Aktuelle Filme


Muppets Most WantedMuppets Most Wanted
Nur knappe zwei Jahre nach dem erfolgreichen Neustart der Muppets steht schon das nächste Abenteuer der Kult-Puppen an. Deren letzter Kinofilm davor lag noch im letzten Jahrtausend. Ein Schelm, wer hier eine schwache Fortsetzung aus Profitgier wittert. Doch ganz so schlimm ist es um "Muppets Most Wanted" gar nicht bestellt, was nicht zuletzt der hohen Cameo-Dichte und der erneut vortrefflichen Selbstironie geschuldet ist.
Der böseste Frosch der Welt, Constantine, bricht aus einem sibirischen Gulag aus und nimmt durch eine List den Platz von Kermit dem Frosch bei den Muppets ein. Dieser findet sich kurz darauf in besagtem Gulag wieder, während die Muppets nach der im letzten Film neu gewonnenen Popularität nun mit dem falschen Frosch auf Europa-Tournee gehen.
Von Hendrik Neumann.
deutscher Kinostart: 1. Mai 2014
Foto: Walt Disney Studios Motion Pictures Germany GmbH


A Long Way DownA Long Way Down
"Vier Leute, die sich umbringen wollen... Die einen Pakt schließen weiterzuleben... Hoffnung finden... Es die Art positiver Geschichte, die die Presse liebt!" Nein, da liegt Pierce Brosnan falsch. Genauer: der desavouierte Frühstücksfernsehmoderator Martin Sharp, den Brosnan in "A Long Way Down" verkörpert. Oder noch genauer: Pascal Chaumeil, der die Tragikomödie inszenierte. Oder ganz genau: Drehbuchautor Jack Thorne mit seiner larmoyanten Story. Die basiert auf dem gleichnamigen Roman Nick Hornbys, dessen Bestseller "About a Boy" gerade als Comedy-Serie vermarktet wird. Zusammen mit den jüngst erschienenen Anthologien seiner alten Zeitungskolumnen wirkt das ein bisschen wie Nick-Hornby-Sale. Das Ganze hätte eine positive Seite, wäre danach Platz für frische Ideen. Die fehlen gänzlich in der pennälerhaften Abarbeitung der altbackensten Suizid-Klischees.
Von Lida Bach.
Foto: DCM


AntboyAntboy
"Es gibt viele, die es gut finden, normal zu sein", klagt der 12-jährige Pelle zu Beginn von Ask Hasselbalchs originellem Kinderabenteuer. "Ich dagegen habe die Nase voll davon." Wie gerufen kommt da die genmanipulierte Ameise, die den unscheinbaren Außenseiter beißt, als er sich vor zwei Rowdys versteckt. Mit Verstecken ist Schluss dank der außergewöhnlichen Veränderungen, die Pelle an sich entdeckt und im Kampf für das Gute nutzt: als unerschrockener "Antboy".
Anders als bei Süßigkeiten, die seine Energiespeicher mit Ameisenkraft auffüllen, machen ihn emotionale Brocken im entscheidenden Moment nicht stärker, sondern schwächer als er zuvor war. Besondere Fähigkeiten bergen stets auch besondere Verantwortung. Diese für ältere Zuschauer recht abgegriffene, aber für das mit dem Genre weniger vertraute Kinderpublikum stimmige Botschaft vermittelt die Leinwandversion von Kenneth Bøgh Andersens erfolgreicher Kinderbuchreihe, ohne den augenzwinkernden Humor und das straffe Tempo auszubremsen.
Von Lida Bach.
Foto: MFA


Love SteaksLove Steaks
"Ein Masseur. Eine Köchin. Ein junges Paar auf's Maul." Diese kurze Beschreibung ist um den 27. März herum deutschlandweit auf Filmplakaten zu lesen. So schief und verdreht wie der Abschlusssatz dieser Deskription ist auch der dazugehörige Film: "Love Steaks". Der 1981 geborene Berliner Filmemacher Jakob Lass gewann bereits einige Auszeichnungen für ihn. Es ist erkennbar, warum: Die Machart des Films ist anders als sonst üblich. Er unterscheidet sich sehr von anderen Filmen. Aber er ist nicht erfrischend anders, nicht besonders originell. Er ist vielmehr ein recht unbeholfener Versuch, originell zu sein. "Love Steaks" wartet dafür wenigstens mit dem interessant gefilmten Kontrast zwischen harter Arbeitswelt und zwischenmenschlichen Gefühlen auf.
Von Michael Dlugosch.
Foto: Timon Schäppi / Daredo Media


