Aktuelle Filme


Die Reste meines LebensDie Reste meines Lebens
Schimon (Christoph Letkowski) ist ein von Grund auf glücklicher Mensch. Man könnte ihn auch als Traumtänzer bezeichnen. Im Verlauf des Films wird Schimon zum Trampel werden. "Die Reste meines Lebens" von Regisseur Jens Wischnewski in dessen Spielfilmdebüt (Drehbuch: Wischnewski und Julia C. Kaiser) zeichnet das Bild eines Mannes, der sich nicht am Glücklichsein hindern lässt und dafür eine Frau vor den Kopf stößt. Wie dies im Film geschieht und wie die Entwicklung Schimons im Film abläuft, funktioniert sehenswert. Denn die Drehbuchautoren haben etwas zu erzählen: von nicht vollendeter Trauerbewältigung und neuer Liebe, die sich gegenseitig fast ausschließen. Fast. Schimon kriegt die Kurve.
Einzig der lange unklar bleibende, weil nicht übersichtlich in Szene gesetzte Unfalltod der ersten Frau ist ein Problem für den Zuschauer. Dennoch: Schimons naiv-blumige Sicht aufs Leben ist auch der Erzählstil des Films. Dem schaut man überraschend gerne zu.
Von Michael Dlugosch.
Foto: Camino Filmverleih


You'll Never Walk AloneYou'll Never Walk Alone
Es ist aus vielen Fußballstadien nicht wegzudenken, das Lied, ja die Hymne "You'll Never Walk Alone". Vor allem die Dortmunder und die Liverpooler Fans singen diese Musik gewordene Melancholie. Regisseur André Schäfer geht mit seinem Hauptprotagonisten, dem bekannten Schauspieler Joachim Król, in diesem Dokumentarfilm der Geschichte des Songs nach. Der Film bietet eine kurzweilige Spurensuche auf, Schäfer macht in seiner Mischung aus Musikfilm, Fußballfilm und Doku-Schnitzeljagd viel richtig. Nur die erste halbe Stunde des Films müsste anders gestaltet sein: Ihren Auftakt hätte das Lied bilden müssen, und in ihr wird zu viel über ein mehr als 100-jähriges Theaterstück geredet, in dem der Song noch nicht vorkommt. Das Stück von Autor Ferenc Molnár war nur die Grundlage für ein US-Musical, für das der Song komponiert wurde. Das Lied erhielt seine endgültige Popularität erst in den 1960ern in England.
Von Michael Dlugosch.
Foto: Mindjazz Pictures


Das Ende ist erst der AnfangDas Ende ist erst der Anfang
Zwei gealterte Kopfgeldjäger auf der Jagd, zwei Kleinkriminelle auf der Flucht und dazu eine Gang von schmierigen Vorstadtschlägern. Ihre Wege kreuzen sich vor dem tristen Hintergrund grauer Landschaften, abbruchreifer Gebäude und Betonstraßen. Viel geredet wird nicht und der Soundtrack macht auf Spätwestern. Die Szenerie ist hässlich, die Charaktere noch mehr. So überrascht es kaum, dass Bouli Lanners' rauer Krimi kein sonderlich unterhaltsamer Anblick wird.
Die trockene Story um die Auftragskiller Cochise (Albert Dupontel) und Gilou (Bouli Lanners), die ein gestohlenes Handy wiederbeschaffen sollen, prahlt geradezu mit ihrer Ruppigkeit. Die starren Aufnahmen von Kameramann Jean-Paul de Zaeytijd erwecken den Eindruck, der Regisseur habe mehr Mühe in die Suche nach der idealen deprimierenden Location investiert, als in die Konstruktion der Handlung.
Von Lida Bach.
Ein Film der Sektion Panorama der 66. Berlinale 2016
Foto: Kris Dewitte


The FounderThe Founder
McDonald's-Propaganda. Die Gründungsgeschichte eines weltweiten Fast-Food-Imperiums hätte ein Abenteuer der Erzählkunst werden können. Eine Ergründung der Frage, wie wir in die Welt geraten sind, in der wir heute leben. Stattdessen präsentiert "The Founder" dem Zuschauer einen heilen Amerika-Kosmos, der von der nostalgischen Brille des American Dream ideologisch durchgefärbt ist. Während inhaltlich eine kritische Sicht vorgetäuscht wird, beschwört der Film ästhetisch ein heiles McDonald's-Amerika herauf.
Die Brüder Richard James "Dick" McDonald und Maurice "Mac" McDonald hätten die Protagonisten eines anderen und guten Films über diesen Stoff sein können. Sie werden aber vom Regisseur John Lee Hancock ("Saving Mr Banks") und Autor Robert D. Siegel ("The Wrestler - Ruhm, Liebe, Schmerz") aber auf eine perfide Art filmisch verraten und verkauft.
Von Simon Probst.
Foto: Splendid Film


SiebzehnSiebzehn
In der Provinz ist die Welt noch in Ordnung? In diesem Spielfilm nicht für 17-jährige Gymnasiasten wie Paula (Elisabeth Wabitsch), die kurz vor dem Abi, kurz vor der Volljährigkeit ihren Weg sucht. Und sich zu gleichaltrigen Mädchen hingezogen fühlt, was freilich eine verborgene Leidenschaft zu bleiben hat: Das Lästern, der Klatsch anderer ist mörderisch, weiß Paula, also himmelt sie heimlich ihre Mitschülerin Charlotte (Anaelle Dészy) an. Die einen festen Freund hat.
Die Wiener Regisseurin Monja Art interessierte sich in ihrem Spielfilmdebüt, das in Saarbrücken im Januar 2017 den Max Ophüls Preis gewann, für die hormongesteuerten Gefühle samt allen sozialen Konsequenzen in einem Alter des Übergangs zwischen Kind- und Erwachsensein. "Siebzehn" ist nicht unbedingt künstlerisch wertvoll, weiß aber gut, wenn auch nicht brillant von den Nöten einer Schülerin als Einzelkämpferin vor der doppelten Reifeprüfung Schule und Leben zu erzählen.
Von Michael Dlugosch.
Foto: Salzgeber & Co. Medien


Don't Blink - Robert FrankDon't Blink - Robert Frank
Laura Israels filmische Collage über Fotograf und Filmemacher Robert Frank ist eine Hommage an die Kraft der Momentaufnahme. Das richtungslose Konglomerat der langjährigen Mitarbeiterin und Cutterin Franks bringt diese expressive Kraft leider nur selten auf. Weder Franks Wesen, noch das umfangreiche Werk durch die unscharfen Videos, Fotos und Cut-ups werden zugänglicher.
"Wenn jemand sich der Kamera bewusst ist, wird das Bild anders", sagt Frank, der zu den eindrucksvollsten Chronisten seiner Ära zählt, einmal. "Die Leute verändern sich." Ob es die Antipathie zwischen der Kamera und dem sich dieser offenkundig unangenehm bewussten Subjekt ist oder die überwältigende Masse an künstlerischem Material, das Israel in den Film packt: Das Resultat bleibt im visuellen wie persönlichen Sinne konturlos. Man sieht Frank in der Gegenwart als in seinem Apartment durch Berge selbstgeschaffener Zeitdokumente und Erinnerungsstücke kramen und durch die Gegend fahren.
Von Lida Bach.
Ein Film der 66. Berlinale 2016, Sektion Panorama Dokumente
Foto: Grandfilm


Zu guter LetztZu guter Letzt
Man nehme: eine Hollywood-Legende (Shirley MacLaine), einen Star (Amanda Seyfried), ein Comedy-Drehbuch, das diesen beiden wie die Faust aufs Auge passt, etwas Slapstick, man vergesse dabei nicht eine kleine universelle Botschaft, mixe etwas rockige Musik dazu und fertig ist der kommerzielle Film. Mehr Absicht kann man hinter dem Film "Zu guter Letzt" nicht entdecken. Ein handwerklich gut gemachter Film, ein handwerklich gut gespielter Film - wer sieht Shirley MacLaine nicht gerne beim Spielen zu? - aber - wie der Amerikaner sagt "nothing to write home about" - nichts wirklich Bemerkenswertes.
Die 80-jährige Harriet Lauler ist eine Frau, die kein Blatt vor den Mund nimmt. Ihrem Ableben entgegensehend, und feststellend, dass eventuell niemand gute Worte für ihren Nachruf zu sagen hat, engagiert sie eine Journalistin, um zusammen im voraus an dem Rückblick auf ihr Leben zu feilen. Und vielleicht noch einiges in ein besseres Licht zu rücken.
Von Hilde Ottschofski.
Foto: Tobis


