Neue Rezensionen


Rosen für den Staatsanwalt
In der Mitte des letzten Jahrhunderts schwappte eine Flut von sogenannten Heimatfilmen in die deutschen Kinos. Die melodramatischen Filme mit ihren scheinbar unberührten Landschaften, ihren klar in Gut und Böse aufgeteilten Figuren, ihren immergleichen Themen, dem Antimodernismus und dem unausweichlichen Happy End boten dem Zuschauer die gewünschte Ablenkung von der Alltagsrealität und ließen ihn vor allem die Geschehnisse vergessen, die nur wenige Jahre zurücklagen und mit denen man sich nicht auseinandersetzen wollte: der Diktatur und dem Krieg.
Nur wenige Filme aus dieser Zeit ragten aus diesem Kitschmeer heraus, Filme, in denen kritisch Vergangenheit und Gegenwart beleuchtet wurden, deren Handlung und Figuren realistisch angelegt waren, die die Finger in die Wunden legten und die der Aufklärung dienten, nicht der Verklärung. So auch "Rosen für den Staatsanwalt" (1959).
Von Manfred Lauffs.


Aktuelle Filme


Die innere ZoneDie innere Zone
Dass die Schweiz im Allgemeinen keine filmischen Feuerwerke zündet, ist weithin bekannt. Während ihr Nachbarland Österreich - von der Einwohnerzahl etwa gleich groß und finanziell gewiss nicht besser ausgestattet - grandiose Filmemacher wie Michael Haneke, Ulrich Seidl, Jessica Hausner, Barbara Albert, Götz Spielmann oder Wolfgang Murnberger hervorgebracht hat, die es zum Teil in die Elogen internationaler Filmfestivals geschafft haben, kräht nach dem schweizerischen Film kein Hahn. Ein bisschen nimmt dies Wunder, bietet doch die Schweiz aufgrund ihrer Mehrsprachigkeit und ihrer finanziellen Möglichkeiten ein veritables Potential mittels dessen interessante Produktionen entstehen könnten.
Von Sven Weidner.
Foto: Real Fiction Filmverleih
deutscher Kinostart: 31. Juli 2014


Jack und das KuckucksuhrherzJack und das Kuckucksuhrherz
Mit "Jack und das Kuckucksuhrherz" hat das Multitalent Mathias Malzieu nicht nur einen wundervollen Animationsfilm über die Kraft der Liebe geschaffen, sondern auch ein Plädoyer für Toleranz gegenüber Andersartigkeit. Ganz nebenbei ist er aber auch eine Liebeserklärung an die Zeit, in der die Bilder laufen lernten. Freunde Tim Burton'scher Bildsprache dürften ihre helle Freude an der düsteren, skurril-romantischen Tragikomödie mit Musical und Rock-Oper-Elementen haben.
"Jack und das Kuckucksuhrherz" ist ganz offensichtlich ein höchst persönlicher Film, er schielt absichtlich auf kein bestimmtes Publikum, auf keine bestimmte Altersgruppe. Auch musikalisch wird eine wilde Achterbahnfahrt geboten.
Von Oliver Forst.
Foto: Universum Film


Das Schicksal ist ein mieser VerräterDas Schicksal ist ein mieser Verräter
Nicht so sehr Verräter als vielmehr ein kühler Zeitmesser ist das Schicksal der Verfilmung des gleichnamigen Romans, das der einen Person mehr und der anderen weniger an Lebenszeit zu schenken vermag. Hazel Grace Lancaster ist ein Mädchen mit einer kleineren Portion an Lebensstunden. Sie kämpft um einen normalen Alltag trotz ihres Krebsleidens, das zunächst ihre Schilddrüse und dann ihre Lunge ergriffen hat. Ein kleines Wunder darf sie mit einem Medikament erleben und überlebt ihre Kindheit bis ins Teenageralter hinein. Mit ihren großen, leuchtenden Kulleraugen scheint sie eines Tages in einer Selbsthilfegruppe für krebskranke junge Menschen Gus an.
Von Margarethe Padysz.
Foto: Twentieth Century Fox