Population BoomPopulation Boom
Wir schreiben das Jahr 2011. Medienwirksam wird das Überschreiten der Marke von sieben Milliarden Menschen auf der Welt von den Vereinten Nationen bekannt gegeben. Statt einer Feier für den neuen Erdenbürger wird sein Kommen allerdings wie die Ankunft eines Anti-Messias verkündet - der sprichwörtliche Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt. Krisen, Kriege und Konflikte zeigen, dass die Rasse Mensch sich ihrem apokalyptischen Ende nicht mehr lange entziehen können wird. Oder doch? Auf einer Reise um die Welt jagt der österreichische Dokumentarfilmer Werner Boote ("Plastic Planet") ein Gespenst, welches seit Jahrzehnten in der Welt umgeht. Das Gespenst der Überbevölkerung.
Von Hendrik Neumann.
Foto: Mindjazz Pictures


My Dog KillerMy Dog Killer
Ein Tag aus dem Leben eines osteuropäischen Skinheads. Der 18-jährige Slowake Marek wird an diesem Tag seinen Halbbruder, ein Roma-Kind, kennenlernen. Ohne dass es die gemeinsame Mutter weiß, läuft der neugierige Junge unbekümmert dem Älteren nach. Mit fatalen Folgen.
Langsam, sehr langsam erzählt Regisseurin Mira Fornay in ihrem dritten Spielfilm eine menschliche Tragödie. Die Katastrophe nach der Begegnung wird wie nebenbei geschildert, Fornay konzentriert sich auf Marek, dessen Alltag, die Beziehungen zu seiner Skinhead-Gang, dem Vater und dem einzigen Freund, einem Kampfhund. Eindrucksvoll zeigt die Regisseurin die Geschichte einer verlorenen Existenz.
Von Michael Dlugosch.
Foto: temperclayfilm


Pettersson und Findus - Kleiner Quälgeist, große FreundschaftPettersson und Findus - Kleiner Quälgeist, große Freundschaft
"Teilt man eine Pfannkuchentorte, so wird sie weniger. Aber wenn man Freundschaft teilt, wird sie mehr." Das bringt der liebevolle Katzenziehvater Pettersson seinem quirligen kleinjungenhaften Kater Findus bei. In der warmherzigen Neuinszenierung der Geschichte des talentierten Schweden Sven Nordqvist werden vier der bekanntesten Geschehnisse des Duos miteinander verschmolzen. Echte Schauspieler (Ulrich Noethen, Marianne Sägebrecht) werden von Kater- und Mucklas-Animationen und von mitreißender Filmmusik begleitet. Durch die Begrenzung auf Studioaufnahmen wirkt der Streifen jedoch wie eine gefilmte Theateraufführung. Der Begeisterung der Kinder tut das keinen Abbruch.
Von Hilde Ottschofski.
Foto: Senator


Grand Budapest HotelGrand Budapest Hotel
Man fühlt sich entfernt an "Die fabelhafte Welt der Amélie" erinnert: So skurril sind die Typen, so überraschend die Handlung, so vielfältig die Ideen. Aber nur entfernt. Wes Andersons "Grand Budapest Hotel", mit dem die Filmfestspiele von Berlin 2014 eröffnet wurden, ist eine Mischung aus grotesker Komödie und Gangsterfilm. Der Film präsentiert eine unglaublich einfallsreiche Geschichte, die in fünf Kapitel auf drei Zeitebenen eingeteilt ist, und diese Geschichte wird - bis in die Nebenrollen - von einer lustvoll agierenden Starriege zum Leben erweckt.
In einem bonbonbunten Dekor mit teils gemalten Kulissen läuft die halsbrecherische Story ab, wobei jede Figur liebevoll originell charakterisiert wird, nicht zuletzt durch Kostüm und Frisur.
Von Manfred Lauffs.
Foto: Twentieth Century Fox