Zwischen den Jahren (2017)Zwischen den Jahren (2017)
Jeder ruft ihn bei seinem Nachnamen: Becker. Der grobschlächtige, tätowierte Mann (Peter Kurth) arbeitet als Wachmann. Ein neuer Arbeitskollege (Leonardo Nigro), ein Ex-Polizist, erkennt an den Tattoos Beckers dessen Vergangenheit im Knast. Weshalb Becker sitzen musste, erfährt der Zuschauer nicht sofort: Er hat vor 15 Jahren eine Frau und ihr Kind bei einem missglückten Einbruch "weggemacht", wie es der zornige Becker ausdrückt. In ihm steckt viel Wut. Auf sich selbst: Er hat die Tat sichtlich bereut. Aber da ist noch Dahlmann (Karl Markovics), der Mann, der nach dem Totschlag seiner Frau und seines Kindes auf Rache sinnt... Regisseur und Drehbuchautor Lars Henning lässt sich in seinem ersten Kinofilm viel Zeit für die Entwicklung der Story. Diese verläuft vorhersehbar und zerfasert in Nebenhandlungsstränge. Düsternis prägt den Film, selten ist Tageslicht zu sehen. Aber Dunkelheit allein ist kein filmisches Bild für sich. Die Schauspieler Kurth und Markovics im Duell ihrer Filmrollen sind dafür den Kinobesuch wert.
Von Michael Dlugosch.
Ein Film der Sektion Panorama Deutsches Kino der 67. Berlinale 2017
Foto: temperclayfilm 2017


MarijaMarija
Die Politik diskutiert über No-Go-Areas in Deutschland, Regisseur Michael Koch zeigt sie. Zeigt, wie die Menschen wirklich in Stadtteilen leben, in denen es Konflikte, das Recht des Stärkeren und einen Alltag in prekärer Lage gibt. Koch zeigt speziell ein Individuum in diesem Mikrokosmos. Wie es sich durchbeißt. Wünschen nachgeht. Bis zur Selbstverleugnung. Kein Geld für die Miete. Also greift Marija (Margarita Breitkreiz) kurzerhand zum Reißverschluss des Vermieters und bläst diesem einen. Das Problem ist bis zum Monatsende gelöst, oder länger - der Vermieter, Cem (Sahin Eryilmaz), ein Deutschtürke, möchte sie zur Freundin haben. Doch die junge Ukrainerin ist emotional abgehärtet. Was man zu sein hat, wenn man ums tägliche Brot, ums Überleben kämpfen muss. Eine Beziehung ist für Marija nicht drin, da sie es nicht will - es sei denn, sie kann so an ihr Ziel kommen.
Von Michael Dlugosch.
Foto: Real Fiction Filmverleih


Elle (2016)Elle (2016)
So wurde die Geschichte einer Vergewaltigung noch nie erzählt. Interessiert, aber ohne Anteilnahme verfolgen in der ersten Szene die Augen ihrer Katze, wie ein maskierter Mann auf dem Fußboden ihrer Wohnung über Michele Leblanc herfällt. Als ob damit gleich zu Beginn die Haltung des Erzählens bestimmt würde. Der Film wird keine Stellung beziehen zu all den Tabus, die in seinem Verlauf gebrochen werden: Sei es der Massenmord, den Micheles Vater vor vielen Jahren in dem Viertel begangen hat, wo sie heute noch lebt, der Toyboy, den ihre greise Mutter Irene sich hält, Micheles Affaire mit Robert, dem Mann ihrer besten Freundin Anna oder das Spiel, auf das sie sich mit ihrem Vergewaltiger einlässt. Der Zuschauer ist alleine, mit sich und einer Vielzahl offener Handlungsstränge, die unaufgeregt und souverän um die Schatten und Abgründe der Gesellschaft kreisen. So entsteht die Möglichkeit, einen neuen und freien Blick zu gewinnen auf Schuld und Scham, auf Liebe, Freundschaft und Familie.
Von Simon Probst.
Foto: 2016 SBS Productions, Twenty Twenty Vision Filmproduktion, France 2 Cinema, Entre Chien et Loup


T2 TrainspottingT2 Trainspotting
"Du bist wie ein Tourist, der in seine Jugend zurückkehrt", urteilt Simon trocken. Nachdem er ihn zur Begrüßung mit Fäusten und Billardqueue bearbeitet hat, hat sich seine Wut auf Mark zumindest zeitweise abgekühlt. Mark, der seine Drogenkumpane vor zwanzig Jahren um 12.000 Pfund betrogen hatte. Und sie verlassen hatte, gen Amsterdam, wie wir erfahren, um dort das Leben zu führen, zu dem er nie ja sagen wollte. Bürgerlicher Job. Geregeltes Einkommen. Ehe. Kinder. "Mädchen oder Junge?", fragt Simon. "Von jedem eins", entgegnet Mark. Moment - die Mitte zwanzigjährigen Junkies von damals sind erwachsen geworden? Denkste. "T2 Trainspotting" bietet einen schwindelerregenden Cocktail aus unendlichem Spaß, Betrügereien und Betrug, kurzen Momenten der Nähe und unüberbrückbarer Entfremdung - immer durchsetzt von dem Schmerz, "nie der geworden zu sein, der man hätte sein können."
Von Jasmin Drescher.
Ein Wettbewerbsfilm außer Konkurrenz der 67. Berlinale 2017
Foto: 2016 Sony Pictures Releasing GmbH


Lion - Der lange Weg nach HauseLion - Der lange Weg nach Hause
Die tiefe innere Verbundenheit des indischen Jungen Saroo mit seiner Familie, obwohl er in frühem Kindesalter von ihr getrennt wird, verblüfft in diesem Film und macht ihn zu einem ergreifenden Erlebnis. Schier unglaublich ist, wie sehr sich frühkindliche Ereignisse anscheinend ins Gedächtnis einprägen können, so dass sie auch nach Jahrzehnten wiederaufleben. "Lion" ist wegen der sensiblen und gekonnten Umsetzung der Autobiografie Saroo Brierleys Mein langer Weg nach Hause: Wie ich als Fünfjähriger verloren ging und fünfundzwanzig Jahre später meine Familie wiederfand sehenswert.
Saroo geht als Kind auf der Suche nach Nahrung, Diebesgut oder Arbeit eines nachts verloren, reist eingesperrt in einem Zug über tausend Kilometer weit weg nach Kalkutta, und wird aus einem Waisenhaus heraus von einer australischen Familie adoptiert. Nach mehr als zwei Jahrzehnten beginnt seine unwahrscheinliche Suche mithilfe von Google Earth nach der verlorenen Familie.
Von Hilde Ottschofski.
Foto: Universum Film


The Dinner (2017)The Dinner (2017)
Im Jahr 2013 sorgte ein junger Texaner für Schlagzeilen. Mit 2,4 Promille im Blut war Ethan Couch mit einem Kleinlaster in ein liegengebliebenes Fahrzeug gerast. Vier Menschen kamen dabei ums Leben. Der Fall erhitzte die Gemüter - vor allem deshalb, weil die Verteidigung einen Psychiater hinzuzog, der Couch "affluenza" attestierte. Der Neologismus - kreiert aus "influenza" (Grippe) und "affluence" (Wohlstand) - umschreibt das Aufwachsen in einer materiell übersättigten Welt der Regellosigkeit. Daher sei Couch unfähig gewesen, die Konsequenzen seines Handelns einzuschätzen. Und tatsächlich kam der unter dem Hashtag #AffluenzaTeen bekannt gewordene Couch mit einer Bewährungsstrafe davon. Wie gehen Eltern damit um, wenn sich das eigene Kind als in höchstem Maße verantwortungslos, ja, sogar brutal, erweist? Oren Movermans Berlinale-Wettbewerbsbeitrag "The Dinner" wirft neben dieser noch einige weitere aktuelle und höchst relevante moralische Fragen auf, verzettelt sich aber in der Beliebigkeit, mit der diese aneinandergereiht werden.
Von Jasmin Drescher.
Ein Wettbewerbsfilm der 67. Berlinale 2017
deutscher Kinostart: 8. Juni 2017
Foto: Tobis Film GmbH



Neue Rezensionen


Die anonymen Romantiker
Jean-René (Benoit Poelvoorde) gerät eifrig ins Schwitzen, sobald er sich mit einer Frau unterhält. Deshalb bringt der Besitzer einer kleinen Schokoladenfabrik zum Date mit seiner neuen Angestellten Angélique (Isabelle Carré) eine ganze Tasche baugleicher Wechselhemden mit, die er auf der Restaurant-Toilette versteckt. Regelmäßig unterbricht Jean-René die laufende Unterhaltung abrupt, flieht zu seinem Depot und wechselt hektisch das Hemd - als er sich vergreift und unerwartet mit einem altbackenen Rüschenhemd vor seiner Begleitung steht, ergreift der Unentspannte übereilt die Flucht aus dem Toilettenfenster.
Dass dieses Rendezvous überhaupt zustande gekommen ist, grenzt an ein Wunder: Während Jean-René im zwischenmenschlichen Bereich extrem schüchtern und verkrampft agiert, zählt Angélique zur Gruppe der hochsensiblen Persönlichkeiten. Schon ein kleiner Anlass genügt und Angélique fällt in Ohnmacht oder reagiert anderweitig panisch.
Von Christian Horn.

