Aktuelle Filme


Der kleine MedicusDer kleine Medicus - Bodynauten auf geheimer Mission im Körper
Fliegende Libellen-Roboter als Spione, ein sprechender rosa Hase im dunkelgrauen Astronautenanzug als "Bodynaut", ein Roboter und eine Raumkapsel, die so geschrumpft werden, dass sie in einen Speicheltropfen passen - technisch gekonnt kommt der Film daher, der sich vorgenommen hatte, heutzutage digitalaffine Kinder zu beeindrucken. Bei solchen Sequenzen ist zumindest ihre Aufmerksamkeit gebannt - allerdings hält die ungeschickt gestrickte Geschichte das Geschehen nicht zusammen, so dass es am Herzen vorbeigeht.
Für einen Kinobesuch lohnt sich dieser Film wegen des Innenlebens des Labors und kleiner technischer Schnickschnacks, die unterhaltend sind. Ein großer Wurf ist aber leider aus dieser Produktion nicht geworden. Zu viele Chancen wurden vergeben.
Von Hilde Ottschofski.
Foto: Senator
deutscher Kinostart: 30. Oktober 2014


HeliHeli
Mexiko, ein Land mitten im Drogenkrieg. Dass auch Unbeteiligte in diesen Konflikt hineingezogen werden können, zeigt Regisseur Amat Escalantes radikaler Film. Der junge Fabrikarbeiter Heli (Armando Espitia) lebt mit Frau und gemeinsamem Baby, dem Vater und der 12-jährigen Schwester Estela (Andrea Vergara) in einer trostlosen Gegend Mexikos. Estela hat heimlich einen Freund, den fünf Jahre älteren Polizeianwärter Beto (Juan Eduardo Palacios). Beto möchte das Mädchen ungeachtet ihres jungen Alters heiraten. Um an Geld zu kommen, klaut Beto von der Polizei beschlagnahmte Drogen und versteckt sie in Helis Haus. Mit katastrophalen Folgen für Heli und seine Familie. Bei der Darstellung der brutalen Realität schont die originell erzählte Drogentragödie den Zuschauer nicht.
Von Michael Dlugosch.
Foto: temperclayfilm


Guardians of the GalaxyGuardians of the Galaxy
Ein schlagfertiger Protagonist mit traumatischer Kindheit, eine zur Kriegerin erzogene, attraktive weibliche Heldin, dazu ein extrem intelligenter Nebendarsteller, dessen Persönlichkeit an Dr. Jekyll und Mr. Hyde erinnert und ein Charakter, der nicht in die Zeit zu passen scheint. Bevor Sie gleich bei IMDB.com nachsehen, ob "The Avengers 2" etwa an Ihnen vorbeigezogen ist: Dem ist nicht so. Dennoch erinnert das Rezept von "Guardians of the Galaxy" frappierend an Marvels Helden-Allianz. Das fertige Gericht ist dennoch kein fader Abklatsch.
Von Hendrik Neumann.
Foto: Walt Disney Studios Motion Pictures Germany


A Most Wanted ManA Most Wanted Man
Dieser Spionagethriller nach dem 2008 erschienenen Buch "Marionetten" von John Le Carré ist das dritte Regiewerk des talentierten Niederländers Anton Corbijn und handelt von den Schwierigkeiten der Terrorabwehr auf deutschem Boden. Der tragischerweise Anfang 2014 verstorbene Philip Seymour Hoffman hat darin einen seiner letzten Auftritte. Der zeitgerecht zum 11. September erscheinende Film zeigt viel Bildästhetik aber doch weniger als von Corbijn gewohnt, er zeigt den Seiltanz zwischen Vertrauen und Misstrauen und die Sinnlosigkeit des Festhaltens an Menschlichkeit. Trotz hervorragender schauspielerischer Leistung und auch einer dichten Atmosphäre gelingt es dem Film nicht, die nötige bedrohliche Spannung herzustellen.
Von Hilde Ottschofski.
Foto: Senator


