Neue Rezensionen


Honig im Kopf
"Charmantes Familienkino mit viel Gefühl, einer bezaubernden Hauptdarstellerin und vielen berührenden Momenten" (Deutsche Film- und Medienbewertung) oder "Kruder Feelgood-Quark mit Alzheimer-Garnitur" (kino-zeit)? Die Meinungen zu dem Film "Honig im Kopf" gehen auseinander, die positiven Kritiken sind aber deutlich in der Mehrzahl. Regisseur und Schauspieler Til Schweiger - von der deutschen Filmkritik weitgehend ignoriert - bleibt auf Erfolgskurs; sein Alzheimer-Film, im Dezember 2014 veröffentlicht, knackte bereits im Januar 2015 die 4-Millionen-Zuschauer-Marke und war damit fast so gut besucht wie vor Jahren "Der Schuh des Manitu".
Schweiger nimmt sich hier eines schwierigen Themas an. Alzheimer-Demenz verursacht beim Publikum sicher zunächst Angst und scheint sich gar nicht als Sujet eines heiteren Films anzubieten, hier wird sie aber zum Hauptinhalt einer Tragikomödie, die zeigt, dass auch ein Leben mit dieser Krankheit lebenswert sein kann.
Von Manfred Lauffs.


Aktuelle Filme


Am grünen Rand der WeltAm grünen Rand der Welt
Als Thomas Vinterberg vor zwanzig Jahren "Das Fest" und damit den ersten dogma95-Film präsentierte, ahnte er wohl nicht, dass er mal klassische englische Literatur des 19. Jahrhunderts nach ganz herkömmlichen Standards verfilmen würde. "Far from the Madding Crowd" ist der Titel des verfilmten Romans von Thomas Hardy von 1874 und auch der Originaltitel des Streifens. Leider ist von der erhofften gnadenlosen Direktheit des dogma-Regisseurs bei der Bearbeitung des ebenfalls unbarmherzigen Stoffes von Hardy nichts zu spüren – die Kanten sind geglättet, der Film wirkt seicht. Die zweifellos atemberaubenden Naturaufnahmen und der Versuch, eine unabhängige und selbständig denkende Frau in den Mittelpunkt zu stellen, sprechen für den Film. Das versteckte Potenzial des Regisseurs und des Stoffes bleiben leider dennoch in der Versenkung.
Von Hilde Ottschofski.
Foto: Twentieth Century Fox


The Vatican TapesThe Vatican Tapes
Seit dem Erfolg von Daniel Stamms "Der letzte Exorzismus" ist Hollywood einmal mehr besessen von bösen Geistern. Allein mit dem kunstgerechten Austreiben der Quälgeister hapert es heutzutage ein wenig - die Zeiten, als Max von Sydow in der Rolle des Pater Merrin den Teufel Mores gelehrt hat, sind lange vorüber, der gesellschaftliche Konsens der Gegenwart entspricht nicht dem der frühen Siebziger, und den Herren Exorzisten mag man momentan einfach nicht trauen.
Überraschungsparty! Beim Anschneiden ihres Geburtstagskuchens verletzt sich Angela am Finger, die Wunde muss genäht werden, und die junge Frau beginnt, sich höchst ungewöhnlich zu verhalten ... Bald bricht in ihrem Umfeld die Hölle los.
Von Marcus Gebelein.
deutscher Kinostart: 30. Juli 2015
Foto: Universum Film


How to Change the WorldHow to Change the World
Was der Titel ankündigt, scheint für einen Einzelnen schier unmöglich. Aber das ist es nicht. Man kann die Welt verändern. Jerry Rothwells beeindruckende Dokumentation über die Gründer von Greenpeace, die heute die größte Umweltschutzorganisation der Welt sind, ist ein filmisches Handbuch dafür.
Regel Nummer 1 darin lautet: "Plant a mind bomb." Zünde eine Idee in den Köpfen der Menschen. Bob Hunter und seinen Mitstreitern Paul Watson, Bill Darnell, Bobbi Hunter, Patrick Moore und Rex Weyler gelang genau das im Jahr 1971. Anlass war eine andere Bombe. Sie sollte nach dem Willen Richard Nixons auf der Insel Amchitka vor Alaska hochgehen. Dort hatte die United States Atomic Energy Commission bereits 1965 und 1969 Kernwaffen getestet. Nun sollte der bis dato größte unterirdische Atomwaffentest folgen.
Von Lida Bach.
deutscher Kinostart: 10. September 2015
Foto: How to Change the World Ltd.