Ein Mann von Welt
In der ersten Szene kehrt Ulrik (Stellan Skarsgard) nach zwölf Jahren Gefängnis in die Freiheit zurück - der Protagonist wird, so hat es Christian Petzold einmal in Bezug auf eine Gefängnisentlassung als Filmauftakt formuliert, vom Kino geboren. Doch so zögerlich wie Ulrik vom Gefängnistor in die karge Landschaft blickt, scheint ihm die neue Freiheit nicht sonderlich zu gefallen: "Schau nach vorne!" ruft ihm ein Aufseher zu, doch Ulrik wendet den Blick unsicher nach hinten in den Gefängnishof. Dazu passt auch, dass er als erstes seine Gangster-Kumpanen von früher aufsucht. Ein Mord aus Eifersucht brachte ihn in den Knast, nun soll der verräterische Hauptzeuge dafür zahlen - zumindest will das Ulriks alter Boss Jensen (Björn Floberg), der stets in Begleitung seines lächerlichen Adjutanten Rolf (Gard Eidsvold) auftritt. Ulrik hingegen scheint nicht so recht zu wissen, was er will.
Von Christian Horn.

El Bulli - Cooking in Progress
Der spanische Spitzenkoch Ferran Adria, Betreiber des weltberühmten Drei-Sterne-Restaurants El Bulli, versteht ein Menü als eine Abfolge von Sequenzen, die einer gewissen Dramaturgie unterliegen. Alles ist möglich, sofern es nicht bereits bekannt ist. Ob sich nun die Ravioli von selbst auflösen oder der Kellner einen Cocktail aus Wasser, Haselnussöl und Salz serviert - Ferran Adria will die Besucher immer wieder neu überraschen und seinen Menüs auf diese Weise eine emotionale Komponente verleihen. Nicht umsonst empfindet er das El Bulli als Avantgarde-Restaurant.
Um neue Gerichte für die Saison zu entwerfen, schließt das Lokal in den Wintermonaten seine Türen. In dieser Zeit experimentieren Adria und ein gutes Dutzend Köche in einer Kochwerkstatt in Barcelona, notieren ihre Ergebnisse in ausufernden Listen, schießen Fotos aller Entwicklungsstadien und nähern sich schrittweise den neuen Menüs an.
Von Christian Horn.

Ender's Game - Das große Spiel
In baldiger Zukunft attackiert eine insektenartige Alienrasse die Erde und Millionen Menschen sterben - erst der heldenhafte Einsatz des Kommandanten Mazer Rackham (Ben Kingsley) kann den Untergang abwenden. Einige Jahre später rekrutiert Colonel Graff (Harrison Ford) auch Kinder für das Militär, um die erwartete neue Angriffswelle zu überstehen. Als größtes Talent der Weltraum-Kadettenschule erweist sich der zurückhaltende Ender Wiggin (Asa Butterfield), der nicht nur die besten Kampfstrategien entwickelt, sondern nach anfänglichen Reibereien auch seine Kameraden um sich versammelt. Für Graff ist Ender eine Art Auserwählter und schon bald muss sich der Junge in der alles entscheidenden Schlacht beweisen.
Der Regisseur Gavin Hood ("Tsotsi") konzentriert sich auf die Heldenreise des Protagonisten, der das selbstständige Denken nie aufgibt und Probleme strategisch klug löst. Leider sind einige Ereignisse allzu platt und unlogisch, bis eine stimmige Wendung das Grundmotiv "Spiel vs. Realität" sinnvoll abschließt.
Von Christian Horn.

Die etwas anderen Cops
Es beginnt mitten in einer actionreichen Verfolgungsjagd, bei der Dwayne Johnson und Samuel L. Jackson zwei herrlich übertriebene NYPD-Supercops geben. In Zeitlupe durch die Luft wirbelnd machen sie die Ganoven mit leichter Geste unschädlich, bevor sie sich im Präsidium standesgemäß feiern lassen. Und da sitzen sie, im Hintergrund am Schreibtisch: Allen Gamble (Will Ferrell) und Terry Hoitz (Mark Wahlberg), die etwas anderen Cops. Gamble ist mit dem Schreibtischjob völlig zufrieden, Hoitz hingegen wurde strafversetzt, weil er versehentlich einen beliebten Baseball-Spieler niederschoss, und will am liebsten wieder raus in den richtigen Streifenalltag. Seine Chance kommt, als die Supercops Jackson und Johnson während einer zweiten Verfolgungsjagd in maßloser Selbstüberschätzung von einem Hochhaus springen - und dabei kläglich zu Tode kommen. Gemeinsam mit seinem unfreiwilligen Partner Allen macht sich Hoitz an die Aufdeckung eines Finanzskandals.
Von Christian Horn.

Fast & Furious Five
Die Jungs aus der "Fast and Furious"-Reihe sind wieder da: Vin Diesel und Paul Walker krachen - wie üblich druckvoll - mit Rennboliden, Fäusten und Sprüchen über die Leinwand. Regisseur Justin Lin, der bereits die beiden vorangegangenen Teile inszenierte, versammelt alle Zutaten der Actionserie und spendiert als Bonus eine taffe FBI-Rolle für Dwayne Johnson. Beim fünften Franchise-Ableger geht das Konzept, vor allem auf ästhetischer Ebene, glänzend auf. Der wie immer dünne Plot, mehr Aufhänger als Erzählung, stört daher kaum.
Die erste große Actionsequenz von "Fast Five" zeigt einen Überfall auf einen fahrenden Zug. Ein Westernszenario also, doch die Pferde sind Geländewagen, die Colts moderne Technologie und das Diebesgut, nun ja: Rennautos. Dieser Auftakt beschreibt einen Gutteil des Films: Das Handgemachte - hier gibt es noch Pyrotechniker und nicht nur Computerboom - ist die Grundlage für den Achtzigerjahre-Muskelkino-Charme von "Fast Five".
Von Christian Horn.

Fast & Furious 6
"Zeig mir, wie du fährst und ich sage dir, wer du bist", heißt es einmal ganz ironiefrei in "Fast & Furious 6". Und auch sonst bleibt alles beim Alten: Justin Lin, seit dem dritten Teil "Tokyo Drift" (USA 2006) Stammregisseur der Reihe, übernahm auch beim sechsten Teil die Inszenierung und wiedervereint den bekannten Cast der Vorgänger. Sehr routiniert liefert Lin genau das, was die Fangemeinde erwartet, und sorgt dafür, dass sich "Fast & Furious 6" über weite Strecken wie ein Familientreffen auf Testosteron anfühlt.
Gleich am Anfang rasen Dominic Toretto (Vin Diesel) und Brian O'Conner (Paul Walker) mit atemberaubender Geschwindigkeit über eine schmale Piste vor schmucker Kulisse, denn Brians Nachwuchs ist im Anmarsch. Der edle Plan, in der neuen Vaterrolle sauber zu bleiben, zerschlägt sich jedoch schnell.
Von Christian Horn.

Die glorreichen Sieben (2016)
Genauso häufig, wie der Western totgesagt wurde, feiert er seine Auferstehung - zuletzt mit den Genre-Beiträgen "The Revenant", "Jane Got A Gun" oder zwei Tarantino-Filmen, "Django Unchained" und "The Hateful 8". In Zeiten, in denen Hollywood auf Remakes oder Mehrteiler setzt, weil der Branche nicht mehr viel einfällt, konnte es nicht ausbleiben: eine filmische Wiederkehr von "Die glorreichen Sieben" (1960, Regie: John Sturges). Damit ist der neue Film das Remake eines Remakes, denn für den alten Film lieferte Akira Kurosawas "Die sieben Samurai" (1954) die Vorlage. Ist dieser Sachverhalt zu kritisieren? Nicht, wenn der Film eine erfrischende Neuinterpretation des alten Stoffes liefert oder wenigstens den Genre-Elementen treu bleibt. Die Action stimmt in der Version von 2016, als Innovation bietet Regisseur Antoine Fuqua übertriebene politische Korrektheit an.
Von Michael Dlugosch.