Bibi & Tina - Der FilmBibi & Tina - Der Film
"Als wollten sie mit Absicht einen Flop machen." Müsste man "Bibi & Tina - Der Film" in einem Satz resümieren, wäre es dieser. Er fiel im Kinosaal nach der Pressevorführung noch bevor das Licht anging und stammt nicht von mir, sondern einem Mädchen aus der Nachbarsitzreihe. Mit ihrer Erlaubnis darf ich ihn hier zitieren und schreiben, dass seine Urheberin zwölf ist und das eben Gesehene "auch scheiße" fand. "Auch" wie ihre gleichaltrige Freundin, die im Saal neben ihr saß. Und wie ich "auch".
Die Produzenten von "Bibi & Tina" wurden allem Anschein nach nicht durch Begeisterung für die Kindheitshelden, sondern allein durch die Aussicht auf klingelnde Kinokassen angespornt.
Von Lida Bach.
Foto: DCM


PompeiiPompeii
"Viele beteten um Hilfe, andere flehten den Tod herbei, aber viele glaubten, es gäbe keine Götter mehr." Für diese Übersetzung eines Brieftexts von Plinius dem Jüngeren hätte ich in Latein wohl eine 3- bekommen. Kleiner Abzug wegen einiger Ausdrucksfehler und Auslassungen bei "aber viele glaubten, es gäbe keine Götter mehr." Die pessimistische Stimmung kann man den erwähnten Menschen nicht verdenken. Immerhin ist die Rede von Pompeji. Ob man den Namen der antiken Stadt mit oder ohne Anführungszeichen schreibt, ist dabei im Grunde egal, denn Paul W. S. Andersons Sandalenfilm ist fast ebenso desaströs wie der reale Untergang der antiken Stadt.
Von Lida Bach.
Foto: Constantin Filmverleih GmbH


Winter's TaleWinter's Tale
"Was, wenn wir alle Teil eines großen Musters sind, das wir eines Tages verstehen werden?", heißt es am Ende von Akiva Goldsmans gefühlsseligem Kinodebüt. Womöglich erschließt sich jenes obskuren Tages auch mir die Handlung von "Winter's Tale". Dessen Figuren, ihre Aktionen und deren Zusammenhänge und der geflügelte Schimmel, der über den Himmel galoppiert sind mir ein Rätsel.
Liebe entflammt zwischen dem charmanten, wackeren Dieb Peter Lake (Colin Farrell) und der bildschönen, todkranken Beverly Penn (Jessica Brown Findlay). Beide stehen in der in einer alternativen Realität im New York der Empire-Zeit angesiedelten Geschichte auf unterschiedlichen Seiten von Leben und Tod, Arm und Reich, Standesprivileg und Ächtung. Zeit, die Taschentücher rauszuholen.
Von Lida Bach.
Foto: David C. Lee, Warner Bros. Entertainment INC. - U.S., Canada, Bahamas & Bermuda, Village Roadshow Films (BVI)


Und morgen Mittag bin ich totUnd morgen Mittag bin ich tot
Lea (Liv Lisa Fries) möchte sterben. Das Erschreckende: Sie ist eine 22-Jährige, die diesen Entschluss gefasst hat. Sie lässt sich nicht beirren. Und Lea hat einen Grund: In wenigen Monaten wird sie ersticken, ihre Lunge läuft voll. Die Krankheit heißt Mukoviszidose. Lea fährt in die Schweiz. Dort ist Sterbehilfe legal, in Deutschland nicht. Von Zürich aus ruft sie ihre Familie herbei. Ein Konflikt bahnt sich an.
Der Film wertet nicht. Vielmehr ist er als Debattenbeitrag zu verstehen. Stellvertretend für alle schwerstkranken Menschen erzählt der Film von einer jungen Frau, die krankheitsbedingt fürs Weiterleben keine physische Kraft mehr hat.
Von Michael Dlugosch.
Foto: Jacqueline Krause-Burberg / Peter Heilrath Filmproduktion, Universum Film


Madame empfiehlt sichMadame empfiehlt sich
"Es gibt in meinem Leben nicht einen Moment, der mir einfallen würde, der nicht von einem ihrer Filme beeinflusst ist", sagt Emmanuelle Bercot über die Hauptfigur ihrer bigotten Belanglosigkeit. Auch im Leben der Protagonisten gibt es keinen Moment, der nicht vom Film beeinflusst wäre. Allerdings sind es nicht Leinwandklassiker einer französischen Filmikone, sondern der Horrorfilm eines Mainstream-Regisseurs. "Es gibt gewisse Regeln, die man einhalten muss, um erfolgreich einen Horrorfilm zu überleben", verkündet in jenem Werk ein Charakter. Bercots Heldin Bettie (Catherine Deneuve) verstößt gegen sie alle. Den moralistischen Horror von "Madame empfiehlt sich" überlebt sie folglich nicht - zumindest nicht erfolgreich.
Von Lida Bach.
Foto: Jean-Marie Leroy
ein Film im Wettbewerb der 63. Berlinale 2013