Liebe auf den ersten SchlagLiebe auf den ersten Schlag
Nach dem Tod seines Vaters arbeitet Arnaud (Kévin Azaïs) mit seinem Bruder im Familienbetrieb, einer Schreinerei, die sie zusammen fortführen sollen. Am Strand lernt er die hübsche, aber sehr abweisende Madeleine (Adèle Haenel) kennen und trifft sie bald wieder, als er für ihre Eltern ein Poolhaus bauen soll. Seine Gefühle für Madeleine erwachen und werden stärker, sie aber reagiert darauf überhaupt nicht. Sie glaubt nämlich, dass das Ende der Welt kurz bevorsteht, und möchte die Zeit nutzen, um das zu erlernen, was man zum Überleben auf einer zerstörten Erde braucht.
Die ungewöhnliche Liebesgeschichte lebt von dem zunächst unüberbrückbar erscheinenden Gegensatz zwischen den beiden Protagonisten. Vom traditionellen Rollenbild bleibt nichts übrig, was den Film außergewöhnlich macht und das Interesse des Zuschauers wachhält.
Von Manfred Lauffs.
Foto: Tiberius Film


Der Papst ist kein JeansboyDer Papst ist kein Jeansboy
Der Berliner Filmemacher und Schriftsteller Sobo Swobodnik hat mit "Der Papst ist kein Jeansboy" einen Dokumentarfilm über das Schicksal eines TV-Stars gedreht. Hermes Phettberg ist ein Wiener Original und einstige Kultfigur der 1990er Jahre. Phettbergs Talkshow war auch in Deutschland auf 3Sat zu sehen. Hermes Phettberg geht es heute schlecht. Er macht nur noch Trippelschritte, leidet an den Folgen gleich mehrerer Schlaganfälle, eines Herzinfarkts und einer Gehirnblutung und pinkelt wegen einer Blasenschwäche schon mal zwischen parkenden Autos auf die Straße. Der kranke Phettberg ist Sozialhilfeempfänger. Dessen mühsamen Alltag hielt Swobodnik 2011 akribisch mit der Kamera fest.
Swobodnik wirft keinen Blick zurück auf alte Zeiten. Er zeigt die unschöne Gegenwart von 2011, den Verfall eines Menschen. Der Zuschauer, der Phettberg nicht kennt, ist in diesem Film nicht gut aufgehoben.
Von Michael Dlugosch.
Foto: W-film Distribution


Seht mich verschwindenSeht mich verschwinden
In den letzten vier Jahren ihres Lebens brachte es die französische Schauspielerin Isabelle Caro zur internationalen Berühmtheit. In allerdings fragwürdiger Weise in einer neuen Rolle als ein besonderes Fotomodel: Mit Bildern des ungewöhnlichen Aussehens der magersüchtigen Caro (32 Kilogramm Gewicht bei 1,65 Metern Körpergröße) initiierte der Benetton-Fotograf Oliviero Toscani 2007 eine Kampagne gegen den Schlankheitswahn. Die Bilder wurden in einigen Ländern verboten, da sie das Gegenteil von Toscanis Motiv bewirken könnten, dass Caro von Models zum Vorbild erkoren wird. Caro bekam danach weitere Modelaufträge. Ihre Krankheit begründete sie nicht etwa mit ihrer Tätigkeit als Model, sondern mit einer schweren Kindheit. Die Fotos der dürren jungen Frau kursieren noch heute, vor allem im Internet. Über die mittlerweile verstorbene Caro drehte die US-Amerikanerin Kiki Allgeier ihren ersten langen Dokumentarfilm, ein einfühlsames Porträt einer Frau, deren Krankheit aber eine tiefere und vielseitigere Darstellung nötig gehabt hätte.
Von Michael Dlugosch.
Foto: Kiki Allgeier


FreistattFreistatt
1968. Kurt Georg Kiesinger ist noch Bundeskanzler, wie man im Film Wahlplakaten für Willy Brandt entnehmen kann. Es ist die Zeit der Studentenunruhen. Die Jugend protestiert gegen die NS-Vergangenheit der Eltern. In "Freistatt", dem Spielfilmdebüt von Regisseur Marc Brummund, merkt der Zuschauer davon nichts. Das Politische bleibt hier im Hintergrund und bestimmt doch die Geschichte, die "Freistatt" erzählt. Der 14-jährige Wolfgang (Louis Hofmann) lebt bei der Mutter und dem Stiefvater, mit dem er sich ständig anlegt. Bis dem Mann, den der Zuschauer als herrschsüchtig erlebt, die Renitenz des Heranwachsenden zu viel wird: Wolfgang muss in ein Heim, die Diakonie Freistatt. In dem mitten im Moor bei Diepholz fernab der Zivilisation gelegenen kirchlichen Erziehungscamp macht Wolfgang die Hölle durch. Das Jugenddrama basiert auf wahren Ereignissen.
Von Michael Dlugosch.
Foto: Salzgeber & Co. Medien GmbH