BoyhoodBoyhood
Richard Linklaters Spielfilm "Boyhood" ist mehr als eine Coming-of-Age-Geschichte: Er ist ein reiches und vielschichtiges Dokument der letzten zwölf Jahre unserer Zeit, eine präzise psychologische Skizze und nicht zuletzt das anschauliche Portrait eines Bundesstaates - Texas -, in dem alternative Rockbands neben tiefreligiösen, Waffen verherrlichenden Baptisten existieren.
Es ist der Präzision der Dialoge, der Stimmigkeit noch der alltäglichsten Szenen sowie der starken Gestik und Mimik des Hauptdarstellers Ellar Coltrane zu verdanken, dass wir bald unmerklich ein sehr deutliches Bild der Figur Mason gewinnen. So scheint es offensichtlich zu sein, dass dem künstlerisch interessierten, introvertierten jungen Mann die Geschenke zu seinem sechzehnten Geburtstag - ein Gewehr, eine Bibel und ein Anzug - wenig gefallen werden.
Von Jasmin Drescher.
Foto: Universal Pictures


Das magische HausDas magische Haus
Nach den zwei "Sammys Abenteuer"-Filmen konnte man an den belgischen Regisseur Ben Stassen vorfreudige Erwartungen für seinen neuen, mit einem weit höheren Budget ausgestatteten 3D-Film haben. Leider hinkt "Das magische Haus" ohne die Nähe zu den Figuren, mit wenig Emotionalität, mit vielen Fragezeichen betreffend die Motivation der Handlung den anderen zwei europaweit erfolgreichen und gelungenen Sammy-Filmen weit hinterher. Ein ausgesetzter Kater (Stimme: Matthias Schweighöfer) sucht Unterschlupf in einem spukigen schlossähnlichen alten Haus. Zwei Hunde warnen ihn vor dem angeblich furchterregenden Haus.
Die Geschwindigkeit des Films ist rasant - für Kinder zu rasant. Dennoch sind die kreative und technische Kühnheit zu würdigen.
Von Hilde Ottschofski.
Foto: StudioCanal


StereoStereo
Düsteres Action-Kino aus Deutschland - kann das funktionieren? Ist doch der deutsche Film immer noch hauptsächlich bekannt für seine Komödien, Dramen und Liebegeschichten. Der junge Regisseur Maximilian Erlenwein hat sich dennoch an das Genre herangewagt und mit Jürgen Vogel und Moritz Bleibtreu dafür gesorgt, dass "Stereo" mit zwei absoluten Größen des deutschen Kinos besetzt ist. Dass sein Wagemut belohnt wird, ist allerdings nicht nur den Schauspielern zuzuschreiben, denn "Stereo" überzeugt in allen Belangen.
Der Motorradmechaniker Erik (Jürgen Vogel) führt eine glückliche, junge Patchwork-Beziehung mit seiner Freundin Julia (Petra Schmidt-Schaller). Doch so ganz passt Erik nicht in das Bild und auch die Vergangenheit des tätowierten Mechanikers scheint bisher noch kein großes Thema gewesen zu sein. Als diese Erik einzuholen droht, gerät er in Zugzwang.
Von Hendrik Neumann.
Foto: Wild Bunch Germany


Im Namen des...Im Namen des...
"Du bist krank." Der erste Satz in Malgoska Szumowskas sprödem Abbild einer im eigenen Denkmuster gefangenen Gesellschaft fällt in einer Gruppe scherzender Jungen, gleich einem unheilvollen Vorboten des Urteils, das der Erzieher dieser Jungen über sich fällen wird. "Ich bin krank", stößt Adam (Andrzej Chyra) dann mit erstickter Stimme hervor, während er mit seiner verständnislosen Schwester über Skype spricht. Krank steht für die Gefühle, für die es in dem polnischen Dorf, in das der junge Priester versetzt wurde, kein Wort gibt, kein Begriffsvermögen, keine Empathie. Krank steht für die Liebe, die Adam von sich selbst und seinem Umfeld verwehrt wird: "Im Namen des..."
Von Lida Bach.
Foto: Berlinale
ein Film im Wettbewerb der 63. Berlinale 2013