Le WeekendLe Weekend
In seinem neuen Film "Le Weekend", den man kategorial als Dramedy fassen könnte, schickt Regisseur Roger Michell das englische Akademikerehepaar Nick (Jim Broadbent) und Meg (Lindsay Duncan) zu ihrem 30. Hochzeitstag in die französische Kapitale, ins flirrende Paris.
"Le Weekend" ist ein flotter, an vielen Stellen zweifellos pointierter Unterhaltungsfilm, in dem auf humorvolle, manchmal auch melancholische Weise Lösungsstrategien herausgearbeitet werden, wie man nach so langen Ehejahren doch noch so etwas wie Glück, Freude und auch Liebe empfinden kann. Kernthese ist und bleibt, dass man nicht lieben kann, wenn man nicht auch gleichzeitig hassen kann.
Von Sven Weidner.
Foto: Prokino


I Used to Be DarkerI Used to Be Darker
"Musik spielt eine wichtige Rolle in 'I Used to Be Darker'", verrät Matt Porterfield über sein zielloses Familien- und Beziehungsdrama, das wie sein zweiter Spielfilm "Putty Hill" auf der Suche nach emotionaler Tiefe den eigenen Handlungsinhalt aus den Augen verliert. "Ich war immer an der Idee interessiert den Einsatz von nicht-diegetischer Musik in meinem Filmen auf ein Minimum zu beschränken", sagt der Independent-Regisseur. In seinem nachlässigen Beitrag zum Berlinale Forum gelingt ihm das - leider nicht nur beim nicht-diegetischen Soundtrack, sondern auch bei Story und Figuren.
Letzte sind die junge Taryn (Deragh Campbell), die statt wie mit ihrer Mutter vereinbart nach Wales zu fahren bei ihrer Tante Kim (Kim Taylor), Onkel Bill (Ned Oldham) und der gleichaltrigen Cousine Abby (Hannah Gross) in Baltimore auftaucht.
Von Lida Bach.
Foto: Berlinale
ein Film in der Sektion Forum der Berlinale 2013


Blick in den Abgrund - Profiler im Angesicht des BösenBlick in den Abgrund - Profiler im Angesicht des Bösen
Die Beschäftigung mit dem Abgründigen ist schon seit jeher Thema in der Kunst. Im Erzählkino wird das Dunkle, Unerklärbare, Mysteriöse, ja bisweilen irrational Perverse und mit der menschlichen Ratio nicht mehr Fassbare und oftmals nicht mehr Zumutbare zumeist im Genre des Horrorfilms, des Mystery-Thrillers, des Splatter Movies verhandelt. Freilich mit durchaus unterschiedlichen Akzentuierungen, Variationen wie Motivationen und freilich mit differierenden filmästhetischen Mitteln.
Der Film ist kraftvoll, ausbalanciert, schneidet essentielle Themen nachhaltig an. Einzig der Titel, insbesondere der Untertitel, ist in seiner reißerischen, eigentlich fernsehaffinen Formulierung, nicht nötig angesichts der inhaltlichen wie formalen Stärke.
Von Sven Weidner.
Foto: Real Fiction Filmverleih


I, FrankensteinI, Frankenstein
"Es ist nicht an uns Gottes Wille zu hinterfragen", gebietet die Gargoyle-Anführerin Leonore (Miranda Otto) in Stuart Beatties Horror-Action der Titelkreatur. Leonore muss es wissen, denn sie hat von den Erzengeln den Exklusivauftrag "Rettung der Menschheit" erhalten. Damit Gott am Ende den Coup nicht an sein Putten-Dezernat oder seine Gartenzwerg-Armee weiterreicht, müssen die Wasserspeier gegen die Höllenbrut des Dämonenfürsten Naberius (Bill Nighy) kämpfen. Dass bei der epischen Klopperei Frankensteins Monster (Aaron Eckhart) und die auf den Spuren des Wissenschaftlers (Aden Young) wandelnde Terra (Yvonne Strahovski) mitmischen, ist quasi höhere Fügung: über jede (Film)Kritik erhaben.
Von Lida Bach.
Foto: Sony Pictures