Victoria (2015)Victoria (2015)
Victoria (Laia Costa) ist eine schlecht bezahlte Cafékellnerin. Am Ende einer durchtanzten Clubnacht lernt sie die vier Aufsässigen Sonne (Frederick Lau), Boxer (Franz Rogowski), Blinker (Burak Yigit) und Fuß (Max Mauff) kennen. Sie befreunden sich, Victoria flirtet mit Sonne, sie können nicht voneinander loslassen, und begeben sich zusammen in den Strudel einer krummen Sache. Nicht lange nachdenkend, als die Grenze zwischen Gut und Böse überschritten wird. Aber immer zueinander haltend, auch wenn das emotionale Band eher wie ein stark überdehntes Gummi wirkt, das jeden Moment platzen könnte.
Es gibt keine Schnitte, die Handlung ist aus einem Guss, die Kamera klebt sich wie eine Klette an die Darsteller ran und lässt sie unbarmherzigerweise nie los. Der Zuschauer - die Klette selbst - ist auf Gedeih und Verderb mit dabei, er wird eingetaucht in das Geschehen, ist Mitbeobachter und hier auch so gut wie Mittäter.
Von Hilde Ottschofski.
Foto: Senator


High PerformanceHigh Performance
Zwei ungleiche Brüder stehen im Mittelpunkt der Geschichte: der eine ein schauspielernder Tunichtgut, der andere ein aalglatter Karrierist. Dazwischen eine Frau, an der die Brüder aus verschiedenen Motiven interessiert sind. Im Hintergrund spielt Wirtschaftsspionage eine Rolle. Die Mischung hört sich zunächst gut an. Die österreichische Regisseurin Johanna Moder, die auch das Drehbuch für ihr Langfilmdebüt verfasste, wollte zweifellos eine charmante, lässige Komödie drehen. Doch "High Performance" verliert sich in Nebensächlichkeiten. Es wird viel und immerfort geredet in dem Film, zu viel für einen Film. Die Handlung ist für den Zuschauer vorhersehbar. Am Ende des Films herrscht Friede, Freude, Eierkuchen - zu plötzlich nach den vorausgegangenen unerhörten Vorfällen. Immerhin gelingt es Johanna Moder, ihre Protagonisten genau zu charakterisieren. Moder greift dazu zwar auf Klischees zurück, doch zeigt sie ihre beiden brüderlichen Hauptfiguren in einem überzeugenden Kontrast.
Von Michael Dlugosch.
Foto: W-film / Freibeuter Film


A Girl Walks Home Alone at NightA Girl Walks Home Alone at Night
Noir-Vampire-Western klingt nicht unbedingt nach einem künstlerisch herausragenden Film. Doch nichts anderes ist Ana Lily Amirpours atmosphärische Horrorfabel. Das Spielfilmdebüt der iranischen Filmemacherin ist ein Meisterwerk der Stimmung und Suggestion. In elegischen Schwarz-Weiß-Bildern entfaltet sich ein düsteres Märchen von Verlorenheit, Verfall und der Sehnsucht nach menschlicher Wärme.
Zuneigung scheint abwesend in dem trostlosen Handlungsort, der dem kümmerlichen Abklatsch einer US-amerikanischen Arbeiterstadt nach der Wirtschaftskrise gleicht. "Teherangeles" nannte die Regisseurin und Drehbuchautorin diesen Ort in einem Gespräch, "Bad City" nennen ihn die Charaktere. Es sind modernisierte Archetypen, die durch das Nichts driften: der junge Arash, sein heroinabhängiger Vater Hossein, der sadistische Dealer Saeed, dem Hossein Geld schuldet, die verlebte Prostituierte Atti, und ein Straßenjunge. Und da ist die Titelfigur. Auf einem Skateboard gleitet die junge Frau durch die Nacht als würde sie fliegen, ihre dunkle Kopfbedeckung weht um ihre Schultern wie ein Cape.
Von Lida Bach.
Foto: Capelight


Nur eine Stunde Ruhe!Nur eine Stunde Ruhe!
Michels Tag beginnt gut, er findet eine ihm in der Jugend liebgewordene Schallplatte auf dem Flohmarkt und begibt sich gutgelaunt heimwärts, voller Vorfreude auf den Hörgenuss auf seiner hochwertigen Stereo-Anlage. Aber er wird unaufhörlich abgelenkt - die Mutter ruft auf dem Handy an, ein Patient will sich gleich auf der Straße behandeln lassen, zuhause will die Ehefrau ein ernstes Gespräch führen, der problembehaftete Sohn kommt vorbei, es sind lärmende Bauarbeiter im Hause - der Andrang nimmt zu und steigert sich ins Unerträgliche. Aber Schritt für Schritt erfährt man durch Michels Reaktionen, wer er eigentlich ist.
Von Hilde Ottschofski.
Foto: DCM