Der große Navigator
Die Stuttgarter Regisseurinnen Wiltrud Baier und Sigrun Köhler begleiten in ihrem Dokumentarfilm "Der große Navigator" einen schwäbischen Missionar bei seiner Arbeit in Mecklenburg-Vorpommern. Ein Dokumentarfilm über einen in Ostdeutschland tätigen Missionar? darf man sich an dieser Stelle zu Recht fragen. Doch der Film funktioniert ganz hervorragend und geht die Thematik des christlichen Glaubens mit einer ordentlichen Prise Humor an - ohne den arg aus der Zeit gefallenen Protagonisten lächerlich zu machen.
"Der große Navigator" beginnt mit der Autofahrt, die den überzeugten Missionar Jakob Walter vom Schwarzwald in seine neue Heimat Neubrandenburg führt. Auf der Suche nach einem "real existierenden Realismus" begleiten sie ihn bei alltäglichen Tätigkeiten jeder Art und zeigen ihn in der missionarischen Interaktion mit Menschen auf der Straße, die er gerne in Gespräche über Glauben und Gott verwickelt.
Von Christian Horn.

Die große Sause
Eine der erfolgreichsten Filmkomödien ist 2016 nach 50 Jahren in überarbeiteter Fassung wieder in die französischen Kinos gekommen: "Die große Sause" mit Louis de Funès und Bourvil in den Hauptrollen.
Die Handlung spielt im Zweiten Weltkrieg, 1942 in Paris, während der Besatzung Frankreichs durch Nazideutschland. Ein britischer Bomber wird von den Deutschen abgeschossen, und die drei Piloten landen mit ihren Fallschirmen an verschiedenen Orten in der Hauptstadt. Cunningham (Claudio Brooke) trifft auf den Malermeister Auguste Bouvet (Bourvil), sie retten sich vor den Deutschen in die Wohnung der Puppenspielerin Juliette (Marie Dubois). MacIntosh (Mike Marshall) landet auf dem Dach der Pariser Oper und begegnet dem Dirigenten Stanislas Lefort (Louis de Funès). Beide Engländer wollen zusammen mit ihrem Kommandanten Sir Reginald Brook (Terry-Thomas) in die "freie Zone" (den von der Wehrmacht nicht besetzten Teil Frankreichs) fliehen, um von dort aus nach Großbritannien zu gelangen.
Von Manfred Lauffs.

Hangover 2
Mit seiner überdrehten Buddy-Komödie "Hangover" landete Regisseur Todd Phillips vor zwei Jahren einen großen Überraschungshit, der unerwartet das Vielfache seines Budgets einspielte. Mit "Hangover 2" wollen Phillips und das produzierende Studio Warner diesen Erfolg ganz unverhüllt kopieren, was ihnen schon deshalb nicht gelingt, weil sie die Zutaten des ersten Teils allzu beliebig, uninspiriert und maßlos in die Fortsetzung packen. Konnte schon der erste Teil nicht über die volle Laufzeit sein Niveau halten, erscheint der zweite von der ersten Minute an überflüssig, weil er sich allzu offensiv auf dem Vorgänger ausruht.
Eigentlich ist "Hangover 2" kein Sequel, sondern ein Remake. Dieses Mal geht's zu Stus (Ed Helms) Hochzeit nach Thailand, doch am Abend vor der Eheschließung gerät ein Bier mit den mitgereisten Kumpels Phil und Alan (Bradley Cooper & Zach Galifianakis) außer Kontrolle.
Von Christian Horn.

Hangover 3
Während "Hangover 2" nicht viel mehr als eine überzogene Kopie seines Vorgängers war, wählt Regisseur Todd Phillips für den vorläufigen Abschluss seiner "Hangover"-Reihe einen neuen Ansatz. Dieses Mal erwachen Stu, Phil und Alan (Ed Helms, Bradley Cooper, Zach Galifianakis) nicht mit einem mörderischen Kater und frappierenden Erinnerungslücken in einem Hotelzimmer in Las Vegas oder Bangkok, sondern geraten in eine actionreiche Verfolgungsjagd.
Das Wolfsrudel ist zur Ruhe gekommen. Lediglich der halb wahnsinnige Alan schlägt noch immer über die Stränge und kutschiert in der Eröffnungsszene eine Giraffe über den Highway, die wegen einer zu niedrigen Brücke ihren Kopf verliert. Als Folge stirbt Alans Vater an einem Herzinfarkt und seine Freunde überzeugen den Kindskopf von einem Aufenthalt in einer psychiatrischen Heilanstalt. Auf dem Weg dorthin fallen die Kumpels jedoch dem Gangster Marshall (John Goodman) in die Hände, der Alans durchgeknallten Freund Chow (Ken Jeong) sucht.
Von Christian Horn.

Das Hochzeitsvideo
Die Aufforderung "Mach die Kamera aus!" bekommt Daniel (Martin Aselmann) regelmäßig zu hören, während er die Hochzeitsvorbereitungen seines Kumpels Sebastian (Marian Kindermann) und dessen Freundin Pia (Lisa Bitter) mit einer Kamera filmt. Denn natürlich, wie sollte es auch anders sein, verlaufen die Vorbereitungen mitsamt Junggesellenabschied und Hochzeitsfeier in Sönke Wortmanns neuer Komödie "Das Hochzeitvideo" alles andere als reibungslos: Hier trifft nicht nur die adelig-konservative Familie des Bräutigams auf den chaotischen Patchwork-Anhang der Braut, sondern zu allem Überfluss platzt auch noch Pias bislang verheimlichter Macho-Exfreund Carlos in die Hochzeitsgesellschaft, der als Pornodarsteller den beunruhigenden Beinamen "die Keule" trägt... Doch allem Trubel zum Trotz hält Daniel wacker mit der Kamera drauf und dokumentiert auch die unschönen Ereignisse für die Nachwelt beziehungsweise das Kinopublikum.
Von Christian Horn.

Immer Ärger mit 40
Judd Apatow ist einer der wenigen echten Autorenfilmer in der von Patentrezepten gezeichneten Komödien-Landschaft Hollywoods. Mit "Jungfrau (40), männlich, sucht..." und "Beim ersten Mal" landete Apatow zwei große Blockbuster, bevor sein dritter Kinofilm, die Tragikomödie "Wie das Leben so spielt", dramaturgischen Leerlauf zum Erzählprinzip erhob. Bei "Immer Ärger mit 40" schert sich der Regisseur abermals wenig um hergebrachte Erzählkonventionen. Stattdessen verästelt Apatow seinen Film in mehrere Handlungsstränge und Nebenerzählungen, die nicht immer eine Auflösung erfahren.
Debbie und Pete - zwei Nebenfiguren aus "Beim ersten Mal" - leben mit zwei gemeinsamen Töchtern in gehobenen Mittelschicht-Verhältnissen. Auf den ersten Blick scheint alles gut, doch Petes Indie-Plattenlabel steht kurz vor der Pleite, Debbie wird als Modeboutique-Besitzerin von ihren Angestellten bestohlen und die Töchter liegen im Dauer-Clinch.
Von Christian Horn.

I Shot My Love
Der Raum hinter der Kamera biete eindeutig den angenehmeren Standpunkt, erklärt Andreas seinem israelischen Lebenspartner Tomer, als dieser ihn filmt - außerdem sei er unsicher, inwieweit die Anwesenheit der Kamera sein Verhalten manipuliere. Dieser und ähnliche Momente belegen regelmäßig, dass "I Shot My Love" ein hochgradig selbstreflexiver Dokumentarfilm ist, einer, der sich vom überholten Diktum befreit, eine dokumentarische Arbeit müsse die Wirklichkeit ungefiltert abbilden. Allein schon die über die komplette Laufzeit abgerundeten Ecken der Leinwand, die das Bild zum Blick durch den Kamerasucher stilisieren, verweisen auf dieses theoretische Konzept hinter "I Shot My Love".
Ohne einen erklärenden Off-Kommentar oder merkliche audiovisuelle Effekte porträtiert Regisseur und Kameramann Tomer Heymann die Liebesbeziehung zu seinem deutschen Freund Andreas.
Von Christian Horn.

Jack und Jill
Am "Phänomen" Adam Sandler scheiden sich die Geister: Das eine Lager erklärt Sandler zum Symbol der typischen Mainstream-Hollywood-Komödie und schließt den erfolgreichen Star von vornherein aus, das andere Lager freut sich über jeden neuen Film des Schauspielers. In "Jack und Jill" von Regisseur Dennis Dugan spielt der Mime nun eine Doppelrolle, nämlich sowohl den männlichen als auch den weiblichen Part eines auch sonst ungleichen Zwillingspärchens, das im Verlauf der Geschichte Gemeinsamkeiten und damit die Liebe füreinander entdeckt.
Zwar legt auch die neue Adam-Sandler-Komödie ein gehöriges Tempo vor und verzichtet nicht auf derben Humor mit Furzen und so, bekommt aber immer wieder rechtzeitig die Kurve. Wichtiger als der oberflächliche Klamauk ist die Entwicklung der Geschwister Jack und Jill Sadelstein.
Von Christian Horn.