Muppets Most WantedMuppets Most Wanted
Nur knappe zwei Jahre nach dem erfolgreichen Neustart der Muppets steht schon das nächste Abenteuer der Kult-Puppen an. Deren letzter Kinofilm davor lag noch im letzten Jahrtausend. Ein Schelm, wer hier eine schwache Fortsetzung aus Profitgier wittert. Doch ganz so schlimm ist es um "Muppets Most Wanted" gar nicht bestellt, was nicht zuletzt der hohen Cameo-Dichte und der erneut vortrefflichen Selbstironie geschuldet ist.
Der böseste Frosch der Welt, Constantine, bricht aus einem sibirischen Gulag aus und nimmt durch eine List den Platz von Kermit dem Frosch bei den Muppets ein. Dieser findet sich kurz darauf in besagtem Gulag wieder, während die Muppets nach der im letzten Film neu gewonnenen Popularität nun mit dem falschen Frosch auf Europa-Tournee gehen.
Von Hendrik Neumann.
Foto: Walt Disney Studios Motion Pictures Germany GmbH


SnowpiercerSnowpiercer
"Klassengesellschaft" ist mehr als ein metaphorischer Begriff in Bong Joon-hos verstörender Kinovision eines immerwährenden Winters des Missvergnügens. Aus der gleichnamigen Comic-Trilogie von Jacques Lob, Benjamin Legrand und Jean-Marc Rochette destilliert der koreanische Regisseur eine zugleich packende und philosophische Sozialparabel, deren autarke Erzählung die der Vorlage in ihren düsteren Schatten stellt.
Es ist die komplexe Story der letzten überlebenden Menschen, die seit 17 Jahren in einem ununterbrochen fahrenden Zug einer durch missglückte Maßnahmen gegen die Klimaerwärmung verursachten Eiszeit trotzen. Wie das durch den "Weißen Tod" rasende Perpetuum Mobile besitzt der Plot eine ingeniös komponierte Eigendynamik, die ihre Energie aus stimmigen Charakteren und soziologischen Allegorien zieht.
Von Lida Bach.
Foto: MFA+ FilmDistribution e.K.


A Long Way DownA Long Way Down
"Vier Leute, die sich umbringen wollen... Die einen Pakt schließen weiterzuleben... Hoffnung finden... Es die Art positiver Geschichte, die die Presse liebt!" Nein, da liegt Pierce Brosnan falsch. Genauer: der desavouierte Frühstücksfernsehmoderator Martin Sharp, den Brosnan in "A Long Way Down" verkörpert. Oder noch genauer: Pascal Chaumeil, der die Tragikomödie inszenierte. Oder ganz genau: Drehbuchautor Jack Thorne mit seiner larmoyanten Story. Die basiert auf dem gleichnamigen Roman Nick Hornbys, dessen Bestseller "About a Boy" gerade als Comedy-Serie vermarktet wird. Zusammen mit den jüngst erschienenen Anthologien seiner alten Zeitungskolumnen wirkt das ein bisschen wie Nick-Hornby-Sale. Das Ganze hätte eine positive Seite, wäre danach Platz für frische Ideen. Die fehlen gänzlich in der pennälerhaften Abarbeitung der altbackensten Suizid-Klischees.
Von Lida Bach.
Foto: DCM


AntboyAntboy
"Es gibt viele, die es gut finden, normal zu sein", klagt der 12-jährige Pelle zu Beginn von Ask Hasselbalchs originellem Kinderabenteuer. "Ich dagegen habe die Nase voll davon." Wie gerufen kommt da die genmanipulierte Ameise, die den unscheinbaren Außenseiter beißt, als er sich vor zwei Rowdys versteckt. Mit Verstecken ist Schluss dank der außergewöhnlichen Veränderungen, die Pelle an sich entdeckt und im Kampf für das Gute nutzt: als unerschrockener "Antboy".
Anders als bei Süßigkeiten, die seine Energiespeicher mit Ameisenkraft auffüllen, machen ihn emotionale Brocken im entscheidenden Moment nicht stärker, sondern schwächer als er zuvor war. Besondere Fähigkeiten bergen stets auch besondere Verantwortung. Diese für ältere Zuschauer recht abgegriffene, aber für das mit dem Genre weniger vertraute Kinderpublikum stimmige Botschaft vermittelt die Leinwandversion von Kenneth Bøgh Andersens erfolgreicher Kinderbuchreihe, ohne den augenzwinkernden Humor und das straffe Tempo auszubremsen.
Von Lida Bach.
Foto: MFA