Grigris' GlückGrigris' Glück
Eigentlich ist er nett, der vom Schicksal durch seine Gehbehinderung gezeichnete Grigris. Obwohl er stark humpelt, tanzt er leidenschaftlich und ist als eine Art Vortänzer Publikumsliebling bei Clubabenden. Sein Oberkörper ist muskulös und gleicht etwas das Defizit des Beines aus. Grigris ist kein Macho und Übeltäter, er will anderen helfen. Leider verfällt er aber der bösen Verführung und kommt aus dieser Schlinge um seinen Hals nicht mehr heil heraus. Diese Grundlage hätte den Stoff zu einer größeren Botschaft geboten, die der Film aber nicht herüberbringt.
Die subjektiv gedrehten Bilder, die in langen - oft eintönigen - Einstellungen die Bewegungen der Darsteller verfolgen, bieten dem Zuschauer fast nebenbei Einblicke in den Alltag von N'Djamena, der Hauptstadt der afrikanischen Republik Tschad.
Von Hilde Ottschofski.
Foto: temperclay Filmverleih



Neue Rezensionen (Fortsetzung)


The Land of Hope
Die fiktive japanische Präfektur Nagashima präsentiert sich als ländliche Gegend: Die erste Kameraeinstellung zeigt grüne Wiesen, klar gegliederte Ackerparzellen und Wohnhäuser unter riesenhaften Stromtrassen. Im Kernkraftwerk der Präfektur, wo der Atomstrom erzeugt wird, kommt es bedingt durch ein Seebeben zur Havarie. "The Land of Hope" thematisiert das Fukushima-Desaster, auf das die Figuren im Film mehrfach ausdrücklich Bezug nehmen, verweist aber zugleich auf vorherige nukleare Katastrophen. So dürfte der Name der Präfektur Nagashima auch für ein westliches Publikum leicht als Anspielung auf Nagasaki und Hiroshima zu erkennen sein.
Von Marcus Gebelein.

Die Karte meiner Träume
Die außergewöhnliche Familie Spivet lebt auf einer abgelegenen Ranch in Montana: Vater Tecumseh Elijah (Callum Keith Rennie) ist Farmer und begeisterter Cowboy. Mutter Clair (Helena Bonham Carter) ist Wissenschaftlerin mit Doktortitel, die sich mehr für ihre Käfersammlung als für die Landwirtschaft interessiert. Layton und T.S. sind Zwillinge, zwölf Jahre alt. Layton kommt auf den Vater raus, ist schon ein kleiner Cowboy. Er hat die "Muckis", sein Bruder dagegen hat den "Grips": T. S. Spivet (Kyle Catlett) ist ein Wunderkind, ein kleiner Einstein, der ständig naturwissenschaftliche Experimente durchführt, Modelle baut und Diagramme zeichnet. Jetzt hat er ein Perpetuum mobile erfunden und damit den prestigeträchtigen Baird-Preis des berühmten Smithsonian Instituts in Washington gewonnen. Dessen Leiterin G.H. Jibsen (Judy Davis) will den Sieger natürlich zur Preisverleihung einladen, ahnt aber nicht, dass es sich um einen kleinen Jungen handelt.
Von Manfred Lauffs.

Sehnsucht nach Paris
Rinderzüchterin Brigitte Lecanu und ihr Mann Xavier leben und arbeiten in der Normandie. Sie ist eher verträumt, er steht mit beiden Beinen fest auf dem ländlichen Boden. Einziger Höhepunkt in ihrem Leben ist die jährliche landwirtschaftliche Leistungsschau, wo der Zuchtbulle Ben Hur Preise abräumt. Ein rotes Ekzem an Brigittes Brust will nicht verschwinden, der Zuschauer ahnt: weil es seelisch bedingt ist. Denn bis auf einen Gute-Nacht-Kuss spielt sich in sexueller Hinsicht nichts mehr zwischen den beiden ab. Als im Nachbarhaus eine Party stattfindet, macht Brigitte die Bekanntschaft eines jungen Parisers, der ihr Komplimente macht. Und so fährt sie nach Paris...
Der Film hat den Charme und die Leichtigkeit einer "typisch" französischen Komödie. Und er ist originell und weitgehend frei von Klischees. Isabelle Huppert erweist sich wieder einmal als außerordentlich wandlungsfähige Schauspielerin, die Landwirtin nimmt man ihr ohne Weiteres ab.
Von Manfred Lauffs.