Der Kaufhaus Cop
Kevin James dürfte vielen aus der charmant-komischen Sitcom "King of Queens" bekannt sein. Nun steht er wieder einmal in einem Kinofilm vor der Kamera, der Actionkomödie "Der Kaufhaus Cop" von Steve Carr. Und stemmt den Film im Alleingang. Es geht los wie bei einer typischen Romantic Comedy: Der alleinstehende, übergewichtige Kaufhaus-Wachmann Paul Blart (Kevin James) verguckt sich in die attraktive Verkäuferin Amy (Jayma Mays), observiert sie per Überwachungskamera und unternimmt recht unbeholfene Flirtversuche, die wunderlicherweise fruchten. Wo sich nun eine Liebesgeschichte mit Pannen, Hindernissen, dramatischer Trennung und glücklicher Wiedervereinigung anschließen würde, beschreitet "Der Kaufhaus Cop" andere Wege: Gangster nehmen die Mall in Beschlag und Paul Blart tritt gegen die Übermacht an. Die romantische Komödie wird zur Actionkomödie.
Von Christian Horn.

Kein Sex ist auch keine Lösung
"Die erfolgreichsten deutschen Filme sind entweder Bestsellerverfilmungen oder Komödien. Wie erfolgreich müssen dann erst die Verfilmungen komischer Bestseller sein?" Mit dieser Frage verweist Georg Seeßlen in einem Essay über deutsche Komödien auf einen Trend, der spätestens seit "Herr Lehmann" zum routinierten Geschäft geworden ist. Mit der Romanverfilmung "Kein Sex ist auch keine Lösung" von Mia Morgowski schlägt Regisseur Torsten Wacker ("Süperseks") in dieselbe Kerbe und liefert letztlich genau das, was der Titel verspricht: eine harmlose romantische Komödie mit frivolen Spitzen.
Tom Moreno (Stephan Luca) brilliert bei einer Hamburger Werbeagentur und zieht als Don Juan durchs Leben. Die Frauen, das lässt er das Publikum gleich zu Beginn per Kommentar wissen, liebt er – und die Frauen lieben ihn. Seine zur Vermeidung von Ernsthaftigkeit aufgestellte Regel, höchstens dreimal mit derselben Eroberung zu schlafen, wird dem Beau zum Verhängnis, als er eine Affäre mit seiner reizenden Kollegin Elisa (Marleen Lohse) eingeht...
Von Christian Horn.

Der kleine Rabe Socke
Als Kinderbuch und mit einer eigenen Fernsehserie sowie Teil des "Sandmännchens" konnte der kleine Rabe Socke bereits Erfolge verbuchen. So ist es nur konsequent, dass der kesse Vogel mit der rot-weißen Ringelsocke am linken Fuß nun einen eigenen Kinofilm bekommt. Die Verfilmung von Ute von Münchow-Pohl ("Kleiner Dodo") und Sandor Jesse ("Meister Eder und sein Pumuckl") greift dabei nicht auf eine bereits vorhandene Geschichte zurück, sondern entwirft ein eigenes Abenteuer des Raben und seiner Freunde.
Beim Spielen mit dem Wildschwein Stulle beschädigt Socke (Stimme: Jan Delay) den Staudamm, der sein Dorf schützt - peu a peu flutet nun ein immer größer werdendes Rinnsal die Gegend. Um das Schlimmste abzuwenden, begibt sich Socke mit dem ängstlichen Schaf Wolle und dem Bären Eddi auf die Suche nach den Bibern, die den Damm einst bauten und die nötigen Ausbesserungen vornehmen könnten.
Von Christian Horn.

Love Steaks
Clemens (Franz Rogowski) soll sich tiefgefrorene Steaks um den nackten Körper binden, denn Lara (Lana Cooper) möchte sehen, was das mit seinem Penis macht. An anderer Stelle spült der junge Mann der besoffenen Lara, die zu regelmäßig ihren Flachmann ansetzt, die Kotze aus den Haaren. Der schüchterne, auf Harmonie bedachte Masseur und die dominante, ungestüme Küchenazubine - die Hotelmitarbeiter Clemens und Lara unterscheiden sich wie Tag und Nacht. Und trotzdem knistert es zwischen beiden, und zwar heftig.
Seine cineastische Wucht bezieht "Love Steaks" allerdings nicht unbedingt aus der Romanze, sondern vor allem aus der kraftvollen Inszenierung, die im neusten deutschen Kino geradezu einem Schelmenstück gleichkommt. Ohne großes Budget, Drehbuch oder Patentrezepte drehte das Team um Jakob Lass während des laufenden Hotelbetriebs an der Originalkulisse, was viel Raum für Improvisationen und kleine Wahrhaftigkeiten lässt, die die stilsichere Handkamera anbetungswürdig einfängt.
Von Christian Horn.

Mr. Poppers Pinguine
Dass "Mr. Poppers Pinguine" eine Familiengeschichte erzählt, verdeutlicht bereits das Intro: Der kleine Tom steht per Funk mit seinem weltreisenden Vater in Kontakt, der seine Abenteuer in allen Farben beschreibt, bis ritualisiertes "Over and Out" die Gespräche beendet. Wenn der Vater ausnahmsweise in persona auftaucht, sitzt die Familie stets am gleichen Tisch in ihrem Stammrestaurant, wo der Senior Geschenke überreicht, um anschließend wieder aufzubrechen. Bis heute will Tom Popper (Jim Carrey) nicht an diesem Tisch sitzen, denn die Sehnsucht nach dem abwesenden Vater ist auch im Erwachsenenalter präsent.
Während die Story für Sommerblockbuster-Verhältnisse durchaus angemessen durchdacht ist, punktet Regisseur Mark Waters in erster Linie bei der charmanten und immer gut getimten Inszenierung. Wie eine klassische Screwball-Comedy eilt "Mr. Poppers Pinguine" stets voran und ist keine Sekunde langweilig.
Von Christian Horn.

Noordzee, Texas
Belgien in den Sechzigerjahren: Der 14-jährige Pim (Jelle Florizoone) lebt mit seiner Mutter Yvette (Eva Van der Gucht) mitten im Nirgendwo an der belgischen Nordseeküste. Außer einer Kneipe namens "Texas", wo die ehemalige Schönheitskönigin Yvette an den Abenden als Akkordeonspielerin auftritt, ist nicht viel los in der verlassenen Gegend. Seine Tage verbringt der verschlossene Pim mit dem etwas älteren Nachbarsjungen Gino (Mathias Vergels), der mit seiner Mutter Marcella (Katelijne Damen) und der Schwester Sabrina (Nina Marie Kortekaas) im Haus nebenan wohnt. Während Gino die erotischen Annäherungen mit Pim als Spiel versteht, schlägt die Freundschaft bei Pim bald in erste Liebe um - als Gino nach Dünkirchen zieht und dort eine Freundin findet, bricht für den Verlassenen eine Welt zusammen.
Von Christian Horn.

Paul - Ein Alien auf der Flucht
Zwei befreundete Bilderbuch-Nerds brechen aus dem Vereinigten Königreich nach San Diego auf, um die Comic-Con zu besuchen; im Anschluss unternehmen sie per Wohnmobil eine Reise durch Amerika und steuern die berühmtesten Orte von UFO-Sichtungen an. Kaum unterwegs werden sie Zeugen eines Autounfalls und trauen ihren Augen kaum, als mit Paul ein grünes Marsmännchen aus dem Unfallwagen steigt! Paul, der seit dem Roswell-Zwischenfall in der Area 51 residiert, ist auf der Flucht und bittet die Nerds um Unterstützung.
Simon Pegg und Nick Frost, bekannt aus "Shaun of the Dead", spielen die beiden Nerds, während kein Geringerer als Seth Rogen dem charismatischen Alien seine Stimme leiht (hierzulande übernimmt Bela B. Felsenheimer den Part). Das von Greg Mottola ("Superbad") inszenierte Drehbuch stammt ebenfalls von Pegg und Frost.
Von Christian Horn.

Pitch Perfect
Eigentlich will Beca (Anna Kendrick) nach Los Angeles ziehen und als DJane Musik auflegen. Doch zunächst landet die junge Frau an einem College, an dem die männliche A-cappella-Gruppe "Treblemakers" mit den weiblichen "Barden Bellas" konkurriert. Beim letzten großen Wettbewerb passierte den Frauen ein übles Missgeschick und die Boy Group ergatterte den ersten Platz - nun sollen die "Barden Bellas" im nächsten Jahr glänzen, müssen auf dem Weg zum Contest jedoch einige Hürden nehmen.
Die Entwicklungen der Figuren sind leider sehr absehbar und insbesondere Becas Vater-Konflikt und die Romanze mit Jesse fallen bald unter den Tisch. Jason Moore garniert seinen Film mit harmloser Nacktheit, einem Schuss Selbstironie sowie Klamauk-Einlagen rund um Kotze und ähnliches, wobei alles auf ein emotionales Finale zusteuert.
Von Christian Horn.