Love SteaksLove Steaks
"Ein Masseur. Eine Köchin. Ein junges Paar auf's Maul." Diese kurze Beschreibung ist um den 27. März herum deutschlandweit auf Filmplakaten zu lesen. So schief und verdreht wie der Abschlusssatz dieser Deskription ist auch der dazugehörige Film: "Love Steaks". Der 1981 geborene Berliner Filmemacher Jakob Lass gewann bereits einige Auszeichnungen für ihn. Es ist erkennbar, warum: Die Machart des Films ist anders als sonst üblich. Er unterscheidet sich sehr von anderen Filmen. Aber er ist nicht erfrischend anders, nicht besonders originell. Er ist vielmehr ein recht unbeholfener Versuch, originell zu sein. "Love Steaks" wartet dafür wenigstens mit dem interessant gefilmten Kontrast zwischen harter Arbeitswelt und zwischenmenschlichen Gefühlen auf.
Von Michael Dlugosch.
Foto: Timon Schäppi / Daredo Media


Population BoomPopulation Boom
Wir schreiben das Jahr 2011. Medienwirksam wird das Überschreiten der Marke von sieben Milliarden Menschen auf der Welt von den Vereinten Nationen bekannt gegeben. Statt einer Feier für den neuen Erdenbürger wird sein Kommen allerdings wie die Ankunft eines Anti-Messias verkündet - der sprichwörtliche Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt. Krisen, Kriege und Konflikte zeigen, dass die Rasse Mensch sich ihrem apokalyptischen Ende nicht mehr lange entziehen können wird. Oder doch? Auf einer Reise um die Welt jagt der österreichische Dokumentarfilmer Werner Boote ("Plastic Planet") ein Gespenst, welches seit Jahrzehnten in der Welt umgeht. Das Gespenst der Überbevölkerung.
Von Hendrik Neumann.
Foto: Mindjazz Pictures


My Dog KillerMy Dog Killer
Ein Tag aus dem Leben eines osteuropäischen Skinheads. Der 18-jährige Slowake Marek wird an diesem Tag seinen Halbbruder, ein Roma-Kind, kennenlernen. Ohne dass es die gemeinsame Mutter weiß, läuft der neugierige Junge unbekümmert dem Älteren nach. Mit fatalen Folgen.
Langsam, sehr langsam erzählt Regisseurin Mira Fornay in ihrem dritten Spielfilm eine menschliche Tragödie. Die Katastrophe nach der Begegnung wird wie nebenbei geschildert, Fornay konzentriert sich auf Marek, dessen Alltag, die Beziehungen zu seiner Skinhead-Gang, dem Vater und dem einzigen Freund, einem Kampfhund. Eindrucksvoll zeigt die Regisseurin die Geschichte einer verlorenen Existenz.
Von Michael Dlugosch.
Foto: temperclayfilm


Pettersson und Findus - Kleiner Quälgeist, große FreundschaftPettersson und Findus - Kleiner Quälgeist, große Freundschaft
"Teilt man eine Pfannkuchentorte, so wird sie weniger. Aber wenn man Freundschaft teilt, wird sie mehr." Das bringt der liebevolle Katzenziehvater Pettersson seinem quirligen kleinjungenhaften Kater Findus bei. In der warmherzigen Neuinszenierung der Geschichte des talentierten Schweden Sven Nordqvist werden vier der bekanntesten Geschehnisse des Duos miteinander verschmolzen. Echte Schauspieler (Ulrich Noethen, Marianne Sägebrecht) werden von Kater- und Mucklas-Animationen und von mitreißender Filmmusik begleitet. Durch die Begrenzung auf Studioaufnahmen wirkt der Streifen jedoch wie eine gefilmte Theateraufführung. Der Begeisterung der Kinder tut das keinen Abbruch.
Von Hilde Ottschofski.
Foto: Senator