NebraskaNebraska
Lincoln ist die Hauptstadt des US-Staates Nebraska, und da will Woody hin. Im festen Glauben, dass da eine Million Dollar nur darauf warten, von ihm abgeholt zu werden. Allein der jüngere Sohn David gibt dem Irrglauben des knorrigen und verwirrten Vaters nach, und chauffiert ihn von Billings, Montana über 900 Meilen bis zu seinem Gewinn. Letzterer fällt jedoch anders aus als erwartet. Und vielleicht sogar besser.
Bei den diesjährigen Internationalen Filmfestspielen von Cannes wurde der Hauptdarsteller Bruce Dern zum Besten Darsteller gekürt.
Von Hilde Ottschofski.
Foto: Paramount Pictures Germany


Die Eiskönigin - Völlig unverfrorenDie Eiskönigin - Völlig unverfroren
Das mitreißende - vor allem in 3D bezaubernd animierte - im Broadwaystil musikalisch untermalte Eis- und Schneemärchen hingebungsvoller und mutiger Abenteurer erinnert optisch und teilweise auch dramaturgisch an "Rapunzel - Neu verföhnt", kommt aber nicht an dessen Qualität in puncto Charaktere, Geschichte, Musik oder auch Ästhetik heran. Dennoch nehmen komische Wortwechsel, rasante Verfolgungsszenen oder gefühlsbetonte Dialoge mit auf eine unterhaltsame Reise.
Von Hilde Ottschofski.
Foto: Walt Disney Motion Pictures Germany


Machete KillsMachete Kills
"Es gibt nur einen Machete", knurrt Danny Trejo als Machete in Robert Rodriguez' Fortsetzung seiner eponymen Grindhouse-Hommage und trifft damit ahnungslos die kontextuelle Ironie, die "Machete Kills" buchstäblich mit aller Gewalt erreichen will. So ist der pauschalste der Subjektsätze des mimisch armen Anti-Helden der armselige Höhepunkt der filmischen Trash-Tour durch Mexiko und grenznahe Teile der USA. Bedenklich bei einem Film, der nur aus Höhepunkten bestehen möchte, und dieses Ansinnen im gewollt grobmotorischen Stil der Kameraführung vorbuchstabiert. Erstes Symptom des unerreichten Selbstanspruchs ist der Trailer. Wenn danach einfach Schluss wäre und irgendein Kinofilm begänne, wäre "Machete Kills" richtig cool.
Von Lida Bach.
Foto: Universum Film


LunchboxLunchbox
Die Sinnlichkeit mit Liebe zubereiteten Essens weckt zwei Menschen aus der Starre ihres eingefahrenen Alltagslebens. Durch eine ungewöhnliche Art der Kommunikation entsteht ein fragiles Band der Freundschaft und Zuneigung, das der Härte und Unwägbarkeit der Realität ausgesetzt ist. Ein liebenswerter Film des Regisseurs, Co-Drehbuchautors und Produzenten Ritesh Batra über die kleinen Gesten des Lebens und über die besondere Art des Zuhörens. Seit 14 Jahren der erste indische Film, der dieses Jahr in Cannes den Publikumspreis "Grand Rail D'Or" der "Semaine de la critique" erhielt.
Von Hilde Ottschofski.
Foto: AKFPL, NFP marketing & distribution


Annelie (2013)Annelie (2013)
In unserem multimedialen Zeitalter, wo durch die Social Media wie Facebook, Youtube, Twitter und Co. wie sie so schön anglisiert heißen, alles und jeder, und vor allem eine jede Menge Überflüssiges herumgeistert, sind immer wieder Filmchen über Randexistenzen zu finden; Randexistenzen, die nicht mehr in normierten Gesellschaftsformen hineinwollen, manchmal auch hineinkönnen. Oftmals sind es aber voyeuristische, auch inszenierte, manchmal geltungssüchtige Einblicke, die gewährt werden. Antej Farac hat mit seinem Film "Annelie" einen schwungvollen und lauten, bisweilen auch nachdenklichen Hybrid aus Dokumentation und Fiktion geschaffen. Er lässt darin jene Misfits, Outcasts, zu Wort kommen und zur Tat schreiten, für die eine neoliberale Gesellschaftsordnung samt und sonders eher wenig Sympathie aufbringen kann.
Von Sven Weidner.
Foto: alpha medienkontor