Planes 2 - Immer im EinsatzPlanes 2 - Immer im Einsatz
Dusty Crophopper ist ein Star auf der Weltbühne der schnellen Flugzeuge - er kann die waghalsigsten Loops und Sturzflüge vorführen, wird von tausenden Fans angehimmelt. Ein irreparabler Getriebeschaden beendet jäh diese Karriere, und das ist schwer zu verkraften.
Sympathisch ist er ja, der Publikumsliebling und Flugzeugrennstar Dusty, der nach einer Niederlage und innerer Läuterung wieder zu alter Größe aufsteigt. Naturlandschaften und apokalyptische Feuersbrünste geben dem Film ästhetische Qualität, musikalisch ist das rasend schnell erzählte Epos auch treffend untermalt. Dennoch wird im neuen 3D-Animationsabenteuer "Planes 2" aus der Perspektive des Kindes zu schnell gesprochen, es tauchen zu viele Nebenfiguren auf, die aus Zeitmangel nur oberflächlich gezeichnet werden. Und die Botschaft fürs Herz bleibt aus.
Von Hilde Ottschofski.
Foto: Walt Disney Studios Motion Pictures Germany GmbH


Praia do FuturoPraia do Futuro
Erforsche das Leben mit all seinen Unwägbarkeiten, und fasse den Mut ins Unbekannte, ins Fremde aufzubrechen. Am sonnendurchtränkten bukolischen Strand von Praia do Futuro rettet Donato (Wagner Moura), der dort als Rettungsschwimmer arbeitet dem deutschen Konrad (Clemens Schick) das Leben. Zwischen den beiden Männern funkt es gewaltig. Donato folgt Konrad nach Berlin.
Diese Männer, ja diesen ganzen Film wird der Zuschauer schnell vergessen haben, da trotz des richtigen wie wichtigen Ansatzes, und trotz einiger weniger stimmungsvoller wie lyrischer Takes, der auch im Erzähltempo uneinheitlichen Geschichte der Kitt einer überzeugenden Story fehlt.
Von Sven Weidner.
Foto: Real Fiction Filmverleih
deutscher Kinostart: 2. Oktober 2014


Die innere ZoneDie innere Zone
Dass die Schweiz im Allgemeinen keine filmischen Feuerwerke zündet, ist weithin bekannt. Während ihr Nachbarland Österreich - von der Einwohnerzahl etwa gleich groß und finanziell gewiss nicht besser ausgestattet - grandiose Filmemacher wie Michael Haneke, Ulrich Seidl, Jessica Hausner, Barbara Albert, Götz Spielmann oder Wolfgang Murnberger hervorgebracht hat, die es zum Teil in die Elogen internationaler Filmfestivals geschafft haben, kräht nach dem schweizerischen Film kein Hahn. Ein bisschen nimmt dies Wunder, bietet doch die Schweiz aufgrund ihrer Mehrsprachigkeit und ihrer finanziellen Möglichkeiten ein veritables Potential mittels dessen interessante Produktionen entstehen könnten.
Von Sven Weidner.
Foto: Real Fiction Filmverleih


Jack und das KuckucksuhrherzJack und das Kuckucksuhrherz
Mit "Jack und das Kuckucksuhrherz" hat das Multitalent Mathias Malzieu nicht nur einen wundervollen Animationsfilm über die Kraft der Liebe geschaffen, sondern auch ein Plädoyer für Toleranz gegenüber Andersartigkeit. Ganz nebenbei ist er aber auch eine Liebeserklärung an die Zeit, in der die Bilder laufen lernten. Freunde Tim Burton'scher Bildsprache dürften ihre helle Freude an der düsteren, skurril-romantischen Tragikomödie mit Musical und Rock-Oper-Elementen haben.
"Jack und das Kuckucksuhrherz" ist ganz offensichtlich ein höchst persönlicher Film, er schielt absichtlich auf kein bestimmtes Publikum, auf keine bestimmte Altersgruppe. Auch musikalisch wird eine wilde Achterbahnfahrt geboten.
Von Oliver Forst.
Foto: Universum Film


