November 1999Bildgewaltiger Meilenstein der Filmtechnik
Im Mai 1964 trafen sich Arthur C. Clarke und Stanley Kubrick im New Yorker Chelsea Hotel, um einen neuen Sience-Fiction-Roman zu schreiben. Kubrick legte dabei besonderen Wert auf die methaphysiche Ebene der Geschichte. Clarke begann mit dem Roman, "Journey beyond the stars". Der Ausgangspunkt des Buches und späteren Films war die Kurzgeschichte "The Sentinal" aus dem Jahre 1948. In dieser Geschichte finden Raumfahrer auf dem Mond eine Maschine, die sowie sie entdeckt wird, ihren Erbauern mitteilt, daß die Menschen ins All aufgebrochen sind. Aus jener Maschine sollte später dann der Monolith werden. 1965 erklärte sich MGM bereit, den Stoff zu verfilmen. Doch es sollte noch drei Jahre dauern, bis der Film in die Kinos kam. Daß der Film sich solange hinzog, lag vor allem an Kubricks extremer Detailtreue. Er fuhr von einer Firma zur anderen und ließ sich bei den großen Konzernen wie NASA, IBM, BOING, Chrysler oder BELL haargenau beschreiben, welche technischen Weitererfindungen bis 2001 dort geplant waren. Alle angesprochenen Firmen halfen Kubrick und waren später stolz darauf bei diesem Projekt mitgewirkt zu haben. Mit einer Ausnahme allerdings: IBM. Dort war man geradezu entsetzt darüber, daß Kubrick aus den technischen Informationen den paranoiden Killercomputer HAL 9000 geschaffen hatte. Das wurde auch dadurch nicht besser, daß die Presse entdeckte, daß die Buchstaben HAL genau um einen Buchstaben unter IBM lagen. Dabei hätte IBM eigentlich stolz sein können, den die Szenen mit HAL gehören eindeutig zu den besten. Nirgendwo ist der Film dichter, beängstigender und faszinierender als im Abschnitt der Jupiterreise. Kubricks Film lebt in erster Linie von den Bildern. Besonders dem 1968 vom Trick unverwöhnten Publikum muß "2001" wie eine Offenbarung vorgekommen sein. Noch heute überzeugen die Aufnahmen der Discovery oder der unterschiedlichen Shuttles und Raumstationen. Hinzu kommt, daß es gut ein Jahrzehnt dauern sollte, bis mit Star Wars neue FX Elemente geschaffen wurden. Dabei ist interessant festzustellen, das der Trick sich auch innerhalb des Films noch verbessert. Doch es ist nicht der Trick alleine, sondern es sind Details, wie die Schwerelosigkeit, die diesen Film bis heute sehenswert machen. Zum ersten mal wurde dem Zuschauer klargemacht, daß es im Weltraum kein oben und unten gibt und daß dadurch das Besteigen einer Leiter auch schon mal in der Wagerechten erfolgen kann. Schade, daß Star Trek und co. dies später nie wieder aufgegriffen haben. Wobei man allerdings nicht verhehlen darf daß durch diese Detailtreue auch zu einer Reihe extrem langatmiger Einstellungen kommt die für den Zuschauer sehr nervenaufreibend seien können. Wie sieht es aber nun mit der Geschichte des Films aus. Die Grundidee, das wieder die Menschheit ihre Entwicklung einer außerirdischen Rasse verdankt, die uns seit Jahren beobachtet, ist an sich durchaus faszinierend. Doch wie auch später in "Das schwarze Loch", "Star Trek V" oder "Contact" scheitern solche Filme dann bei den Zusammentreffen von Mensch und dem unbekannten bzw. "göttlichen". Ein weißes Hotelzimmer. Das soll also nun die Kontaktaufnahme mit einer fast gottgleichen Wesensform sein? Das ist schon etwas sehr dürftig. Es mag sein, daß Kubrick vielleicht keine religiösen Gefühle verletzen wollte und so getreu dem Bibelspruch: "Du sollst Dir von Gott kein Bildnis machen" deswegen auf eine weitergehende Ausgestalltung verzichtete. Doch dadurch erfährt man am Ende weder etwas genaues über den Monolithen noch irgend etwas über seine Erbauer. In sofern erweist sich "2001" für den Zuschauer als eine neue Version von "Warten auf Godot": Man wartet auf Erkenntnis, aber sie kommt nicht. Nun kann man einwenden, daß Kubrick natürlich nicht die letzten Geheimnisse der Menschheit lösen kann, aber warum dann erst mit diesem Anspruch auftreten? Kubrick und Clarke haben sich hier schlicht verhoben und dies ist ein dickes Manko ihres Films. Doch trotz dieses gravierenden Mangels und einiger unnötig langer Einstellungen ist "2001" allemal ein filmtechnischer Meilenstein und bis heute der realistischste Film über die Raumfahrt und deswegen sollte man ihn aus filmhistorischen Gründen nicht versäumen. Lutz Berth / Wertung:* * * (3 von 5) |
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