Im Namen des...Im Namen des...
"Du bist krank." Der erste Satz in Malgoska Szumowskas sprödem Abbild einer im eigenen Denkmuster gefangenen Gesellschaft fällt in einer Gruppe scherzender Jungen, gleich einem unheilvollen Vorboten des Urteils, das der Erzieher dieser Jungen über sich fällen wird. "Ich bin krank", stößt Adam (Andrzej Chyra) dann mit erstickter Stimme hervor, während er mit seiner verständnislosen Schwester über Skype spricht. Krank steht für die Gefühle, für die es in dem polnischen Dorf, in das der junge Priester versetzt wurde, kein Wort gibt, kein Begriffsvermögen, keine Empathie. Krank steht für die Liebe, die Adam von sich selbst und seinem Umfeld verwehrt wird: "Im Namen des..."
Von Lida Bach.
deutscher Kinostart: 15. Mai 2014
Foto: Berlinale
ein Film im Wettbewerb der 63. Berlinale 2013



Neue Rezensionen


Kleine Haie
Zu Beginn tritt in Gelsenkirchen der Knappenchor des Bergwerks Consolidation auf und singt programmatisch: "Einmal schafft's jeder". Und wenn dann die Flamencogruppe "Los niños del sol" auftritt, ist dieser Name auch symbolisch: Die Filmhelden streben zur Sonne des Erfolgs.
Kameramann Gernot Roll hat traumhafte Bilder eingefangen: Der Kohlenpott bei Nacht, Ingo (Jürgen Vogel) mit Hocker auf glänzender Straße vor Straßenbahnen; die Schneelandschaft am Isarufer, in der die Schauspielschüler übernachten, mit Sonnenaufgang im Zeitraffer; das Lokal, in dem Herta (Meret Becker), von warmem Licht angestrahlt, ein Lied von Marlene Dietrich vorträgt.
Regisseur Sönke Wortmann zeigt in diesem kleinen, aber großartigen Film bereits seine Meisterschaft und bekam zu Recht den Bundesfilmpreis.
Von Manfred Lauffs.

Königliche Hoheit
Ein Film aus dem Jahr 1953, der seinerzeit ein Publikumserfolg war und heute zum ständigen Repertoire des deutschen Fernsehens gehört, weckt auch in unseren Tagen Aufmerksamkeit. In Harald Brauns Adaption von Thomas Manns 1909 veröffentlichtem Roman "Königliche Hoheit" entdeckt der Zuschauer überraschende Aktualität in einer für die Adenauer-Zeit niveauvollen Literaturverfilmung, die von einer Liebesgeschichte und der Bewältigung der Finanzkrise eines Landes erzählt.
Von Michael Dlugosch.

Best Exotic Marigold Hotel
Erfolg misst sich daran, wie man mit Enttäuschungen umgeht - solche und andere Weisheiten hat dieser Film über die Sorgen des Alterns wie auch den Mut zum Neuanfang und Veränderung zu bieten. Eine Riege hochrangiger britischer Schauspieler angefangen von den fast schon legendären Maggie Smith, Judi Dench, Bill Nighy, Tom Wilkinson, Penelope Wilton, bis Celia Imrie und Ronald Pickup - bieten uns eine köstliche Darbietung an, in einer Geschichte, die zwar manchmal oberflächlich aber überwiegend amüsant ist.
Von Hilde Ottschofski.

Senna
Sportlerbiographie. Der Begriff wird einer Person wie Ayrton Senna eigentlich nicht gerecht. Derlei Werke sind in jüngerer Vergangenheit vor allem durch Skandalsportler in Verruf geraten. Was aber gibt es über ein Leben zu erzählen, dessen größte Tragik der frühe Tod des betreffenden Sportlers ist? So einiges, wie das Werk von Asif Kapadia beweist. Es erzählt die Geschichte eines Mannes, der sein Leben vollkommen seiner Passion gewidmet hatte und dabei der Perfektion so nahe gekommen ist, wie kaum jemand vor oder nach ihm.
Von Hendrik Neumann.