Grand Budapest HotelGrand Budapest Hotel
Man fühlt sich entfernt an "Die fabelhafte Welt der Amélie" erinnert: So skurril sind die Typen, so überraschend die Handlung, so vielfältig die Ideen. Aber nur entfernt. Wes Andersons "Grand Budapest Hotel", mit dem die Filmfestspiele von Berlin 2014 eröffnet wurden, ist eine Mischung aus grotesker Komödie und Gangsterfilm. Der Film präsentiert eine unglaublich einfallsreiche Geschichte, die in fünf Kapitel auf drei Zeitebenen eingeteilt ist, und diese Geschichte wird - bis in die Nebenrollen - von einer lustvoll agierenden Starriege zum Leben erweckt.
In einem bonbonbunten Dekor mit teils gemalten Kulissen läuft die halsbrecherische Story ab, wobei jede Figur liebevoll originell charakterisiert wird, nicht zuletzt durch Kostüm und Frisur.
Von Manfred Lauffs.
Foto: Twentieth Century Fox


Bibi & Tina - Der FilmBibi & Tina - Der Film
"Als wollten sie mit Absicht einen Flop machen." Müsste man "Bibi & Tina - Der Film" in einem Satz resümieren, wäre es dieser. Er fiel im Kinosaal nach der Pressevorführung noch bevor das Licht anging und stammt nicht von mir, sondern einem Mädchen aus der Nachbarsitzreihe. Mit ihrer Erlaubnis darf ich ihn hier zitieren und schreiben, dass seine Urheberin zwölf ist und das eben Gesehene "auch scheiße" fand. "Auch" wie ihre gleichaltrige Freundin, die im Saal neben ihr saß. Und wie ich "auch".
Die Produzenten von "Bibi & Tina" wurden allem Anschein nach nicht durch Begeisterung für die Kindheitshelden, sondern allein durch die Aussicht auf klingelnde Kinokassen angespornt.
Von Lida Bach.
Foto: DCM



Neue Rezensionen


Da geht noch was
Eine Tragikomödie, auf der Bühne oder auf der Leinwand, ist - wie man am Wort schon erkennen kann - eine Mischung aus Tragödie und Komödie. Sie hat eine ernste, traurige Handlung, enthält aber witzige Szenen; beides geht zumeist untrennbar ineinander über, so dass man über Dinge lacht, bei denen den handelnden Personen wahrlich nicht zum Lachen zumute ist. Ein Happy End muss nicht unbedingt vorhanden sein. So auch in diesem bemerkenswerten Film aus dem Jahre 2013.
Von Manfred Lauffs.

Fack ju Göhte
Dieser Schulschwank (Drehbuch und Regie: Bora Dagtekin) war mit sechs Millionen Zuschauern der erfolgreichste deutsche Kinofilm des Jahres 2013. Er basiert auf einem bewährten Handlungsschema: Junger, moderner Lehrer mischt eine (zumeist konservativ-spießige) Schule auf und wird zum Helden der Schüler. Das kennen wir aus Deutschland ("Ein unmöglicher Lehrer", "Pepe, der Paukerschreck"), Amerika ("Der Club der toten Dichter") und Frankreich ("Die Klasse"). Diesmal handelt es sich allerdings um eine durch Graffiti völlig verunzierte Gesamtschule, in der die Lehrer nichts zu melden haben, weil die ebenso unverschämten wie unterbelichteten Schüler mit ihnen machen, was sie wollen. Der Titel ist Programm: Von Literatur wollen die Schülermonster nichts wissen. Jedenfalls zu Beginn!
Von Manfred Lauffs.

