Wir erleben in einem malerischen südfranzösischen Ort namens Lumière einen Clash der Kulturen, genauer: der Esskulturen. Madame Mallory (Helen Mirren) führt ein elegantes, traditionsreiches Restaurant am Dorfrand, das sogar einen Michelin-Stern aufzuweisen hat: das renommierte "Le Saule Pleureur" (Die Trauerweide). Auf der anderen Straßenseite ist eine indische Familie in ein verlassenes Haus eingezogen. Sie musste ihre Heimat verlassen, weil ihr Restaurant bei Unruhen verwüstet wurde.
Von Manfred Lauffs.

 



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Zitat

"Jeder verneint, dass ich ein Genie sei. Aber niemand nannte mich je eins."

Orson Welles (100. Geburtstag; 06.05.1915 - 10.10.1985)

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