Spring Breakers
Harmony Korine verfasste das Drehbuch zu "Kids" (Larry Clark, USA 1995), bevor er sich mit Filmen wie "Gummo" (USA 1997) und "Trash Humpers" (USA 2009) als einer der vitalsten Independentfilmer Amerikas etablierte. Der neonfarbene Filmrausch "Spring Breakers" ist gewissermaßen sein bislang größter Film. Von manchen als sexistisch abgestempelt, von anderen eindringlich zum Kultfilm ausgerufen, ist der vielleicht größte Hype des Kinojahres vor allem ein formvollendeter Trip in die Möglichkeiten des audiovisuellen Erzählens, dem man sich schwer entziehen kann. Die Story als solche spielt hier die Nebenrolle, worauf es ankommt, sind die hochgradig ästhetisierten Bilder, die treibenden Elektro-Beats von Cliff Martinez ("Drive") und anderen, die assoziative, sprunghafte, druckvolle Montage.
Von Christian Horn.

The Lords of Salem
Alptraumhaft ist wohl der Begriff, der die eigenständige Horror-Hommage an das vom Antichrist und seinen Anbetern schwer angetanen Kino der 70er und 80er am treffendsten charakterisiert. Rob Zombies satanische Kinoausgeburt besitzt nicht nur die Optik einer nächtlichen Angstvision, sondern deren intuitive Struktur und in den besten Momenten deren verunsichernde Kraft. Sie liegt weniger in der kanonischen Story um Teufelsmusik, die Hexen von Salem und "das Gefäß, durch welches die Erde des Teufels Kindes sein wird", als dem Reigen dämonischer Bilder.
Von Lida Bach.

Fickende Fische
Ein junger Mann erlebt in den Wirren der Pubertät die erste Annäherung an das andere Geschlecht. Soweit nichts Außergewöhnliches, doch im Film von Almut Getto haben die Hauptfiguren Jan und Nina mit Problemen zu kämpfen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Das eigentlich Bemerkenswerte an "Fickende Fische" ist allerdings, wie natürlich und unaufdringlich er eine Geschichte um Vertrauen, Liebe und die Auseinandersetzung mit dem Tod erzählt.
Von Hendrik Neumann.


Special: Max Ophüls Preis 2014


Festivalplakat Max Ophüls Preis 2014Max Ophüls Preis 2014
Es war eine intensive Festivalwoche, erklärten die beiden Festivalleiter des Max Ophüls Preises, Gabriella Bandel und Philipp Bräuer. Das war sie, für alle Beteiligten, vom Montag, dem 20. bis Sonntag, dem 26. Januar 2014. Intensiv war die Woche vor allem für die Teilnehmer, die über die Festivalpreise zu entscheiden hatten: Die Jury des Hauptwettbewerbs Langfilm beispielsweise sichtete in vier Tagen, Dienstag bis Freitag, von morgens bis spät abends sechzehn Spielfilme. Das 35. Filmfestival Max Ophüls Preis bot außerdem weitere Wettbewerbs- und Nebenreihen auf mit insgesamt 157 Filmen. In der Filmszene nimmt das Ophüls-Festival einen wichtigen Platz ein, es ist eines der wichtigsten Foren für den jungen deutschsprachigen Film. Nachwuchsregisseure kommen gerne nach Saarbrücken. Ihre ersten Filme finden hier große Aufmerksamkeit. Mit etwas Glück tragen sie die ersten Auszeichnungen und etwas Geld nach Hause. Der Sieger des Hauptwettbewerbs Langer Spielfilm ist mit einem Preisgeld von 18.000 Euro und einer Verleihförderung in gleicher Höhe ausgestattet. Der Preisträger ist im Februar in einer Sektion der Berlinale zu sehen. Der 1981 geborene Berliner Filmemacher Jakob Lass gewann die Siegertrophäe für "Love Steaks".
Von Michael Dlugosch.
Foto: www.tayloring.com / Max Ophüls Preis



Dossier


Essay: Im Westen nichts Neues
In der ausgehenden Weimarer Republik wurde über Erich Maria Remarques Anti-Kriegsbuch Im Westen nichts Neues (1929) und die Verfilmung All Quiet on the Western Front (1930) eine Debatte geführt. An kaum einem anderen Gegenstand können die zunehmend radikaler aufbrechenden gesellschaftlichen und politischen Gegensätze besser analysiert werden, die die letzten Jahre der Republik kennzeichnen.
Von Christian Horn.
19.11.2013

Umfang: 30 Seiten
Dateityp: .PDF (Adobe Acrobat Reader nötig)
Dateigröße: 232 KB


 



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Zitat

"Wenn ich die Tür meines Kühlschranks aufmache und das Licht geht an, will ich sofort anfangen etwas aufzuführen."

Schauspieler Mickey Rooney (23.09.1920 - 06.04.2014)

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