Resident Evil: Retribution
Milla Jovovich in 3D - mit dieser Verheißung warb schon der Trailer zu "Resident Evil: Retribution", dem nunmehr fünften Ableger der erfolgreichen Horror-Actionfilmreihe. Und tatsächlich hält sich Regisseur und Drehbuchautor Paul W.S. Anderson mehr denn je an diesen griffigen Slogan. Stärker als die Vorgänger konzentriert sich der neueste Auftritt von Milla Jovovich alias Alice auf die optischen Schauwerte und visuellen Vorzüge des Big-Budget-Kinos, während die klassische Geschichte und Dramaturgie auf das Allernötigste beschränkt in den Hintergrund rücken.
Zwar entfernt sich "Resident Evil: Retribution" wie die übrigen Teile der Reihe von der ursprünglichen Survival-Horror-Stimmung der Videospielvorlage, kommt der Dramaturgie und dem Ablauf eines Computerspiels aber sehr nahe. Die einzelnen Großstadt-Simulationen wirken wie verschiedene Level, wobei sich der Schwierigkeitsgrad stets erhöht und die Auswahl der Waffen dementsprechend verfeinert.
Von Christian Horn.

Ruby Sparks - Meine fabelhafte Freundin
Als Neunzehnjähriger legte Calvin (Paul Dano) seinen sehr erfolgreichen Debütroman vor. Zehn Jahre später lebt der Schriftsteller einzelgängerisch in einer Villa in Los Angeles und leidet an einer Schreibblockade. Eine von seinem Psychiater (Elliott Gould) angeregte Schreibübung wirbelt Calvins Leben durcheinander, als seine fiktive Figur Ruby Sparks (Zoe Kazan) plötzlich leibhaftig vor ihm steht! Durch die Zeilen, die der Autor in seine Schreibmaschine tippt, kann Calvin die Handlungen seines rothaarigen Geschöpfs steuern. Sein Bruder Harry (Chris Messina) ist hellauf von Calvins neuer Freundin begeistert, doch bald entwickelt Ruby eine eigene Persönlichkeit und entzieht sich Calvins Schreibvorgaben.
Jonathan Dayton und Valerie Faris, deren Erstlingserfolg "Little Miss Sunshine" (USA 2006) zum Zeitpunkt von "Ruby Sparks" sechs Jahre zurückliegt, entwerfen mit ihrem zweiten Kinobeitrag einen Independentfilm mit Hang zum Mainstream, der als Charakterdrama beginnt und sich bald zum romantischen Fantasyfilm entwickelt.
Von Christian Horn.

Satte Farben vor Schwarz
"Satte Farben vor Schwarz" ist ein im besten Sinne unspektakulärer Film. Sophie Heldman verzichtet in ihrem Kinodebüt auf jegliche Spielereien und verlässt sich ganz auf subtiles filmisches Erzählen sowie ihre beiden Hauptdarsteller Bruno Ganz und Senta Berger, die ein Liebespaar im gehobenen Alter spielen. Während nicht wenige Erstlingswerke daran scheitern, dass sie sich kaum von den an der Filmhochschule erlernten Normierungen emanzipieren, legt Heldman ein selbstsicher inszeniertes Kammerspiel vor, bei dem die zurückgenommene Inszenierung stets den Befindlichkeiten der Figuren nachspürt.
Das Thema von "Satte Farben vor Schwarz" ist das Leben im Alter. Es geht um Freiräume, die gegen Widerstände geschaffen werden müssen, um gealterte, reife Liebe, Selbstbestimmtheit und würdevolles Sterben.
Von Christian Horn.

Saw VI
"Saw", die Sechste! In der Folge ellenlanger Horrorreihen wie denen um Michael Meyers, Jason Voorhees oder Freddy Krüger legt auch das "Saw"-Franchise um den Jigsaw-Killer jedes Jahr aufs Neue einen nach. Ebenfalls ganz im Sinn der 80er-Jahre-Horrorserien ist dabei der stetige qualitative Verfall der Reihe, die mit "Saw" vor gerade einmal fünf Jahren noch vergleichsweise raffiniert gestartet war. Schon ab dem zweiten Teil lieferten die Sequels nur noch die "Torture Porn"-Essenz des Originals: brutale Folterszenen - immer spektakulärer, zunehmend plump.
Im sechsten Ableger wird nun der Versuch unternommen, die Erfolgs-Reihe zurück in die Gefilde des Storytelling zu führen. Dank des schwachen Drehbuchs und der abgeschmackten Inszenierung des Editors Kevin Greutert ist das allerdings gehörig schief gelaufen. Ständige unbeholfene Rückblenden, auch das ein Markenzeichen der "Saw"-Filme, füttern den Zuschauer notdürftig mit Informationen über die Vorgeschichte der Ereignisse.
Von Christian Horn.

Schimpansen
Es war einmal im Südwesten der afrikanischen Republik Elfenbeinküste. Unter der Führung des Alphamännchens Freddy lebte dort eine Gruppe Schimpansen, die sich gegen die regelmäßigen Angriffe der zwielichtigen Artgenossen rund um Scar behaupten musste. In diese gefährliche Umgebung wurde der kleine Oscar geboren, der stets auf die Hilfe seiner Mutter zählen konnte und durch das kluge Imitieren der anderen Affen täglich etwas Neues über das Schimpansen-Dasein lernte. Doch als Oscars Mutter eines Tages spurlos im Dschungel verschwand, musste der Junge um sein Überleben bangen, bis Freddy ihn adoptierte.
Über mehrere Monate hinweg filmten die Macher der Disney-Doku "Schimpansen" die Primatengruppe, in der Oscar aufwächst, und zimmerten auf der Basis der wahren Ereignisse das eingangs skizzierte Märchen. Es ist egal, ob es sich um einen dokumentarischen oder fiktiven Stoff handelt: Sobald eine Filmkamera im Spiel ist, entsteht eine konstruierte Realität.
Von Christian Horn.

Shootout - Keine Gnade
Walter Hill (Jahrgang 1942) zählt zu den einflussreichsten Protagonisten des US-Actionkinos der Achtzigerjahre. Mit Filmen wie dem schießwütigen Western "Long Riders", dem Buddy-Movie "Nur 48 Stunden" oder "Red Heat" mit Arnold Schwarzenegger prägte Hill die Hochphase der amerikanischen Actionfilme entschieden mit - hinzu kommt, dass er sich als Drehbuchautor die Kino-Ikone Ellen Ripley ("Alien") ausgedacht hat. Zuletzt war Hill als Kinoregisseur indes nicht mehr relevant, sondern wirkte bei den viel gelobten TV-Westernserien "Deadwood" und "Broken Trail" mit.
Dass sich Walter Hill nun mit Sylvester Stallone (Jahrgang 1946) zusammen getan hat, um mit "Shootout - Keine Gnade" einen gradlinigen Actionthriller umzusetzen, klingt erstmal nach einer guten Nachricht. Denn den derzeit angesagten Retrostil des Achtzigerjahre-Actionkinos, den Stallone zuletzt mit den "Expendables" auf die Leinwand brachte, beherrscht Hill quasi von der Pike auf. Und tatsächlich blitzt in dem ersten gemeinsamen Werk der beiden Haudegen immer wieder der markige Charme klassischer Actionfilme auf. Insgesamt verpufft "Shootout" jedoch, was insbesondere am schwachen Drehbuch liegt.
Von Christian Horn.

Silver Linings
Für "The Fighter" (USA 2010) wurde David O. Russell von Kritik wie Publikum gefeiert. Bei seinem neuen Film "Silver Linings" wagt der Hollywood-Auteur etwas anderes und legt eine überaus charmante Liebeskomödie mit zwei herausragenden Hauptdarstellern vor. Allein schon, weil der Film eine Komödie und damit "leichte" Unterhaltung ist, waren acht Oscar-Nominierungen überraschend. "The Fighter" kam auf sieben. "Silver Linings" ist ein rundum gelungenes Kinoerlebnis und - ähnlich wie Paul Thomas Andersons "Punch-Drunk Love" (USA 2002) - ein kleines Meisterwerk.
"Silver Linings" bedeutet auf deutsch "Silberstreifen" und einen ebensolchen sucht Pat (Bradley Cooper) am Horizont. Nach acht Monaten darf er die psychiatrische Anstalt verlassen, wo er gelandet ist, weil er den Lover seiner Frau Nikki (Brea Bee) brutal verprügelt hat.
Von Christian Horn.