Das Schicksal ist ein mieser VerräterDas Schicksal ist ein mieser Verräter
Nicht so sehr Verräter als vielmehr ein kühler Zeitmesser ist das Schicksal der Verfilmung des gleichnamigen Romans, das der einen Person mehr und der anderen weniger an Lebenszeit zu schenken vermag. Hazel Grace Lancaster ist ein Mädchen mit einer kleineren Portion an Lebensstunden. Sie kämpft um einen normalen Alltag trotz ihres Krebsleidens, das zunächst ihre Schilddrüse und dann ihre Lunge ergriffen hat. Ein kleines Wunder darf sie mit einem Medikament erleben und überlebt ihre Kindheit bis ins Teenageralter hinein. Mit ihren großen, leuchtenden Kulleraugen scheint sie eines Tages in einer Selbsthilfegruppe für krebskranke junge Menschen Gus an.
Von Margarethe Padysz.
Foto: Twentieth Century Fox


BoyhoodBoyhood
Richard Linklaters Spielfilm "Boyhood" ist mehr als eine Coming-of-Age-Geschichte: Er ist ein reiches und vielschichtiges Dokument der letzten zwölf Jahre unserer Zeit, eine präzise psychologische Skizze und nicht zuletzt das anschauliche Portrait eines Bundesstaates - Texas -, in dem alternative Rockbands neben tiefreligiösen, Waffen verherrlichenden Baptisten existieren.
Es ist der Präzision der Dialoge, der Stimmigkeit noch der alltäglichsten Szenen sowie der starken Gestik und Mimik des Hauptdarstellers Ellar Coltrane zu verdanken, dass wir bald unmerklich ein sehr deutliches Bild der Figur Mason gewinnen. So scheint es offensichtlich zu sein, dass dem künstlerisch interessierten, introvertierten jungen Mann die Geschenke zu seinem sechzehnten Geburtstag - ein Gewehr, eine Bibel und ein Anzug - wenig gefallen werden.
Von Jasmin Drescher.
Foto: Universal Pictures


Das magische HausDas magische Haus
Nach den zwei "Sammys Abenteuer"-Filmen konnte man an den belgischen Regisseur Ben Stassen vorfreudige Erwartungen für seinen neuen, mit einem weit höheren Budget ausgestatteten 3D-Film haben. Leider hinkt "Das magische Haus" ohne die Nähe zu den Figuren, mit wenig Emotionalität, mit vielen Fragezeichen betreffend die Motivation der Handlung den anderen zwei europaweit erfolgreichen und gelungenen Sammy-Filmen weit hinterher. Ein ausgesetzter Kater (Stimme: Matthias Schweighöfer) sucht Unterschlupf in einem spukigen schlossähnlichen alten Haus. Zwei Hunde warnen ihn vor dem angeblich furchterregenden Haus.
Die Geschwindigkeit des Films ist rasant - für Kinder zu rasant. Dennoch sind die kreative und technische Kühnheit zu würdigen.
Von Hilde Ottschofski.
Foto: StudioCanal


StereoStereo
Düsteres Action-Kino aus Deutschland - kann das funktionieren? Ist doch der deutsche Film immer noch hauptsächlich bekannt für seine Komödien, Dramen und Liebegeschichten. Der junge Regisseur Maximilian Erlenwein hat sich dennoch an das Genre herangewagt und mit Jürgen Vogel und Moritz Bleibtreu dafür gesorgt, dass "Stereo" mit zwei absoluten Größen des deutschen Kinos besetzt ist. Dass sein Wagemut belohnt wird, ist allerdings nicht nur den Schauspielern zuzuschreiben, denn "Stereo" überzeugt in allen Belangen.
Der Motorradmechaniker Erik (Jürgen Vogel) führt eine glückliche, junge Patchwork-Beziehung mit seiner Freundin Julia (Petra Schmidt-Schaller). Doch so ganz passt Erik nicht in das Bild und auch die Vergangenheit des tätowierten Mechanikers scheint bisher noch kein großes Thema gewesen zu sein. Als diese Erik einzuholen droht, gerät er in Zugzwang.
Von Hendrik Neumann.
Foto: Wild Bunch Germany