Vitus
Dieser Film ist herausragend und hat zu Recht eine Reihe von Preisen gewonnen. Vitus ist ein hochbegabter Junge, der schon mit sechs Jahren sehr gut Klavier spielt. Die Eltern erkennen das Talent und lassen ihn von einem Musikprofessor unterrichten. Vitus lebt in drei Welten: bei den ehrgeizigen Eltern, in der Schule, wo er mehrere Klassen überspringt, von seinen Mitschülern als "Streber" gehänselt wird und den Lehrern auf den Geist geht, und bei seinem Großvater auf dem Land, wo die beiden Pasta essen, Schach spielen und Fledermausflügel basteln: ein Fluchtraum für den Jungen.
Von Manfred Lauffs.

Paulette
Paulette (Bernadette Lafont) ist 80 Jahre alt, Witwe, aber rüstig und grantig. Sie wohnt in einer zwielichtigen Pariser Trabantenvorstadt. Nach der Schließung der Konditorei ihres Mannes ging es ihr immer schlechter, nun muss sie mit der Mindestrente von 600 Euro auskommen. Ihre drei Freundinnen Maria, Lucienne und Renée, mit denen sie Karten spielt, behandelt sie genauso ruppig wie ihre Nachbarn und ihre Tochter Agnès, zumal die mit Ousmane verheiratet ist, einem schwarzen Kommissar. Zufällig gerät der verbiesterten Rentnerin ein Päckchen Marihuana in die Hände, es fällt geradezu vom Himmel, und da hat sie eine Idee: Sie wird Drogendealerin!
Von Manfred Lauffs.

Kleine Haie
Zu Beginn tritt in Gelsenkirchen der Knappenchor des Bergwerks Consolidation auf und singt programmatisch: "Einmal schafft's jeder". Und wenn dann die Flamencogruppe "Los niños del sol" auftritt, ist dieser Name auch symbolisch: Die Filmhelden streben zur Sonne des Erfolgs.
Kameramann Gernot Roll hat traumhafte Bilder eingefangen: Der Kohlenpott bei Nacht, Ingo (Jürgen Vogel) mit Hocker auf glänzender Straße vor Straßenbahnen; die Schneelandschaft am Isarufer, in der die Schauspielschüler übernachten, mit Sonnenaufgang im Zeitraffer; das Lokal, in dem Herta (Meret Becker), von warmem Licht angestrahlt, ein Lied von Marlene Dietrich vorträgt.
Regisseur Sönke Wortmann zeigt in diesem kleinen, aber großartigen Film bereits seine Meisterschaft und bekam zu Recht den Bundesfilmpreis.
Von Manfred Lauffs.

Königliche Hoheit
Ein Film aus dem Jahr 1953, der seinerzeit ein Publikumserfolg war und heute zum ständigen Repertoire des deutschen Fernsehens gehört, weckt auch in unseren Tagen Aufmerksamkeit. In Harald Brauns Adaption von Thomas Manns 1909 veröffentlichtem Roman "Königliche Hoheit" entdeckt der Zuschauer überraschende Aktualität in einer für die Adenauer-Zeit niveauvollen Literaturverfilmung, die von einer Liebesgeschichte und der Bewältigung der Finanzkrise eines Landes erzählt.
Von Michael Dlugosch.

Best Exotic Marigold Hotel
Erfolg misst sich daran, wie man mit Enttäuschungen umgeht - solche und andere Weisheiten hat dieser Film über die Sorgen des Alterns wie auch den Mut zum Neuanfang und Veränderung zu bieten. Eine Riege hochrangiger britischer Schauspieler angefangen von den fast schon legendären Maggie Smith, Judi Dench, Bill Nighy, Tom Wilkinson, Penelope Wilton, bis Celia Imrie und Ronald Pickup - bieten uns eine köstliche Darbietung an, in einer Geschichte, die zwar manchmal oberflächlich aber überwiegend amüsant ist.
Von Hilde Ottschofski.

 



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"Ich habe ein einfaches Rezept, um fit zu bleiben - ich laufe jeden Tag Amok."

Schauspielerin und Sängerin Hildegard Knef (+2002)

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