Sinister - Wenn Du ihn siehst, bist Du schon verloren
Im Horrorgenre verheißt der Umzug in ein neues Haus selten Gutes, denn wie in "Amityville Horror" oder "Insidious" machen die neuen Hausbewohner meist Bekanntschaft mit Geistern, Dämonen oder sonstigem Spuk. Nicht anders ergeht es dem Schriftsteller Ellison Oswalt (Ethan Hawke), der mit seiner Familie ein kleines Häuschen in Pennsylvania bezieht, um Stoff für seinen neuen Kriminalroman zu finden: Im Garten wurde nämlich vor einiger Zeit eine komplette Familie erhängt. Auf dem Dachboden entdeckt Ellison einen Karton mit alten Super-8-Bändern, die grausige Aufnahmen verschiedener Ritualmorde zeigen – darunter auch die Ermordung der Vorbewohner...
Mit seinen nächtlichen Gruselszenen und der schauerlichen Tonspur inszeniert Scott Derrickson einen herrlich altmodischen Horrorfilm. Während die körnigen, sehr beklemmenden Super-8-Videos als Reminiszenz an den aktuellen Found-Footage-Trend in der Folge von "Paranormal Activity" daherkommen, setzt Derrickson bei der Umsetzung des Dämonenspuks auf altbewährte Stilmittel des Genres. Durchweg spannend steigert sich das Grauen, wobei die Soundgestaltung entschieden zur düsteren Atmosphäre beiträgt.
Von Christian Horn.

Stadt Land Fluss
"Stadt Land Fluss" ist ein kleiner deutscher Film, der vornehmlich mit Bildern erzählt und seinen größten Reiz aus der gelungenen Verknüpfung dokumentarischer und fiktionaler Aufnahmen bezieht. Langfilmdebütant Benjamin Cantu lässt seine beiden Protagonisten auf einem Landwirtschaftsbetrieb im brandenburgischen Jänickendorf aufeinander treffen: Der orientierungslose Jacob (Kai-Michael Müller) tritt dort nach einer abgebrochenen Ausbildung zum Bankangestellten ein Praktikum an, während der in sich zurückgezogene Marko (Lukas Steltner) eine Lehre zum Landwirt bestreitet.
Anfänglich merkt man es kaum, doch zwischen Jacob und Marko entwickelt sich eine zaghafte, auf wackligen Beinen stehende Romanze. Beide sind mit ihrer sexuellen Orientierung noch nicht im Reinen - ob die Jugendlichen ihre Homosexualität gerade erst erkennen oder sich schon länger darüber bewusst sind, bleibt zwar unklar; dass beide jedoch das eigene Eingeständnis und die Reaktionen Außenstehender fürchten, markiert die dramaturgische Triebfeder der Liebesgeschichte.
Von Christian Horn.

Stationspiraten
Während "Das Leben gehört uns", "Halt auf freier Strecke" oder "50/50" die Krankheit Krebs im Kino zuletzt für ein erwachsenes Publikum thematisierten, verpackt der Schweizer Mike Schaerer die heikle Thematik in ein Coming-of-Age-Drama für Jugendliche. In seinem ambitionierten Erstlingswerk "Stationspiraten" werden die vier Teenager Benji (Vincent Furrer), Kevin (Scherwin Amini), Michi (Max Hubacher) und Sascha (Nicolas Hugentobler) auf einer Krebsstation zu Freunden.
Abgesehen vom Oberarzt Dr. Reichlin (Stefan Kurt), einer fürsorglichen Krankenschwester und Kurzauftritten der Eltern spielen Erwachsene keine große Rolle. Dennoch schont Mike Schaerer das angepeilte junge Publikum nicht mit der Darstellung der schweren Krankheit: Die kahl geschorenen Jungs übergeben sich oder spucken Blut, müssen mit Beinprothesen neu laufen lernen und verzweifeln an der Aussicht auf einen tödlichen Verlauf der Krankheit. In solch existenziellen Momenten kommt es oft zu Streit - und Selbstmordgedanken.
Von Christian Horn.

Storm Surfers 3D
Sie sind zwei Legenden des Surfsports: Ross Clark-Jones und der zweimalige Surfweltmeister Tom Carroll sind seit den Achtzigerjahren immer auf der Suche nach einer noch größeren Welle und einem noch gewagteren Stunt. Mit "Storm Surfers: Dangerous Banks" (2008) und "Storm Surfers: New Zealand" (2009) gab es schon zwei Dokus über die wagemutigen Australier, doch mit dem gelungenen 3D-Effekt der neuen Doku über die Extremsportler gewinnen die obligatorischen Surfszenen eine ganz neue Qualität.
Die Regisseure Justin McMillan und Christopher Nelius begleiten ihre Protagonisten bei insgesamt acht Surftrips, wobei ein Ausflug zur Sandbank Turtle Dove im Indischen Ozean den Höhepunkt markiert, weil der Wellengang dort besonders heftig ist. Die hoch auflösenden 3D-Go-Pro-Kameras, die die Kameratechniker teilweise direkt an den Surfbrettern befestigt haben, liefern technisch ausgefeilte und packende Bilder.
Von Christian Horn.

Sushi - The Global Catch
Seit einigen Jahrzehnten erobert Sushi die westliche Welt. Während das japanische Nationalgericht noch bis vor wenigen Jahren den Ruf einer exquisiten Speise für Gourmets hatte, ist die meist zu einer Rolle geformte Kombination aus Reis und Fisch längst zum Allgemeingut avanciert - und dementsprechend allerorten und in verschiedenen Variationen verfügbar, in New York seit Neuestem sogar als Sushi am Stiel. In seinem Dokumentarfilm "Sushi - The Global Catch" beleuchtet der Filmemacher Mark Hall die Auswirkungen des Sushi-Booms auf das ökologische Gleichgewicht der Weltmeere, wobei insbesondere der Thunfisch in den Fokus rückt: Die Nachfrage nach dem am häufigsten verwendeten Fisch für die Füllung der Reisröllchen ist in den letzten Jahren exponentiell angestiegen.
In nüchterner Manier, ganz klassisch mit Fakten und Interviews untermauert, bereitet die Doku die verschiedenen Problemfelder der hohen Thunfisch-Nachfrage auf und sucht mit Experten nach Lösungsmöglichkeiten.
Von Christian Horn.

The Thing (2011)
In der Antarktis stößt eine norwegische Expedition auf ein Raumschiff, das tief im ewigen Eis verborgen liegt. Unweit der Fundstelle entdecken die Wissenschaftler den eingefrorenen Körper eines Außerirdischen, den sie für weitere Untersuchungen in ihre Station transportieren. Als das Wesen dort jedoch auftaut, beginnt ein wahres Horrorszenario: Das Alien kann jegliche organische Formen imitieren und breitet sich wie ein Virus unter den Forschern aus. Rein äußerlich sind die Infizierten nicht von den Gesunden zu unterscheiden; erst wenn das Wesen in Gefahr gerät, geben die Körper in klaffenden Wunden ihr Inneres preis.
Mit seinen bizarren Body-Horror-Effekten, der treibenden Erzählweise und der nach wie vor interessanten Ausgangslage ist "The Thing" ein durchaus spannender Horrorfilm geworden.
Von Christian Horn.

Thor
Der nordische Donnergott Thor (Chris Hemsworth), Thronfolger des weit entfernten Königreichs Asgard, ist äußerst ungestüm - leichtsinnig provoziert er einen Krieg mit den Erzrivalen. Sein Vater Odin (Anthony Hopkins) verbannt ihn daher ohne Götterkräfte auf die Erde. Dort verliebt sich Thor in die schöne Forscherin Jane (Natalie Portman) und reift zum weisen König, während sein Bruder Loki (Tom Hiddleston) nach mehr Macht in Asgard trachtet.
Der Big-Budget-Ausflug (150 Millionen Dollar) des Regisseurs Kenneth Branagh basiert zudem auf einer Comicserie von Marvel-Mastermind Stan Lee - der Reibung der populären Kunstformen sollte also nichts mehr im Wege stehen, zumal die Besetzung ziemlich knackig ist. Mit "Thor" liefert Branagh einen recht unterhaltsamen Film, der vornehmlich über das Visuelle funktioniert und interessante Querbezüge zur Popkultur anbietet. Dennoch wäre es spannender, selbst Thor zu sein, als lediglich draufzugucken, wie der Film-Thor aus eigener Kraft den Hammer schwingt.
Von Christian Horn.

Thor - Ein hammermäßiges Abenteuer
Während sein Vater Odin als strenger Gott in Walhalla residiert, lebt der kleine Thor mit seiner Menschenmutter in einem nordischen Dörfchen. Thor ist zwar ein Halbgott, stellt sich bei der Arbeit in der hauseigenen Schmiede aber trotzdem tollpatschig an und gerät bei der Gegenwart des Mädchens Edda ins Straucheln. Sein Leben ändert sich schlagartig, als ein sprechender Hammer durch das Dach seiner Schmiede kracht. Als Hel, die Göttin der Unterwelt, bis auf Thor alle Dorfbewohner/innen entführt, erkennt der Jüngling die magischen Wunderkräfte des kecken Hammers und bricht voller Tatendrang auf, um seine Leute zu retten.
Im weiteren Verlauf steigt der junge Thor, der mit seinem geistigen Verwandten aus den Marvel-Adaptionen "Thor" (Kenneth Branagh, USA 2011) und "The Avengers" (Joss Whedon, USA 2012) nicht viel gemein hat, zum Helden auf. Es ist eine ganz und gar klassische Heldenreise, die Thor absolviert, und leider fällt den insgesamt vier Drehbuchautoren kaum etwas ein, um dieses archetypische Grundgerüst mit interessanten Ideen zu bereichern.
Von Christian Horn.