Im Namen des...Im Namen des...
"Du bist krank." Der erste Satz in Malgoska Szumowskas sprödem Abbild einer im eigenen Denkmuster gefangenen Gesellschaft fällt in einer Gruppe scherzender Jungen, gleich einem unheilvollen Vorboten des Urteils, das der Erzieher dieser Jungen über sich fällen wird. "Ich bin krank", stößt Adam (Andrzej Chyra) dann mit erstickter Stimme hervor, während er mit seiner verständnislosen Schwester über Skype spricht. Krank steht für die Gefühle, für die es in dem polnischen Dorf, in das der junge Priester versetzt wurde, kein Wort gibt, kein Begriffsvermögen, keine Empathie. Krank steht für die Liebe, die Adam von sich selbst und seinem Umfeld verwehrt wird: "Im Namen des..."
Von Lida Bach.
Foto: Berlinale
ein Film im Wettbewerb der 63. Berlinale 2013


Muppets Most WantedMuppets Most Wanted
Nur knappe zwei Jahre nach dem erfolgreichen Neustart der Muppets steht schon das nächste Abenteuer der Kult-Puppen an. Deren letzter Kinofilm davor lag noch im letzten Jahrtausend. Ein Schelm, wer hier eine schwache Fortsetzung aus Profitgier wittert. Doch ganz so schlimm ist es um "Muppets Most Wanted" gar nicht bestellt, was nicht zuletzt der hohen Cameo-Dichte und der erneut vortrefflichen Selbstironie geschuldet ist.
Der böseste Frosch der Welt, Constantine, bricht aus einem sibirischen Gulag aus und nimmt durch eine List den Platz von Kermit dem Frosch bei den Muppets ein. Dieser findet sich kurz darauf in besagtem Gulag wieder, während die Muppets nach der im letzten Film neu gewonnenen Popularität nun mit dem falschen Frosch auf Europa-Tournee gehen.
Von Hendrik Neumann.
Foto: Walt Disney Studios Motion Pictures Germany GmbH


AntboyAntboy
"Es gibt viele, die es gut finden, normal zu sein", klagt der 12-jährige Pelle zu Beginn von Ask Hasselbalchs originellem Kinderabenteuer. "Ich dagegen habe die Nase voll davon." Wie gerufen kommt da die genmanipulierte Ameise, die den unscheinbaren Außenseiter beißt, als er sich vor zwei Rowdys versteckt. Mit Verstecken ist Schluss dank der außergewöhnlichen Veränderungen, die Pelle an sich entdeckt und im Kampf für das Gute nutzt: als unerschrockener "Antboy".
Anders als bei Süßigkeiten, die seine Energiespeicher mit Ameisenkraft auffüllen, machen ihn emotionale Brocken im entscheidenden Moment nicht stärker, sondern schwächer als er zuvor war. Besondere Fähigkeiten bergen stets auch besondere Verantwortung. Diese für ältere Zuschauer recht abgegriffene, aber für das mit dem Genre weniger vertraute Kinderpublikum stimmige Botschaft vermittelt die Leinwandversion von Kenneth Bøgh Andersens erfolgreicher Kinderbuchreihe, ohne den augenzwinkernden Humor und das straffe Tempo auszubremsen.
Von Lida Bach.
Foto: MFA