Birdman oder (Die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit)
Wenn Ignoranz zur unerwarteten Tugend erklärt wird - im deutschen Titel wurde das englische "Virtue" wenig passend mit "Macht" übersetzt - und damit zum Lob eines schwachen Theaterstücks emporstilisiert wird, dann ist das nicht viel an inhaltlicher Erkenntnis. Gleich wie der Theaterkritikerin im Film, die den Artikel mit dieser ungewöhnlichen Ausdrucksweise schreibt, so geht es auch dem Zuschauer des Films "Birdman", da er auch weder emotional noch intellektuell bereichert ist, auch wenn es viele Kritiker so haben möchten.
Was will dieser Film uns mitteilen? Nach der Besichtigung von "Birdman" kann man diese Frage nicht beantworten. Zwar ist die Kameraführung revolutionär, die Darsteller sind sehr überzeugend und halten die Nähe der Kamera tapfer aus, die Jazzmusik hat einen starken Sog, es werden Seitenhiebe ausgeteilt an die neue mediale Oberflächlichkeit, den Umgang von Kritikern mit Theaterschaffenden, den Umgang der Hollywood-Filmindustrie mit ihren Heldendarstellern.
Von Hilde Ottschofski.

Oh BoyOh Boy
Jan Ole Gersters Regiedebüt schlug Ende 2012 in den deutschen Filmbetrieb ein wie eine Bombe: Gerster zeigte, dass auch in Deutschland kleine, interessante Filme möglich sind. Einen Tag und die folgende Nacht hindurch streift die Hauptfigur von "Oh Boy", Niko (Tom Schilling) durch Berlin und trifft die unterschiedlichsten Menschen. Daraus entwickeln sich kleine Geschichten. Schade ist, dass nicht jede der vielen Episoden funktioniert. Dennoch unterscheidet sich der Schwarz-Weiß-Film wohltuend von den sonstigen Produktionen des deutschen Films wie den Til-Schweiger- und Matthias-Schweighöfer-Geschichten. Zu recht räumte "Oh Boy" beim Deutschen Filmpreis sämtliche Auszeichnungen ab. Der Film hätte es verdient gehabt, von der Deutschen Filmakademie für den Academy Award als Bester fremdsprachiger Film vorgeschlagen zu werden.
Von Michael Dlugosch.
Foto: X-Verleih


Der Medicus
Noah Gordons Buch "Der Medicus" ("The Physician") erschien in 42 Ländern und verkaufte sich allein in Deutschland mehr als sechs Millionen Mal. Im Jahre 1999 wurde es auf der Madrider Buchmesse in die Liste der 10 beliebtesten Bücher aller Zeiten gewählt. Publiziert wurde der Roman erstmalig im Jahre 1989 - erstaunlich, dass er so lange auf seine Verfilmung warten musste, nämlich bis zum Jahre 2013! Und erstaunlich, dass der Film von einem deutschen Regisseur, nämlich Philipp Stölzl, inszeniert wurde. Das Ergebnis ist beeindruckend: Wenn die Produzenten Wolf Bauer und Nico Hoffmann beweisen wollten, dass man auch in Deutschland Historienfilme von Weltniveau drehen kann, so ist dies vollauf gelungen.
Von Manfred Lauffs.

Gojoe
Dunkle Zeiten im alten Japan. Es herrscht Krieg, und während der geschlagene Genji-Clan sich auf dem Rückzug befindet, versucht der Heike-Clan in Kyoto seine Macht zu festigen. Angst geht um, denn Nacht für Nacht werden Heike-Soldaten getötet, von einem Dämon, so heißt es, der an der Gojoe-Brücke lauert. Überaus trefflich, dass Musashibo Benkei (Daisuke Ryu), der das Schwert Dämonentöter führt, in die Gegend zurückkehrt. Nachdem in einer Nacht eine ganze Armeeeinheit ausgelöscht worden ist, schmiedet der Heike-Clan Pläne, Benkei für sich zu gewinnen und ihn zum Kampf gegen den Dämon zu bewegen.
Von Marcus Gebelein.

 



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Zitat

"Ich hoffe, mit meinen Filmen ein Haus zu bauen. Manche von ihnen sind der Keller, manche die Mauern und manche die Fenster. Aber ich hoffe, irgendwann steht da ein Haus."

Rainer Werner Fassbinder (70. Geburtstag; 31.05.1945 - 10.06.1982)

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