Totem (2011)
Im Bochumer Reihenhaus der Familie Bauer liegt einiges im Argen: Der Vater säuft, die Mutter ist depressiv und gestresst, die jugendliche Tochter kapselt sich mit ihrem deutlich älteren Freund ab und der kleine Sohn geht in der allgemeinen Misere unter. Die Familienmitglieder leben nicht nur aneinander vorbei, sondern ohne jeglichen Antrieb vor sich hin - es ist der Gipfel der Sinn- und Trostlosigkeit, den "Totem" von Anfang an zeichnet. Dass die Bauers mit Fiona (Marina Frenk) eine Haushaltshilfe einstellen, bringt zwar etwas Bewegung in den monotonen Familienalltag, doch eine Besserung der traurigen Situation tritt keineswegs ein. Im Gegenteil lädt sich die Atmosphäre im Haus zunehmend mit latenten Aggressionen auf, wobei vor allem Fiona viel abbekommt - die Wutattacken der Mutter auf der einen, die sexuellen Avancen des Vaters auf der anderen Seite.
Von Christian Horn.

Ummah - Unter Freunden
Weil bei einem vermasselten Undercover-Einsatz zwei Menschen ums Leben kommen, muss der junge Verfassungsschutz-Ermittler Daniel (Frederick Lau) vorübergehend untertauchen. Sein Vorgesetzter Hartmann (Robert Schupp) vermittelt ihm eine heruntergekommene Absteige in Berlin-Neukölln, wo der von seinen Einsätzen sichtlich mitgenommene Mann sein Leben neu sortieren will. Im Handy- und Gebrauchtwarenladen von Abbas (Kida Khodr Ramadan) kauft Daniel einen Fernseher, der in seiner Wohnung jedoch nicht funktioniert. So kommt es, dass Abbas und sein Kumpel Jamal (Burak Yigit) ihn in seiner Wohnung besuchen, um das Gerät zu installieren. Zunächst aus Mitleid, bald aber aus echter Freundschaft, nehmen die beiden Türken den desorientierten Daniel unter ihre Fittiche. Langsam findet Daniel wieder in die Spur, doch dann steht sein Chef Hartmann vor der Tür und will seinen Ex-Mitarbeiter zurück zum Verfassungsschutz holen.
Von Christian Horn.

Die Vampirschwestern
Neben den Zombies reüssieren derzeit auch die Vampire im Kino, wobei letztere insbesondere vom weltweiten Erfolg der "Twilight"-Romane und -Filme profitieren. Mit "Die Vampirschwestern" kommt nun ein deutscher Film ins Kino, der den Vampirmythos für eine jüngere Generation aufbereitet und ganz normale Sorgen von Jugendlichen im Rahmen einer phantastischen Prämisse erzählt.
Dakaria und Silvania (Laura Antonia Roge & Marta Martin) sind mit ihren Eltern von Transsylvanien in ein deutsches Dorf gezogen und müssen sich an die neue Umgebung sowie neue Schulkameraden/innen gewöhnen. Dass sich das Zurechtfinden bei den 12-jährigen Schwestern schwierig gestaltet, hat einen guten Grund: Der Vater Mihai (Stipe Erceg) ist ein Vampir, die Mutter Elvira (Christiane Paul) ein Mensch. Dakaria und Silvania sind also Halbvampire, was einige praktische Vorteile wie Flugfähigkeiten und Telekinese-Begabung mit sich bringt - im Gegenzug vertragen die Mädchen Knoblauch und können ans Sonnenlicht.
Von Christian Horn.

Wir kaufen einen Zoo
Weil der Journalist Benjamin Mee (Matt Damon) nicht über den Tod seiner Frau hinwegkommt, zieht er mit seinen Kindern Dylan und Rosie (Colin Ford & Maggie Elizabeth Jones) in ein Bauernhaus auf dem Land. Zum Anwesen gehört auch ein maroder Zoo mit rund 200 Tieren, dessen Renovierung an den Kauf der Immobilie gekoppelt ist. Sein Bruder Duncan (Thomas Haden Church) rät Benjamin wegen des finanziellen Risikos von der Sanierung des Tierparks ab, doch gemeinsam mit der tatkräftigen Chefpflegerin Kelly Foster (Scarlett Johansson) wagt Benjamin das Abenteuer und macht sich an den waghalsigen Wiederaufbau des Zoos.
Die Geschichte von "Wir kaufen einen Zoo" basiert auf der Autobiografie des Journalisten und Zoobesitzers Benjamin Mee, die von der Drehbuchautorin Aline Brosh McKenna ("Der Teufel trägt Prada") in einen kleinen, harmlosen Familienfilm verpackt wurde.
Von Christian Horn.

Yoko
Am Anfang verschifft der herzlose Wilderer Van Sneider (Tobias Moretti) einen kleinen Yeti von Tibet nach Deutschland, ohne das zusätzliche Frachtgut zu bemerken, denn das Fabeltier kann sich bei Bedarf unsichtbar machen. Sprechen kann der eisbärige Geselle zwar nicht (er sagt nur ab und zu "jo jo"), ist aber ganz schön weise und flieht aus Sneiders illegalem Gehege. Der Zufall führt den Flüchtigen in das Baumhaus der kleinen Pia (Jamie Bick), die ihn ohne Umschweife adoptiert und auf den Namen Yoko tauft. In Gefahr geraten beide, weil der böse Jäger den Yeti sucht, um in an den zwielichtigen Zoodirektor Kellerman zu verhökern, der die zoologische Sensation zu gern in seiner Sammlung hätte.
Regisseurin Franziska Buch ("Hier kommt Lola!") erzählt ihre Adaption der Kinderbuch-Reihe von Knister ("Hexe Lilli") nach Schema F und ohne Überraschungen.
Von Christian Horn.


Special: 67. Berlinale 2017 (09.-19.02.2017)


Einen schönen Tag nochEinen schönen Tag noch
"Ach", sagte die Maus, "die Welt wird enger mit jedem Tag. Zuerst war sie so breit, daß ich Angst hatte, ich lief weiter und war glücklich, daß ich endlich rechts und links in der Ferne Mauern sah, aber diese langen Mauern eilen so schnell aufeinander zu, daß ich schon im letzten Zimmer bin, und dort im Winkel steht die Falle, in die ich laufe." - "Du mußt nur die Laufrichtung ändern", sagte die Katze und fraß sie.
Regisseur Liu Jian eröffnet seinen Wettbewerbsbeitrag "Einen schönen Tag noch" zwar mit einem Tolstoi-Zitat, doch da könnte ebenso gut Kafkas Kleine Fabel stehen. Sinn- und Ausweglosigkeit bestimmen den chinesischen Trickfilm von den ersten Bildern an, wenn der studierte Landschaftsmaler Jian die zubetonierte Tristesse einer Stadt in Südchina zeigt.
Von Christian Horn.
Foto: Berlinale


Drôles d'oiseauxDrôles d'oiseaux
Es gibt wenig, bei dem man so angenehm alleine sein kann wie beim Spazierengehen durch eine Großstadt. Mavie, eine junge Frau, die aus Tours nach Paris gekommen ist, streift tagsüber meist durch die Straßen, lässt sich treiben, nimmt nur hin und wieder in einem ruhigen Café Platz, um zu schreiben. Dann lernt sie Georges kennen, einen siebzigjährigen, zurückgezogenen Exzentriker. Zwischen den beiden Einzelgängern entsteht eine fragile Nähe. Elise Girard erzählt mit eskapistischer Melancholie davon, wie es ist, die Liebe nur zu träumen - und feiert als Realität das, was wir zu einer solchen erklären.
Mavie (Lolita Chammah) ist in dem Leben, das ihre extrovertierte Freundin samt Geliebtem führt, nur ein Zaungast, der die Nächte auf deren Couch verbringt - von den wilden Sexgeräuschen des Pärchens um den Schlaf gebracht.
Von Jasmin Drescher.
Ein Film der Sektion Forum der 67. Berlinale 2017
Foto: Berlinale


 



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Zitat

"Du bist kein Star, solange sie Deinen Namen in Wladiwostok nicht richtig schreiben können."

("You're not a star till they can spell your name in Vladivostok.")

Schauspieler Roger Moore (14.10.1927 - 23.05.2017)

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