Neue Rezensionen


Zwei glorreiche Halunken
Der Italowestern als Gattung (leicht abwertend auch "Spaghettiwestern" genannt) unterscheidet sich vom klassischen amerikanischen Western - obwohl viele genretypische Elemente beibehalten werden - in einigen entscheidenden Punkten. Es gibt nicht mehr die klare Unterscheidung zwischen Gut und Böse, wie etwa noch in "12 Uhr mittags" ("High Noon", 1952) zwischen Sheriff McKane und Gangster Frank Miller. Moralische Normen wie Ehrlichkeit, Altruismus, Edelmut spielen kaum noch eine Rolle, stattdessen werden die Protagonisten geprägt von Rachsucht, Habgier und Skrupellosigkeit. Diese "schwarzen Helden" (Sergio Leone) haben mit bürgerlichen Normen nichts mehr am Cowboyhut und neigen zu brutaler Gewalt, wobei sie oft einen ungezügelten Zynismus an den Tag legen.
Von Manfred Lauffs.

The American
Edward, der sich seinem mysteriösen Autraggeber gegenüber Jack nennt, ist ein mit den Händen sehr präziser Waffenbauer und Auftragsmörder. Er glaubt nicht, dass Gott sich für ihn interessiert. Dennoch sucht er im idyllischen Bergdorf Castel del Monte nach Freundschaft, Liebe und Erlösung aus der Dunkelheit seiner Existenz. Um den steinigen Weg hin zum Guten geht es im Streifen des niederländischen Regisseurs Anton Corbijn, der das Pittoreske eines italienischen Dorfes als Mitakteurin in den Film zu integrieren vermag.
Von Hilde Ottschofski.

Adams Äpfel
Anders Thomas Jensen ist vielleicht herausragendster Repräsentant einer jungen Riege dänischer Filmschaffender, die bis zur Gnadenlosigkeit den Realismus im Zwischenmenschlichen analysieren. Mit der thematisch ähnlich interessierten Susanne Bier schrieb er das Drehbuch für "In einer besseren Welt", der 2011 einen Oscar erhielt. Darin, wie auch in "Adams Äpfel", für den Jensen alleine als Drehbuchautor verantwortlich zeichnet, werden die Grenzen ausgelotet, wie viel Böses ein Mensch ertragen kann. Das Besondere an dem international mehrfach ausgezeichneten "Adams Äpfel" ist die emotional-obskure Tiefe und gleichzeitige Leichtigkeit des Erzählens, so dass Tragödie und Komödie nah beieinander liegen und ins Groteske zusammenfließen.
Von Hilde Ottschofski.

Rosen für den Staatsanwalt
In der Mitte des letzten Jahrhunderts schwappte eine Flut von sogenannten Heimatfilmen in die deutschen Kinos. Die melodramatischen Filme mit ihren scheinbar unberührten Landschaften, ihren klar in Gut und Böse aufgeteilten Figuren, ihren immergleichen Themen, dem Antimodernismus und dem unausweichlichen Happy End boten dem Zuschauer die gewünschte Ablenkung von der Alltagsrealität und ließen ihn vor allem die Geschehnisse vergessen, die nur wenige Jahre zurücklagen und mit denen man sich nicht auseinandersetzen wollte: der Diktatur und dem Krieg.
Nur wenige Filme aus dieser Zeit ragten aus diesem Kitschmeer heraus, Filme, in denen kritisch Vergangenheit und Gegenwart beleuchtet wurden, deren Handlung und Figuren realistisch angelegt waren, die die Finger in die Wunden legten und die der Aufklärung dienten, nicht der Verklärung. So auch "Rosen für den Staatsanwalt" (1959).
Von Manfred Lauffs.

Da geht noch was
Eine Tragikomödie, auf der Bühne oder auf der Leinwand, ist - wie man am Wort schon erkennen kann - eine Mischung aus Tragödie und Komödie. Sie hat eine ernste, traurige Handlung, enthält aber witzige Szenen; beides geht zumeist untrennbar ineinander über, so dass man über Dinge lacht, bei denen den handelnden Personen wahrlich nicht zum Lachen zumute ist. Ein Happy End muss nicht unbedingt vorhanden sein. So auch in diesem bemerkenswerten Film aus dem Jahre 2013.
Von Manfred Lauffs.

Fack ju Göhte
Dieser Schulschwank (Drehbuch und Regie: Bora Dagtekin) war mit sechs Millionen Zuschauern der erfolgreichste deutsche Kinofilm des Jahres 2013. Er basiert auf einem bewährten Handlungsschema: Junger, moderner Lehrer mischt eine (zumeist konservativ-spießige) Schule auf und wird zum Helden der Schüler. Das kennen wir aus Deutschland ("Ein unmöglicher Lehrer", "Pepe, der Paukerschreck"), Amerika ("Der Club der toten Dichter") und Frankreich ("Die Klasse"). Diesmal handelt es sich allerdings um eine durch Graffiti völlig verunzierte Gesamtschule, in der die Lehrer nichts zu melden haben, weil die ebenso unverschämten wie unterbelichteten Schüler mit ihnen machen, was sie wollen. Der Titel ist Programm: Von Literatur wollen die Schülermonster nichts wissen. Jedenfalls zu Beginn!
Von Manfred Lauffs.

Vitus
Dieser Film ist herausragend und hat zu Recht eine Reihe von Preisen gewonnen. Vitus ist ein hochbegabter Junge, der schon mit sechs Jahren sehr gut Klavier spielt. Die Eltern erkennen das Talent und lassen ihn von einem Musikprofessor unterrichten. Vitus lebt in drei Welten: bei den ehrgeizigen Eltern, in der Schule, wo er mehrere Klassen überspringt, von seinen Mitschülern als "Streber" gehänselt wird und den Lehrern auf den Geist geht, und bei seinem Großvater auf dem Land, wo die beiden Pasta essen, Schach spielen und Fledermausflügel basteln: ein Fluchtraum für den Jungen.
Von Manfred Lauffs.

Paulette
Paulette (Bernadette Lafont) ist 80 Jahre alt, Witwe, aber rüstig und grantig. Sie wohnt in einer zwielichtigen Pariser Trabantenvorstadt. Nach der Schließung der Konditorei ihres Mannes ging es ihr immer schlechter, nun muss sie mit der Mindestrente von 600 Euro auskommen. Ihre drei Freundinnen Maria, Lucienne und Renée, mit denen sie Karten spielt, behandelt sie genauso ruppig wie ihre Nachbarn und ihre Tochter Agnès, zumal die mit Ousmane verheiratet ist, einem schwarzen Kommissar. Zufällig gerät der verbiesterten Rentnerin ein Päckchen Marihuana in die Hände, es fällt geradezu vom Himmel, und da hat sie eine Idee: Sie wird Drogendealerin!
Von Manfred Lauffs.

Kleine Haie
Zu Beginn tritt in Gelsenkirchen der Knappenchor des Bergwerks Consolidation auf und singt programmatisch: "Einmal schafft's jeder". Und wenn dann die Flamencogruppe "Los niños del sol" auftritt, ist dieser Name auch symbolisch: Die Filmhelden streben zur Sonne des Erfolgs.
Kameramann Gernot Roll hat traumhafte Bilder eingefangen: Der Kohlenpott bei Nacht, Ingo (Jürgen Vogel) mit Hocker auf glänzender Straße vor Straßenbahnen; die Schneelandschaft am Isarufer, in der die Schauspielschüler übernachten, mit Sonnenaufgang im Zeitraffer; das Lokal, in dem Herta (Meret Becker), von warmem Licht angestrahlt, ein Lied von Marlene Dietrich vorträgt.
Regisseur Sönke Wortmann zeigt in diesem kleinen, aber großartigen Film bereits seine Meisterschaft und bekam zu Recht den Bundesfilmpreis.
Von Manfred Lauffs.

 



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Zitat

"Mit Gottfried John ist einer der profiliertesten deutschen Schauspieler gestorben. Wie kein anderer wird er mit der Ära des neuen deutschen Films und der Fassbinder-Zeit verbunden."

WDR-Fernsehfilmchef Gebhard Henke zum Tode des Schauspielers Gottfried John (29.08.1942 - 01.09.2014)

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